Deutsche verlieren 30 Milliarden € pro Jahr

So zocken Banken ihre Kunden ab

München - Spätestens seit der Finanzkrise 2008 ist bekannt, dass den Anlageberatern in Banken nicht unbedingt zu trauen ist. Die tz nennt einige typische Abzockmethoden.

Autor: Thomas Hammer, 168 Seiten; 9,90 Euro Bestellen unter Tel. 0211/3 80 95 55 oder www.vz-ratgeber.de

Bis zu 30 Milliarden Euro gehen deutschen Anlegern pro Jahr durch fehlerhafte Kapitalanlagen verloren, schreibt der Experte Thomas Hammer im neuen Schwarzbuch Banken und Finanzvertriebe. Dieser Verlust ist zu einem großen Teil von „Otto Normalverbrauchern“ zu verkraften. Es ist erwiesen, dass viele Geldinstitute ihre Beschäftigten zu Vertragsabschlüssen drängen, die möglichst hohe Provisionen für die Bank bringen – nicht den sichersten Gewinn für den Kunden. Das trickreiche Vorgehen der Banken fängt bei der Werbung für das angeblich gebührenfreie Konto plus Kreditkarte an, für das im Kleingedruckten Monatseinkünfte über 1000 Euro verlangt werden. Und es endet noch lange nicht bei der Vermittlung hochriskanter Finanzprodukte an arglose Rentner. Die tz nennt einige typische Abzockmethoden, denen auch vorsichtige Bankkunden zum Opfer fallen können.

- Renditen aus früherer Zeit

Früher konnte man für fondsgebundende Versicherungssparverträge Renditen bis zu 9,3 Prozent erzielen. Das ist heute illusorisch. Finanzvertriebe, z. B. die Europa-Versicherung werben aber trotzdem noch mit „6 bis 12 Prozent“ Ertrag. Im Gegensatz zur klassischen Kapitallebensversicherung ist die Fondspolice praktisch eine Kombination aus Investmentsparvertrag und Risikolebensversicherung. Positiv für den Verkäufer: Er bekommt bis zu vier Prozent der über die gesamte Laufzeit einzuzahlenden Beträge als Provision, bei einer monatlichen Sparrate von 150 Euro und 30 Jahren Gesamtlaufzeit also 2160 Euro – und zwar sofort. In den ersten Jahren kommt der Kunde aus den roten Zahlen nicht heraus.

Tipp: Fondspolicen links liegen lassen. Sie sind zu intransparent.

- Kickback bezeichnet die indirekte weitere Belastung des Versicherungsnehmers, eine verdeckte Provision, die von Investmentgesellschaften und Brokern an Banken gezahlt werden, damit das Institut deren Produkte an den Mann bringt. Im Streitfall weigern sich Banken und Sparkassen häufig, Auskunft zu geben. Es gibt aber Gerichtsurteile, die dazu verpflichten.

- Der ignorierte Schlichter

Fortschrittlicherweise gibt es beim Verband der privaten Banken eine Schlichtungsstelle; leider wird sie von den Instituten wenig beachtet. Als eine 61-jährige Commerzbank-Kundin merkte, dass man ihr statt der gewünschten sicheren Festgeld- oder Sparbriefanlage einen geschlossenen Schiffsfonds für 15 000 Dollar angedreht hatte (kündbar 2036!), wandte sich die Dame hilfesuchend an die Ombudsfrau. Nicht nur war die Kundin über die Risiken nicht aufgeklärt worden, die Bank hatte sie auch nicht über die Provisionen informiert. Die Schlichterin verfügte eine Rückabwicklung des Geschäfts, wurde aber zurückgewiesen.

- Der schlechte Verlierer

Ein Kunde wollte seine fällige Lebensversicherung bei der Deutschen Bank in eine „langweilige und konservative Kapitalanlage“ umwandeln. Der Berater brachte ihn dazu, Expresszertifikate, Expressbonuszertifikate und weitere ähnliche Produkte der Deutschen Bank zu zeichnen. Dazu wurde ihm eine Beteiligung an der Kommanditgesellschaft Kompass 3 KG vermittelt, die zwischenzeitlich vom Ombudsmann der privaten Banken als sittenwidrig eingestuft wurde. Als Verluste eintraten, führte der Anleger mit Hilfe der Verbraucherzentrale NRW ein Verfahren, das mit einem Vergleich endete. Auf den Vergleichsbetrag wollte die Deutsche Bank zuerst eine Abgeltungssteuer erheben.

Die wichtigsten Tipps der Verbraucherzentrale:

- Es gibt keine kostenlosen Beratungen: Jede Beratung ist ein Verkaufsgespräch.

- Jedes Angebot sorgfältig prüfen: Wo könnten sich Kosten verstecken?

- Nicht unter Druck setzen lassen!

- Hinterfragen sie Renditechancen und Risiken.

- Prüfen Sie das (seit 2010 obligatorische) Beratungsprotokoll: Verstehen Sie wirklich alle Passagen?

- Nutzen Sie gegebenenfalls die Widerrufsfrist.

- Minimieren Sie die Nebenkosten ihrer Finanzprodukte – vor allem bei Girokonto und Wertpapierdepot sind hohe Einsparungen drin.

- Kontoführungsgebühren für Baudarlehen sind unzulässig.

- Vorsicht bei Kombi-Angeboten mit scheinbar hohen Zinsen: Das Superzins-Tagesgeld bekommt man nur, wenn die Hälfte des Anlagebetrags in einen Investmentfonds investiert wird. Auch der Lockzins gilt nur für begrenzte Zeit.

- Augen auf bei verdächtig günstigen Zinsen für Ratenkredite und (eigentlich verbotenen) Sternchen-Fußnoten!

- Älteren Menschen im Familien- und Freundeskreis bei Bankgeschäften zur Seite stehen. Alter und Schwäche werden gerne ausgenützt.

BW.

Rubriklistenbild: © dpa

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