Ackermann macht Deutsche Bank sturmfest

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Josef Ackermann  gibt in sieben Monaten den Vorstandsposten bei der Deutschen Bank ab.

Frankfurt/Main - Kurz vor dem Machtwechsel bei der Deutschen Bank hat Vorstandschef Ackermann alle Hände voll zu tun. Die Euro-Schuldenkrise schlägt, die Bank muss sich gegen weitere Stürme wappnen.

In Brüssel ringt Deutschlands mächtigster Banker Josef Ackermann um den Beitrag europäischer Kreditinstitute zur Griechenland-Rettung. Sein eigenes Haus hat der 63-Jährige derweil sturmfest gemacht - sieben Monate vor dem Machtwechsel in der Topetage der Deutschen Bank. Der Branchenprimus ist vorbereitet, sollten die Geldhäuser wegen der Euro-Schuldenkrise schnell härtere Eigenkapitalvorschriften bekommen. Auch für einen höheren Schuldenschnitt in Griechenland sieht sich das Institut gerüstet.

Selbst wenn sich die europäischen Regierungen auf ein höheres Tempo bei den geplanten strengeren Kapitalvorgaben und eine stärkere Berücksichtigung der Risiken aus Staatsanleihen einigen würden, könnte die Deutsche Bank die Belastungen aus eigener Kraft stemmen, versicherte Finanzvorstand Stefan Krause am Dienstag vor Analysten. Seine Berechnung: Auch wenn alle Staatsanleihen auf Marktniveau abgewertet werden müssten, würde die harte Kernkapitalquote der Bank 9,1 Prozent betragen.

Damit würde sie just über der jüngst von der Politik ins Spiel Marke von 9 Prozent liegen, die deutlich höher wäre als die bislang in Stresstests verlangte. Sollten das die Banken nicht schaffen, sollen sie dazu gezwungen werden, neues Kapital aufzunehmen. Notfalls auch Staatshilfe. Das will die Deutsche Bank auf jeden Fall vermeiden. Geld vom Staat werde das Institut nicht benötigen, bekräftigte Krause.

Wirtschaftskrise: Diese Banken hat es am meisten getroffen

Kaupthing Bank
Zahlungsunfähig seit einem Jahr: Die isländische Kaupthing Bank steht seit Oktober 2008 unter staatliche Aufsicht. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot erlassen. Die deutschen Kaupthing-Anleger bangen noch immer um ihre Einlagen. © dpa
Protest nach Lehman-Pleite
Die Pleite der US-Bank Lehman Brothers am 15. September 2008 war die größte Pleite eines Unternehmens, das die Welt je gesehen hat. In Folge brachen weltweit die Aktienmärkte ein und das globale Finanzsystem befand sich am Rande des Kollapses. Ein Jahr nach der Pleite erheben deutsche Banken Anspruch auf 50 Milliarden Dollar aus der Insolvenzmasse.  © dpa
Hypo Real Estate
Die Hypo Real Estate ist seit 13. Oktober 2009 vollständig in staatlicher Hand. Die Bank war in Schieflage geraten und konnte nur mit staatlichen Hilfen vor der Pleite bewahrt worden. Viele Anleger fühlen sich nun um ihr Erspartes gebracht. © AP
Bayern LB
Die BayernLB hatte allein 5,2 Milliarden Euro mit verbrieften US-Immobilienkrediten verspielt. Weitere 2,6 Milliarden Euro kostete das Engagement bei der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria. Dem Freistaat Bayern gehören inzwischen 94 Prozent der Bank. Doch 2010 erzielte die Bank wieder einen Profit von 635 Millionen Euro. © AP
westLB
Die nordrhein-westfaelische Landesbank WestLB steckt seit 2007 durch Fehlspekulationen und die Auswirkungen der Finanzkrise in Schwierigkeiten. Für 2010 meldete sie ein Minus von 240 Millionen Euro - und das, obwohl sie marode Kredite im Volumen von 77 Milliarden Euro in eine Bad Bank ausgelagert hat. © AP
IKB
Bereits im Sommer 2007 wäre die in Düsseldorf ansässige IKB beinahe pleite gegangen. Als erstes großes Geldinstitut in Deutschland. Zehn Milliarden Euro waren notwendig, um die Mittelstandsbank zu retten, vor allem der Staat musste einspringen. Doch noch immer sind die Ursachen für die Pleite nicht aufgeklärt. © AP
Commerzbank
Die Commerzbank musste vom Staat mit Milliardensummen gestützt werden. Dennoch hat die Bank Anfang Oktober 2009 nach Berichten des Handelsblatts Teile der von der Politik beschlossenen Regeln zum Anlegerschutz heftig attackiert. Bis Juni 2011 will die Bank 14,3 Milliarden Euro Rettungsgelder zurückzahlen. Das sind 88,3 Prozent der Stillen Einlage des staatlichen Bankenrettungsfonds SoFFin von 16,2 Milliarden Euro. © dpa
HSH Nordbank
Die Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein kommt nicht mehr aus den Schlagzeilen. 2008 legte die HSH Nordbank einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro hin. Sie überlebte nur dank Steuermilliarden. 2010 erzielte sie nach harter Restrukturierung einen klitzekleinen Gewinn von 48 Millionen Euro bei einer Bilanzsumme von 151 Milliarden Euro. Die verbliebene Neun-Milliarden-Euro-Bürgschaft des Bankenrettungsfonds SoFFin will sie bis Mitte 2012 abbauen. © dpa
LBBW
Die finanziell schwer angeschlagene Landesbank Baden-Württemberg will bis 2013 ganze 2500 Stellen streichen, um so jährlich rund 700 Millionen Euro einzusparen. Inzwischen ist klar: Im Frühjahr 2009 war die LBBW quasi pleite. Gerettet haben sie Land und Sparkassen und ein Risikoschirm von 12,7 Milliarden Euro. © dpa
Bear Stearns
Die Finanzkrise erreichte mit dem Notverkauf der fünftgrößten US-Investmentbank Bear Stearns im März 2008 einen ersten Höhepunkt vor der Lehman-Pleite. Die Bank wurde mit Unterstützung der US-Notenbank von ihrem früheren Konkurrenten JP Morgan Chase übernommen. © AP
Uni Credit
2006 übernahm die italienische Uni Credit, der Mutterkonzern der Bank Austria, die deutsche Hypo Bank. Unser Archivfoto zeigt den Uni Credit Chef Alessandro Profumo beim Verkünden dieser Nachricht. Die Wirtschaftskrise nötigte die Bank zu einer Kapitalerhöhung bis zu 6,6 Milliarden Dollar und zu einem Expansionsstopp in Osteuropa. © dpa
Goldman Sachs
Bei Goldman Sachs, einer weltgrößte Investmentbank, ist Warren Buffett eingestiegen. Die Finanzbranche fürchtet erneute Rückschläge, die Krise ist längst noch nicht vorbei. Aber Goldman Sachs legte im Juli 2009 Zahlen wie aus Tagen des Turbokapitalismus: Mit einem Gewinn von 2,7 Milliarden Dollar hat das krisengeschüttelte Institut für einen Paukenschlag gesorgt. © AP
Merill Lynch
Die drittgrößte US-Investmentbank Merrill Lynch hat sich inmitten der Wall-Street-Krise in einem Eilverkauf unter das Dach der Bank of America gerettet. Der Kaufpreis lag bei 50 Milliarden Dollar - allerdings nur in Aktien. Damit bewahrte der Merrill-Chef sein Traditionshaus vor dem Schicksal des insolventen Konkurrenten Lehman Brothers. © dpa
Northern Rock
Lange Schlangen gab es vor den Fillialen von Northern Rock, einem Baufinanzierer aus Großbritannien, da die verzweifelten Kunden ihr Ersparnisse retten wollten. Trotz eines Notfall-Kredits durch die Bank von England wurde das Institut im Februar 2008 verstaatlicht. © dpa
Zentrale US-Versicherungsgigant American International Group AIG
Beim taumelnden US-Versicherungsgiganten American International Group AIG hat die US-Regierung kaum vorstellbare 180 Milliarden Dollar Steuergelder zu dessen Rettung investiert. Die Gehälter der Manager der Handelssparte will die US-Regierung drastisch kappen. © dpa
Chrysler-Zentrale Michigan
Nur dank enormer Staatshilfen hat die Autobank Chrysler-Financial des Chrysler-Konzerns die Wirtschaftskrise bislang überstanden. In der Zentrale des Konzerns in Auburn Hills, Michigan, müssen die Manager derweil mit Gehaltseinbußen rechnen. Die US-Regierung will deren Bezüge drastisch kürzen. © dpa
citigroup
Die US-Großbank Citigroup hatte im September 2009 angekündigt, Staatshilfen im Wert von 20 Milliarden Dollar zurückzahlen zu wollen. Doch bislang stimmte die US-Regierung dem nicht zu. Diesen will zunächst offenbar keine weiteren staatlich gestützten Finanzinstitute aus ihrer Kontrolle entlassen. © AP
GM-Zentrale Detroit Michigan
Der Autokonzern General Motors, hier seine Zentrale in Detroit, betreibt auch eine Autobank namens GMAC. Der größte Autofinanzierer des Konzerns musste wegen Milliardenverlusten Staatshilfen in Anspruch nehmen. © dpa

Einen drastischen Schuldenschnitt bei griechischen Staatsanleihen hat die Deutsche Bank in ihren Büchern bereits vorgenommen. Die Staatspapiere stehen derzeit nur noch mit 46 Prozent des Nominalwerts zu Buche. Das heißt, die Bank hat ihre Forderungen auf den Marktwert abgeschrieben. Damit würde die Bank bei einem Schuldenerlass von 54 Prozent für Athen keine weiteren Verluste verbuchen. Derzeit verhandeln die Banken und die europäischen Regierungen über einen stärkeren Schuldenerlass von 50 bis 60 Prozent für Griechenland. Bisher hatten sich Banken zu einem freiwilligen Gläubigerverzicht von 21 Prozent bereiterklärt.

Bestätigt sieht sich Ackermann in seiner Strategie, die starke Abhängigkeit vom schwankungsanfälligen Investmentbanking zu reduzieren und stattdessen das stabilere Privatkundengeschäft auszubauen. Dazu gab er Milliarden für die Übernahme etwa der Postbank aus.

Nun steuert der Privatkundenbereich steigende Gewinne bei - und die Deutsche Bank steht insgesamt trotz eines deutlichen Gewinnrückgangs im dritten Quartal besser da als viele Konkurrenten. So hatte etwa vor allem ein Buchhaltungstrick - die Neubewertung alter Schulden - große US-Institute oder die Schweizer UBS vor einem Verlust bewahrt. Die Deutsche Bank dagegen verzichtete darauf weitgehend. Die als “Gelddruckmaschine“ bekannte Investmentbank Goldman Sachs musste im dritten Quartal sogar unter dem Strich ein Minus von 428 Millionen Dollar (308 Mio Euro) hinnehmen. Die Deutsche Bank wies dagegen einen Gewinn von 777 Millionen Euro aus und schnitt damit deutlich besser als von Analysten erwartet.

So viel kassierten die Bosse der Dax-Konzerne 2011

Sie wollten immer schon wissen, was Deutschlands mächtigste Bosse verdienen? Klicken Sie sich durch und sehen Sie, wieviel die Konzernlenker der 30 Dax-Unternehmen kassieren. Die Zahlen stellen die Verdienste inklusive langfristiger Vergütungsbestandteile im Jahr 2011 dar. Quellen sind das manager magazin, die Humboldt Universität und das Statistische Bundesamt. © dpa
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Und doch kann sich auch der deutsche Branchenprimus dem Abwärtstrend der Branche nicht entziehen. Sein ehrgeiziges Ziel, das Institut mit einem Rekordergebnis von 10 Milliarden Euro vor Steuern für 2011 im kommenden Mai an das Nachfolger-Duo Anshu Jain und Jürgen Fitschen zu übergeben, hatte Ackermann bereits Anfang Oktober kassiert.

Zu stark belastete die Euro-Schuldenkrise die einstige Ertragsperle - das von Jain geleitet Investmentbanking. Vor allem das Geschäft mit Anleihen und Aktien ist eingebrochen; Börsengänge sind verschoben und Firmenübernahmen abgesagt worden. Einen mageren Vorsteuergewinn von gerade noch 70 Millionen Euro wies das Investmentbanking im dritten Quartal aus. Manch ein Beobachter sieht darin bereits eine Hypothek für Jains künftige Rolle an der Spitze der Deutschen Bank.

dpa

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