Risiko für Senioren ist hoch

Altersarmut: In Bayern ist es besonders schlimm

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In Bayern sind 17 Prozent der Über-65-Jährigen von Altersarmut betroffen. Der Weg zur Tafel hilft vielen von ihnen, die Not zumindest ein wenig zu lindern.

München - Das Schreckgespenst Altersarmut treibt sein Unwesen in Deutschland. Die tz zeigt den Atlas der Altersarmut und erklärt, welche Gruppen besonders betroffen sind.

Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, welche Gebiete besonders betroffen sind – und wo in Zukunft die Probleme zu erwarten sind.

Wo ist die Situation derzeit am schlimmsten? Bei den ab 65-Jährigen ist die Situation derzeit im Saarland (19,2 %), in Rheinland-Pfalz (17,8 %) und bei uns in Bayern (17,0 %) am schlimmsten. Über besonders niedrige Armutsgefährdungsquoten können sich dagegen Ost-Deutschland sowie die Stadtstaaten Berlin (11,0 %) und Hamburg (11,7 %) freuen.

Warum sind gerade Bayerns Senioren so arm? Das hat unterschiedliche Gründe. Besonders Frauen ab 65 Jahren sind von Armut betroffen (19,3 %). Das liegt daran, dass die Frauenbeschäftigungsquote in der Vergangenheit besonders niedrig war. Daher kamen Frauen im Freistaat durchschnittlich auf weniger Arbeits- und Rentenversicherungsjahre – und erreichten weniger Rentenentgeltpunkte. Das zweite Problem: Besonders in Bayern und Rheinland-Pfalz wirken sich heute die unterdurchschnittlichen Einkommen in der Landwirtschaft aus. Das geringe Einkommen in der Vergangenheit ist für die niedrigen Renten von heute verantwortlich.

Wie wird sich die Situation entwickeln? Für Bayern erfreulich. Die heute 50- bis 64-Jährigen im Freistaat haben nur noch eine Armutsgefährdungsquote von 9,2 Prozent – der niedrigste Wert für diese Gruppe hinter Baden-Württemberg (8,7 %). Dafür wird sich die Situation bei den bisher weniger betroffenen Bundesländern dramatisch ändern. 25 Jahre nach der deutschen Einheit rückt der Osten der Republik in den Fokus. Den höchsten Wert erreicht Mecklenburg-Vorpommern. Dort sind 23,6 Prozent der 50- bis 64-Jährigen gefährdet, aber nur 14,7 Prozent der Generation 65 plus. Es folgt Sachsen-Anhalt, wo 21,8 Prozent der 50- bis 64-Jährigen armutsgefährdet sind und 14,2 Prozent der über 65-Jährigen. In Sachsen sind es 19 Prozent der 50- bis 64-Jährigen und 11,5 Prozent der über 65-Jährigen. Der Grund: Während in der DDR Vollbeschäftigung herrschte und jeder Bürger in die Rentenkassen eingezahlt hat, ist die Arbeitslosigkeit seit der Einheit im Osten immer am höchsten gewesen.

Was bringt das Rentenplus im kommenden Jahr? Im Juli 2016 sollen die West-Renten um 4,35 Prozent steigen (tz berichtete). Bei der Gefahr der Altersarmut ist das aber höchstens ein Tropfen auf den heißen Stein. „Die angekündigte Rentenerhöhung wird das zunehmende Armutsrisiko im Alter nur kurzfristig reduzieren“, sagt Anja Langness, Projektmanagerin der Bertelsmann-Stiftung.

Welche Bevölkerungsgruppen sind besonders gefährdet? Neben den Frauen (16,2 %) vor allem Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit (39 %) und Migrationshintergrund (32 %) ein weit überdurchschnittliches Armutsrisiko. Beinahe ein Viertel (24,9 %) der Geringverdiener sind zudem von Altersarmut bedroht.

Hier finden Sie den Atlas als PDF-Datei (840 KB).

mk

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