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49-Euro-Ticket: Start, Gültigkeit, Dauer – Die wichtigsten Fragen und Antworten

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Von: Lisa Mayerhofer

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Für 49 Euro im Monat soll das bundesweit gültige „Deutschlandticket“ der Nachfolger des beliebten 9-Euro-Tickets werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Berlin – Das 9-Euro-Ticket, das im Sommer angeboten wurde, gilt als voller Erfolg. Nach Branchenangaben wurde das Sparticket, mit dem man in den Sommermonaten den öffentlichen Nahverkehr in ganz Deutschland nutzen konnte, rund 52 Millionen verkauft. Politiker und Verbände forderten daraufhin eine Nachfolgelösung.

Doch auf Dauer sei ein solch „extrem günstiger Tarif“ nicht zu finanzieren, hatte Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) deutlich gemacht. In der Diskussion waren daraufhin verschiedene Preismodelle. Nun haben sich die Verkehrsminister von Bund und Ländern grundsätzlich auf ein 49-Euro-Ticket als Nachfolgemodell für das 9-Euro-Ticket geeinigt. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Wie wird das 49-Euro-Ticket finanziert?

Das neue sogenannte „Deutschlandticket“ kostet drei Milliarden Euro. Bund und Länder finanzieren das jeweils zur Hälfte. Außerdem erhöht der Bund dauerhaft Regionalisierungsmittel, mit denen die Länder Bahn- und Busverbindungen bei den Verkehrsunternehmen bestellen. Die Länder hatten dies zur Bedingung gemacht, dass sie das 49-Euro-Ticket mitfinanzieren. Über die weitere Entwicklung der Regionalisierungsmittel und des Deutschlandtickets für die Zeit ab 2025 wollen Bund und Länder Ende 2024 sprechen.

Wann wird das 49-Euro-Ticket eingeführt?

Das Ticket soll möglichst schnell eingeführt werden, angestrebt wird ein Start im Januar. Verkehrsminister Wissing sagte: „Jetzt ist der Weg frei für die größte ÖPNV-Tarifreform in Deutschland.“ Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) bezweifelte aber, dass das 49-Euro-Ticket im Januar kommt. Der Grünen-Politiker sagte den Partnerzeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft (NBR), möglicherweise komme es erst am 1. März oder 1. April. Die Umsetzung sei aufwendig. Der Länderanteil in Höhe von 1,5 Milliarden Euro müsse in den Haushalten der Länder verankert werden.

In der Süddeutschen Zeitung wies Hermann zudem darauf hin, dass Automaten umgestellt, Tarifsysteme angepasst und Gremienbeschlüsse gefasst werden müssten. Vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hieß es, ein Start zum 1. Januar wäre wünschenswert: „Wir setzen alles daran.“ Dies sei aber zunehmend unrealistisch. Wahrscheinlicher sei eine Einführung zum Ende des ersten Quartals 2023.

Berliner U-Bahn
Für das 49-Euro-Ticket müssen laut Hermann noch Automaten umgestellt, Tarifsysteme angepasst und Gremienbeschlüsse gefasst werden. (Symbolbild) © Christoph Soeder/dpa/Archivbild

Wie lange und wo ist das 49-Euro-Ticket gültig?

Das Deutschlandticket ist für einen Einführungspreis von 49 Euro im Monat in einem monatlich kündbaren Abonnement vorgesehen. Reisende können damit laut der Deutschen Bahn bundesweit in jeden beliebigen Regionalzug oder Linienbus einsteigen. Das Ticket gilt allerdings nicht für die Züge des Fernverkehrs wie den ICE, sondern nur für den Regional- und Nahverkehr in ganz Deutschland.

Wo kann ich das 49-Euro-Ticket kaufen?

Das Ticket soll nach aktuellem Beschluss als Abo vor allem auf digitalem Wege verkauft werden. Ob es auch im Papierformat an Automaten zu kaufen sein wird, ist offen. Die Entscheidung treffen die Länder und Verkehrsverbünde. Das Ticket wird personalisiert und nicht übertragbar sein.

Wird das Deutschlandticket immer 49 Euro kosten?

Das ist unwahrscheinlich. Das Ticket könnte mit der Zeit teurer werden. Nach den Plänen der Verkehrsminister ist ab dem zweiten Jahr eine „Dynamisierung“ in Form eines automatischen Inflationsausgleichs geplant. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sagte: „Der Preis wird steigen.“ Es solle vermieden werden, dass wegen steigender Kosten Bestandsverkehre abbestellt und Linien ausgedünnt werden müssten. „Das beste Ticket hilft am Ende nicht, wenn der Bus nicht mehr kommt.“

Ob es unterschiedliche Preise etwa für Schüler und Kinder gibt, ist noch offen. Darüber hinaus könnte es sein, dass manche Bundesländer trotz der aktuellen Beschlüsse ihre eigenen Wege gehen: Dort könnte es dann gestaffelte Preise geben. Berlin hatte zum Beispiel nach dem 9-Euro-Ticket ein 29-Euro-Monatsticket beschlossen, das seit Oktober im Abo erhältlich ist und nur in Berlin gilt. Der rot-grün-rote Senat hatte sich darauf verständigt, es zunächst um drei Monate bis Ende März zu verlängern.

Gibt es auch Kritik am 49-Euro-Ticket?

Laut Thorsten Frei, Parlamentsgeschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, könne die Einführung des 49-Euro-Tickets nicht das Ende der Überlegungen sein – vor allem mit Blick auf die Menschen im ländlichen Raum. „Was nützt ein Fahrschein, den am Ende alle bezahlen, wenn nur selten mal ein Bus vorbeikommt? Hier muss die Ampel schnell Antworten liefern“, forderte er.

Auch der Sozialverband Deutschland ist unzufrieden mit dem 49-Euro-Ticket, allerdings wegen des Preises. Die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier sagte der Deutschen Presse-Agentur, nicht alle Menschen könnten sich dieses leisten. Der Verband fordert daher ein 365-Euro-Jahresticket. „Ein Euro pro Tag für Mobilität, das wäre wirklich sozial verträglich“, sagte Engelmeier.

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch beklagte ebenfalls, für viele einkommensschwache Haushalte sei das 49-Euro-Ticket zu teuer. Und die Zusatzgelder für den Verkehrsausbau seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Hier wäre ein ‚Wumms‘ notwendig gewesen“, sagte Bartsch den Zeitungen der Funke Mediengruppe. (lma/dpa)

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