Das bringt das neue Jahr

Wer 2013 zahlen muss und wer kassiert

München - Auch nach Weihnachten dürfen sich die Bürger auf Geschenke freuen: Das Wahljahr 2013 bringt Bares in die Tasche – wenn auch nur in Mini-Beträgen. Wir zeigen Ihnen, wo es mehr gibt.

Auch nach Weihnachten dürfen sich die Bürger auf Geschenke freuen: Das Wahljahr 2013 bringt Bares in die Tasche – wenn auch nur in Mini-Beträgen. Für Lohnsteuer und die Rentenkasse wird weniger fällig, dafür werden aber Strom und Pflegeversicherung teurer. Die tz erklärt in der Jahresvorschau, was auf alle Bürger, Arbeitnehmer, Gering- und Besserverdiener, Arbeitslose sowie Haus- und Wohnungsbesitzer zukommt. Zudem erfahren Sie, mit welchen Änderungen Eltern, Ehrenamtliche, Rentner, Kranke, Behinderte, Autofahrer, Reisende und Soldaten rechnen können.

Alle Bürger Rundfunkgebühren: Hier gilt nun das Prinzip „Eine Wohnung , ein Beitrag“. Die Zahl der Fernseh- und Radiogeräte oder die Zahl der Mitbewohner spielt keine Rolle mehr. Die monatlich 17,98 Euro zahlen also Alleinlebende genauso wie Großfamilien oder WGs. Schwerbehinderte mit dem RF-Merkzeichen im Ausweis könne sich nicht mehr von der Gebühr befreien lassen. Sie zahlen dann auf Antrag einen ermäßigten Beitrag von 5,99 Euro. Porto: Briefeschreiber müssen tiefer in die Tasche greifen. Der Standardbrief bis 20 Gramm kostet dann 58 statt 55 Cent. Der Maxibrief bis 1000 Gramm kostet künftig 2,40 statt 2,20 Euro. Versicherungen: Obwohl das Gesetz noch gar nicht durch den Bundesrat ist, bieten die Versicherungen seit dem 21. Dezember nur noch sogenannte Unisex-Tarife an. Männer und Frauen zahlen danach den gleichen Beitrag. Teurer wird es für Männer bei der Alters- und Berufsunfähigkeitsvorsorge. Frauen müssen bei Risikoversicherungen mehr bezahlen. Strom: Die Umlage für Erneuerbare Energien steigt und Verbraucher finanzieren mehr Entgeltbefreiungen für die Industrie mit. Ein durchschnittlicher 3-Personen-Haushalt zahlt damit für eine Kilowattstunde 14,4 statt 11,7 Cent. Steuern: Der Grundfreibetrag steigt um 126 auf 8130 Euro im Jahr. Das bringt eine jährliche Entlastung von etwa 24 Euro.

Diesen Marken vertrauen die Deutschen

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Arbeitnehmer Lohnsteuerkarte: Die elektronische Lohnsteuerkarte kommt – wegen Problemen aber später: Die Arbeitgeber haben das gesamte Jahr über Zeit, sich umzustellen. Rentenbeitrag: Statt 19,6 müssen sie nur noch 18,9 Prozent des Bruttolohns in die Rentenkasse zahlen – so wenig wie seit 1995 nicht mehr. Ein Durchschnittsverdiener mit 2600 Euro spart damit neun Euro im Monat. Pflegeversicherung: Der Beitragssatz steigt von 1,95 auf 2,05 Prozent. Wer keine Kinder hat, muss 2,3 Prozent des Bruttolohns in die Pflegekasse einzahlen. Wer eine private Pflege-Zusatzversicherung abschließt, erhält bei einem Mindestbeitrag von 10 Euro einen Zuschuss von 5 Euro. Eine Gesundheitsprüfung ist nicht nötig. Dieser „Pflege-Bahr“ wird 2014 ausgezahlt. Kurzarbeitergeld: Wegen der sich abschwächenden Konjunktur können Unternehmen 2013 mit bis zu zwölf Monate lang Kurzarbeitergeld beantragen. Das soll Entlassungen verhindern. Leiharbeiter: In der Holz- und Kunststoffverarbeitenden Industrie gibt es neue Branchenzuschläge für Zeit- und Leiharbeiter. Sie gleichen nach neun Monaten die bisherige Tariflücke zu den Stammbelegschaften nahezu aus. Renten-Steuer: Arbeitnehmer können statt bisher 48 nun 52 Prozent ihrer Beiträge für die Rentenkasse von der Steuer absetzen. Das ist bereits bei der Lohnsteuerberechnung berücksichtigt. Geringverdiener Minijobber: Die Verdienstobergrenze für geringfügig entlohnte Beschäftigte steigt um 50 auf 450 Euro. Wer 2013 Minijobber wird, muss Renten-Beiträge zahlen. Für vollwertige Pflichtbeitragszeiten werden bis zu 17,55 Euro fällig. Betroffene können sich davon aber auch befreien lassen. Midijobber: Auch die Höchstgrenze der sogenannten Gleitzone steigt um 50 Euro. 2013 werden damit erst ab 850 Euro volle Sozialversicherungsbeiträge fällig.

Arbeitslose und Arme Hartz IV: Die rund sechs Millionen Empfänger bekommen fünf bis acht Euro mehr pro Monat. Der Regelsatz für einen Single steigt auf 382 Euro. Der Hartz-IV-Satz für Partner erhöht sich auf 345 Euro, Kinder bis sechs Jahre erhalten 224 Euro, Kinder zwischen 7 und 14 Jahren 255 Euro und Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren 289 Euro.

Vermögensauskunft: Erhalten Gläubiger auch mit einer Zwangsvollstreckung nicht alle Schulden zurück, können sie eine eidesstattliche Versicherung verlangen.

Besserverdiener Beitragsbemessungsgrenze: Künftig müssen Beschäftigte auch für Einkommen von bis zu 5800 Euro Renten- und Arbeitslosenbeiträge bezahlen. Die Grenze steigt damit im Westen um 200 Euro. In der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung steigt die Gehaltsgrenze für die Sozialabgaben von 3825 auf 3937,50 Euro pro Monat. Pflichtversicherungsgrenze: Künftig kann erst in die private Krankenversicherung wechseln, wer 52 200 Euro brutto im Jahr verdient. Die Grenze steigt um 1350 Euro

Hausbesitzer Energetische Gebäudesanierung: Die Bundesregierung stellt 300 Millionen Euro zur Verfügung, um das Energiesparen in Gebäuden zu fördern. Mit den zinsgünstigen Darlehen der KfW-Bank steigt damit die Gesamtsumme auf 1,8 Milliarden Euro. Einzelne Umbauten werden mit bis zu 5000 Euro bezuschusst.

Kaminkehrer: Das Schornsteinfegermonopol fällt nach vierjähriger Übergangszeit endültig. Haus- und Wohnungseigentümer haben dann freie Wahl, wem sie den Auftrag für Überprüfungs-, Kehr- und Messarbeiten geben. Die Bezirksschornsteinfegermeister bleiben nur für hoheitliche Maßnahmen wie die sogenannte Feuerstättenschau oder die Bauabnahme allein zuständig.

Eltern und Ehrenamtliche

Elterngeld: Die Leistung für Kinder, die ab 2013 geboren werden, wird wegen einer geänderten Berücksichtigung bei der Sozialversicherung anders berechnet. Unterm Strich bedeutet das für Eltern mit einem monatlichen Bruttolohn zwischen 2000 und 3000 Euro etwa sieben bis zehn Euro weniger Geld.

Betreuungsgeld: Ab dem 1. August erhalten Eltern, die von staatlichen Betreuungseinrichtungen für ihre ein- und zweijährigen Kinder keinen oder nur wenig Gebrauch machen, monatlich 100 Euro. Wer das Geld für private Altersvorsorge nutzt, erhält einen Zuschlag von 15 Euro. Betreuungsgeld gibt es für Kinder, die nach dem 31. Juli 2012 geboren sind.

Unterhalt: Der Satz, der einer Person monatlich zur freien Verfügung stehen muss, steigt. Wer für Kinder bis zum 21. Lebensjahr unterhaltspflichtig ist, darf statt bisher 950 künftig 1000 Euro behalten. Für nicht Erwerbstätige steigt der Selbstbehalt von 770 auf 800 Euro. Wer gegenüber volljährigen Kindern unterhaltspflichtig ist, darf künftig 1200 statt 1150 Euro behalten, bei nichtehelichen Kindern sind es 1100 statt 1050 Euro.

Übungsleiterpauschale: Nebenberufliche Tätigkeiten wie die Arbeit als Trainer, Ausbilder oder Betreuer für gemeinnützige Organisationen oder Kirchen sollen künftig stärker begünstigt werden. Die steuer- und sozialversicherungsfreie Übungsleiterpauschale steigt von derzeit 2100 auf 2400 Euro. Zudem soll die Ehrenamtspauschale um 220 auf 720 Euro steigen. Die Änderungen werden erst Anfang 2013 beschlossen, sollen aber rückwirkend zum 1. Januar gelten.

Rentner

Hinzuverdienst: Frührentner dürfen bis zu 450 Euro im Monat hinzuverdienen, ohne dass das auf die Rente angerechnet wird. Rentengrenze: Die zweite Stufe auf dem Weg zur Rente mit 67 tritt in Kraft: Neu-Rentner mit Jahrgang 1948 müssen 2013 zwei Monate über ihren 65. Geburtstag hinaus arbeiten, um ihre Altersversorgung ohne Abschläge zu erhalten.

Rentengrenze: Die zweite Stufe auf dem Weg zur Rente mit 67 tritt in Kraft: Neu-Rentner mit Jahrgang 1948 müssen 2013 zwei Monate über ihren 65. Geburtstag hinaus arbeiten, um ihre Altersversorgung ohne Abschläge zu erhalten.

Kranke und Behinderte

Praxisgebühr: Wer zum Arzt geht, muss keine 10 Euro Eintritt mehr im Quartal bezahlen. Entgegen den Erwartungen hatte die Gebühr die Zahl der Arztbesuche nicht gesenkt.

Pflegebedürftige: Menschen mit Demenz oder geistiger Behinderung, die von Angehöringen zu Hause betreut werden und in keiner Pflegestufe sind, können außer den bislang möglichen maximal 200 Euro für Betreuung nun ein Pflegegeld von 120 Euro oder Sachleistungen von bis zu 224 Euro bekommen. Wenn die Pflegeperson ausfällt, können auch Demenzkranke bis zu 1550 Euro im Jahr für eine Verhinderungspflege erhalten. Demenzkranke erhalten zudem einen Zuschuss von 2557 Euro für dieAnpassung ihrer Wohnung. Auch in Stufe I und II gibt es Erhöhungen. Ambulante Dienste bieten künftig auch Betreuung an, wozu etwa das Vorlesen der Zeitung oder Spazierengehen zählen.

Pflegende: Wer eine oder mehrere Personen mindestens 14 Stunden pro Woche pflegt, erhält von der Pflegekasse Beiträge zur Rentenversicherung.

Schwerbehinderte: Sie müssen erstmals seit 1984 mehr für Bus- und Bahntickets zahlen: 72 statt 60 Euro im Jahr. Einkommensschwache sowie Blinde und Hilflose bleiben von der Eigenbeteiligung weiter befreit.

Autofahrer und Reisende

Führerscheine: Alle ab dem 19. Januar ausgestellten Lappen erhalten ein Ablaufdatum und müssen nach 15 Jahren neu beantragt werden. Führerscheinanwärter dürfen stärkere Maschinen führen: bei Motorrädern Maschinen mit 48 statt 34 PS.

Dieselfahrzeuge: Der Fördersatz für die Nachrüstung von Partikelfiltern sinkt von 330 auf 260 Euro. Für Nachrüstungen, die noch 2012 erfolgen, können Bürger bis zum 15. Februar 2013 beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle einen Antrag auf Förderung stellen. Danach gilt der niedrigere Fördersatz.

Radler: Auf speziellen Fahrradstraßen gibt es für Radler ein Tempolimit: 30 km/h.

Fernbusse: Bahn und Billigflieger bekommen mit innerdeutschen Fernlinienbussen Konkurrenz. Diese dürfen aber nur Haltepunkte im Abstand von mindestens 50 Kilometern anfahren. Benzinpreise: Das Kartellamt richtet eine Stelle ein, wohin deutsche Tankstellen ihre Preise für Benzin und Diesel melden sollen. Über das Internet sollen Autofahrer vorraussichtlich ab dem Sommer so die aktuellen Preise abfragen können.

 

Was noch strittig ist

Wegen eines Streits um die Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften ist das Jahressteuergesetz 2013 derzeit blockiert. Damit sind auch andere geplante Bereiche betroffen:

Soldaten und Freiwilligendienstler: Der Grundwehrsold beim freiwilligen Wehrdienst und das Taschengeld für den Bundesfreiwilligendienst sollen steuerfrei bleiben. Steuerpflichtig werden bei Verträgen ab 1. Januar unter anderem der Wehrdienstzuschlag, besondere Zuwendungen sowie unentgeltliche Unterkunft und Verpflegung. Erstmals steuerfrei sollen Geldbezüge bei anderen Diensten sein, wofür es auch Kindergeld gibt (z.B. freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr). Das ist Teil des strittigen Jahressteuergesetzes 2013.

Lohnsteuer-Freibeträge: Arbeitnehmer sollen ihre Freibeträge bei der Lohnsteuer auf zwei Kalenderjahre verlängern können. Ein jährlicher Antrag beim Finanzamt würde damit entfallen.

Elektroautos: Reine Elektrofahrzeuge einschließlich Brennstoffzellenfahrzeugen mit Erstzulassung zwischen dem 18. Mai 2011 und 31. Dezember 2015 sollen für zehn statt fünf Jahre von der Kfz-Steuer befreit werden. Weitere Steueranreize soll es für Elektroautos als Dienstwagen geben.

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Rubriklistenbild: © dpa

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