Neue Sparrekorde

Airlines feiern sich wegen sinkendem CO2-Ausstoß

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Der CO2-Ausstoß deutscher Airlines wurde deutlich reduziert

Hannover - Sparsamere Flugzeugtriebwerke reduzieren bei Deutschlands Airlines spürbar den Ausstoß des klimaschädlichen CO2. Die Branche jubelt laufend über neue Sparrekorde.

Der Kostendruck zwingt die weltweite Luftfahrt zum umweltbewussten Fliegen. Angesichts steigender Spritpreise, Abgaben und Regularien steht bei den Airlines sparsamer Verbrauch ganz oben auf der Prioritätenliste. Spritschleudern sind out: Rund 70 Prozent weniger Treibstoff als noch vor 40 Jahren verbrauchen moderne Flugzeuge heute nach Branchenangaben. „Neuer Effizienzrekord: 352 Millionen Liter Kerosin eingespart!“, jubelte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) in seinem Energiereport 2013.

Im Schnitt verbraucht die Flotte der deutschen Fluggesellschaften demnach nur 3,8 Liter pro Passagier und 100 Kilometer. Die Tui-Tochter TuiFly errechnete für ihre Maschinen im Geschäftsjahr 2011/2012 sogar pro Passagier einen Durchschnittsverbrauch von 2,63 Litern auf 100 Kilometer. Das wirkt sich auch in der Klimabilanz aus.

Bei der Tui AG erreichten die Konzern-Fluggesellschaften ihr selbst gestecktes Ziel für die Verringerung des Treibhausgases um sechs Prozent gerade zwei Jahre früher als geplant: Pro verkauften Sitzplatz und Kilometer kamen sie im Geschäftsjahr 2011/2012 auf 73 Gramm CO2-Emissionen. Auf Basis der Werte von 2008 wurde das Reduktionsziel bis 2015 daher auf neun Prozent erhöht.

„Die CO2-Emissionen der deutschen Inlandsflüge gingen seit 1990 um 20 Prozent zurück - trotz eines Verkehrswachstums von 63 Prozent“, betonte der BDL im vergangenen Monat. Skepsis herrscht dagegen bei den Klimaschützern. „Die Berechnung solcher Reduktionen ist sehr komplex“, gibt Miguel Morcillo vom Klima-Bündnis in Frankfurt am Main zu bedenken - einem Forschungsinstitut, das sich auf die Messung der Emissionen von Kommunen spezialisiert hat.

Beim Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) sieht man das ähnlich. Klimaexperte Wolfram Knörr bestätigt zwar: „Insgesamt sind die spezifischen Werte der Airlines pro Passagierkilometer in Deutschland herunter gegangen.“ Zwischen 1990 und 2012 sank der Verbrauch je Personenkilometer um ein Viertel. Doch auf der anderen Seite legte die Luftfahrt in absoluten Zahlen zu, weil immer mehr Menschen per Flugzeug verreisen.

Die gesamte Weltluftfahrt trägt nach Branchenangaben gerade einmal zwei Prozent zu den globalen CO2-Emissionen bei - immerhin noch 650 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Zum Vergleich: Der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid bei der Energiegewinnung ist im vergangenen Jahr nach Angaben der Internationalen Energie-Agentur (IEA) in Paris auf ein Rekordhoch von 31,6 Milliarden Tonnen geklettert.

Ob Air Berlin, Lufthansa oder TuiFly: Die Airlines reduzieren die zur Klimaerwärmung beitragenden Emissionen ihrer Jets auch vor dem Hintergrund europäischer Sparvorgaben. Das Forschungsprogramm „Clean Sky“ für sauberere und leisere Flugzeuge etwa sieht vor, den Ausstoß des CO2 pro Passagierkilometer bis 2050 um 75 Prozent zu senken.

Die Lufthansa etwa drückte vergangenes Jahr dank sparsamerer und besser ausgelasteter Jets ebenfalls deutlich den Treibstoffverbrauch. Trotz einer um 0,2 Prozent gestiegenen Transportleistung verbrannten die Konzernflieger knapp 145 000 Tonnen oder 1,6 Prozent weniger Kerosin als im Vorjahr - eine Ersparnis von immerhin 455 000 Tonnen CO2. Die britische Tui-Tochter Tui Travel will all ihre Jets vom Typ Boeing 737-800 mit neuartigen Flügelspitzen umrüsten. Allein diese aerodynamische Maßnahme kann auf der Strecke Hannover-Kapverden den Kerosinverbrauch nach Unternehmensangaben um 450 Liter und den CO2-Ausstoß um 1134 Kilogramm senken.

Auch der Boeing-Konkurrent Airbus hat enormen Erfolg mit neuen Modellen, die mit Hilfe sparsamer Triebwerke und aerodynamischer Verbesserungen den Spritverbrauch drosseln. Die Nachfrage nach seinen A320-Neo-Modellen ist ungebrochen. Airbus beteiligt sich zudem an einer europäischen Initiative zur CO2-Verringerung, in die von 2014 bis 2020 rund 3,6 Milliarden Euro fließen sollen.

dpa

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