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Sabotage der Deutschen Bahn: Grünen-Chef Nouripour fordert mehr Sicherheit

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Von: Steffen Maas, Yannick Hanke

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Ein Ausfall des Zugfunks legte am Samstagmorgen, 8. Oktober 2022, in ganz Norddeutschland den Fernverkehr der Deutschen Bahn lahm. Mutwillige Sabotage als Auslöser.

Update von Sonntag, 9. Oktober 2022, 10:28 Uhr: Berlin – Nach der Sabotage bei der Deutschen Bahn und dem Anschlag auf deren Technik, fordern die Grünen, dass die kritische Infrastruktur in Deutschland besser geschützt werden muss. So rief Grünen-Chef Omid Nouripour die Regierung dazu auf, mehr in die Sicherheit der Anlagen zu investieren. In der Pflicht sieht er dabei Innenministerin Nancy Faeser (SPD), die schnell einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen müsse.

Nach Sabotage bei der Deutschen Bahn: Grünen-Chef Nouripour fordert bessere Sicherheit

Laut Nouripur hätte die Sabotage für Chaos auf den Bahnhöfen gesorgt und Verunsicherung bei den Menschen ausgelöst. Es würde konkret sichtbar, wie angreifbar und verletzlich die kritischen Infrastrukturen in Deutschland seien. Hiermit meinte Nouripour unter anderem die Energieversorgung und den Verkehr.

Update von 14:17 Uhr: Bundesverkehrsminister Volker Wissing hat in einer spontan einberaumten Pressekonferenz den Tatbestand der Sabotage bestätigt. Es hätten am Samstagmorgen an zwei verschiedenen Standorten „mutwillige und vorsätzliche Sabotagehandlungen“ stattgefunden, so Wissing. Zu den Tätern oder dem Tat-Hintergrund konnte sich der Verkehrsminister nicht äußern, die Hintergründe seien „noch nicht weiter bekannt“. Die Bundespolizei habe jedoch die Ermittlungen aufgenommen.

Wissing unterstrich, dass es sich bei dem sabotierten Netzwerk um „unverzichtbare Infrastruktur“ handele und lobte die Mitarbeiter der Deutschen Bahn sowie das „enge Sicherheitsnetz“: Es sei „entscheidend“ gewesen, dass der Zugverkehr so schnell wie möglich wieder hergestellt wurde.

Zugausfälle der Deutschen Bahn: Sabotage an Kabeln war Ursache der Störung

Erstmeldung von Samstag, 08. Oktober 2022, 13:24 Uhr:

Berlin – Die großflächigen Ausfälle im Zugverkehr in Norddeutschland gehen nach Aussage der Bahn auf Sabotage zurück. „Aufgrund von Sabotage an Kabeln, die für den Zugverkehr unverzichtbar sind, musste die Deutsche Bahn den Zugverkehr im Norden heute Vormittag für knapp drei Stunden einstellen“, sagte eine Sprecherin am Samstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die zuständigen Sicherheitsbehörden hätten die Ermittlungen aufgenommen.

Bahn: Sabotage war Grund für Zugausfälle

Mittlerweile haben an der Ermittlung beteiligte Beamte gegenüber dem Nachrichtenmagazin Spiegel erläutert, dass an zwei verschiedenen Orten Kabelverbindungen des Bahn-internen Kommunikationssystems festgestellt wurden. So eine gezielte Sabotage sei nur möglich, wenn man Informationen über das Netzwerk habe und darüber, wie es per Fremdeinwirkung abzuschalten sei, heißt es weiter.

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In Norddeutschland legt eine Störung den Fernverkehr lahm. © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Dass es für die Störung eine möglicherweise weniger harmlose Ursache gab, war bereits vor der Bekanntgabe durch die Deutsche Bahn vermutet worden. Auch dass Bundesverkehrsminister Volker Wissing ankündigte, um 14:00 Uhr in Berlin ein Statement abgeben und sich zu den Vorfällen äußern zu wollen, nährte frühzeitig Spekulationen, dass es sich nicht um einen bloßen technischen Defekt handelte.

DB-Störung: Spekulationen um Saboteur in den sozialen Medien

In den sozialen Netzwerken brachen seitdem wilde Spekulationen zur wahren Ursache und dem Übeltäter aus. Nicht zuletzt das Stichwort „Sabotage“ ließ in vielen Köpfen den Vergleich zur Sabotage der Gas-Pipeline Nord Stream vor wenigen Wochen entstehen. Der vermutete Saboteur hieß in dem Fall Russland – bewiesen ist das jedoch nicht.

Extremistischere Elemente der Bundesrepublik vermuten im Fall der Bahn-Sabotage aber sowieso lieber innerdeutsche Gegenspieler. Für den Berliner AfD-Abgeordneten Gunnar Lindemann scheint etwa klar, dass die Deutsche Bahn als „Staatskonzern“ nicht zufällig den Dienst verweigert, wenn die rechtsextremistische Partei in Berlin zur großen Demonstration aufruft.

Störung bei der Deutschen Bahn: Funksystem GSM-R war ausgefallen

Am Samstagmorgen kam es aufgrund einer Störung des Zugfunks zu großflächigen Ausfällen des Fernverkehres in Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Durch den Ausfall des sogenannten GSM-R-Systems war kein Kontakt zu den einzelnen Zügen möglich: Das Funksystem GSM-R „dient der Kommunikation zwischen den Leitstellen, die den Zugverkehr steuern, und den Zügen und ist damit unverzichtbarer Bestandteil für den reibungslosen Zugverkehr“, erklärte eine Sprecherin der Deutschen Bahn gegenüber n-tv.

Die Störung ist mittlerweile wieder behoben. Die Deutsche Bahn teilt jedoch mit, dass der Betrieb erst langsam wieder anlaufe und es nach wie vor jedoch zu Beeinträchtigungen wie Verspätungen, Zugausfällen und Haltausfällen kommen kann. Ebenso weist die Bahn darauf hin, dass in den tatsächlich verkehrenden Zügen durch die Verschiebungen ein deutlich höheres Reisendenaufkommen zu erwarten sei.

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