1390 Jobs werden gestrichen

Airbus-Schock: Wo wie viele Stellen wegfallen

München - Die Nachricht kam wie ein Schlag und schockiert tausende Bayern: Der massive Stellenabbau im Rüstungsgeschäft der Airbus Group (früher EADS) trifft den Freistaat härter als erwartet.

Allein in Manching, wo unter anderem das Kampfflugzeug Eurofighter montiert wird, sollen 1010 Jobs gestrichen werden, wie es gestern aus Unternehmenskreisen hieß. Und die Airbus Group dementierte die Zahlen nicht. Am Mittag sollten die Mitarbeiter dort auf einer Betriebsversammlung informiert werden. Besonders hart: Es soll angeblich auch Kündigungen geben.

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Lang druckste das Unternehmen herum, nun ist es also raus: In Gesprächen mit dem Betriebsrat kamen die Zahlen erstmals ans Licht. So sollen in Friedrichshafen 332 Stellen gestrichen werden, in Ulm 315, in Ottobrunn bei München 131, in Bremen 174 und in Unterschleißheim 249 Jobs. Zudem sollen die dort verbleibenden 1400 Mitarbeiter nach Ottobrunn umziehen.

Die Airbus-Group hatte bereits vor dem Jahreswechsel den Abbau von insgesamt bis zu 5800 Arbeitsplätzen bis 2016 angekündigt, davon allein rund 2600 in Deutschland. Nach den aktuellen Plänen sind nun in Deutschland 2211 Stellen auf der Liste. Von Anfang an hatte der Konzern Kündigungen dabei nicht ausgeschlossen. „Wir schätzen derzeit, dass sich die Anzahl der Entlassungen in der gesamten Gruppe am Ende auf 1000 bis 1450 Stellen beläuft“, sagte ein Sprecher.

Die IG Metall forderte vom Management erneut den Verzicht auf Kündigungen. Der Abbau müsse sozialverträglich erfolgen, sagte der für Airbus zuständige IG-Metall-Sekretär Bernhard Stiedl. Zugleich forderte er Unterstützung von der Politik. Der Konzern bekräftigte, dass die tatsächliche Zahl der Kündigungen „auch davon abhängt, wie sehr die Angebote für freiwillige Maßnahmen genutzt werden“.

Der frühere EADS-Konzern hatte sich zum Jahreswechsel in Airbus Group umbenannt und die schwächelnde Rüstungstochter Cassidian mit dem Raumfahrtgeschäft Astrium zur neuen Sparte Airbus Defence & Space zusammengelegt. Die Straffung des Geschäfts soll vor allem die Wehrgeschäfte des größten europäischen Luftfahrtunternehmens auf Vordermann bringen. Der Flugzeugbauer Airbus, der dem gesamten Konzern seinen Namen gibt, verbucht hingegen glänzende Gewinne.

In der Rüstung bekommt die Airbus Group die Sparpolitik der Regierungen in Europa zu spüren. Programme werden gekürzt oder gestoppt. Eigentlich wollte der Konzern den Problemen mit Größe begegnen und sich mit dem britischen Rüstungsriesen BAE Systems zusammenschließen – und dann eine sofortige Beschäftigungsgarantie geben. Doch vor allem die Bundesregierung in Berlin stemmte sich gegen diese Pläne.

Ottobrunn: 131 Stellen weg!

Der EADS-Standort Ottobrunn: Hier befand sich einst die Hauptzentrale des mächtigen Messerschmidt-Bölkow-Blohm-Konzerns, und hier wurden unter anderem die Militärflugzeuge Tornado und der Eurofighter sowie die Ariane-Rakete und das europäische Satellitensystem Galileo entwickelt. 1400 Menschen werkeln hier mittlerweile – genau 131 müssen nun gehen.

Manching: 1010 Stellen weg!

In Manching befindet sich das Militärische Luftfahrtzentrum von Cassidian, einer Tochter der Airbus. Im Mittelpunkt stehen in dem hochmodernen Werk nahe Ingolstadt Endmontage, Systemtests und Flugerprobung der 180 Eurofighter der deutschen Luftwaffe (siehe Bild oben). Zudem wird hier auch an unbemannten Drohnen (wie dem Euro Hawk) gebaut. Insgesamt arbeiten in dem Werk 3900 Beschäftigte.

Unterschleißheim: 249 Stellen weg!

Auch in Unterschleißheim hat Airbus ein großes Werk – mit derzeit knapp 1400 Mitarbeitern. In dem Werk wird unter anderem Hard- und Software für Radargeräte entwickelt. Damit sind etwa 1200 Mitarbeiter beschäftigt. Weitere 200 arbeiten in zentralen Funktionen. Erst vor drei Jahren hat EADS in Unterschleißheim eine Zentrale eingerichtet. Nun soll das rückgängig gemacht werden.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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