Plötzlicher Tod mit 61

"Anton Kathrein wird uns sehr fehlen"

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Anton Kathrein (r.) mit Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil

Rosenheim - Anton Kathrein, der größte Unternehmer der Region Rosenheim, ist tot. Familie, Freunde, Beschäftigte, Kollegen und Weggefährten zeigen sich geschockt.

Er war ehrgeizig und innovativ. Er war in seinen 55 Tochterunternehmen genauso zu Hause wie in seiner Heimat Rosenheim. Er war streitbar, aber auch in vielen Institutionen ehren­amtlich und sozial engagiert. Und er war ein freudiger Genussmensch, was man ihm auch ansah. Jetzt ist er tot: Prof. Dr. Dr. hc. Anton Kathrein, der größte Unternehmer der Region Rosenheim und Inhaber des bekannten Antennen­imperiums starb nachts im Schlaf, möglicherweise an Herzversagen. Morgens um fünf fand man ihn. Anton Kathrein wurde nur 61 Jahre alt.

Sein plötzlicher Tod schockierte am Dienstag Familie, Freunde, Beschäftigte, Unternehmerkollegen, Politiker und Menschen in all den Organisationen und Vereinen, die von Kathreins großzügig verteilten Spenden profitierten. Als Kathrein vor einem Jahr 60 Jahre alt wurde, sagte der energiegeladene Unternehmer: „Ich habe noch viel vor.“ Dies umzusetzen, war ihm nicht mehr vergönnt.

Bei der Inthronisation des neuen Faschingsprinzenpaars am vergangenen Samstag wollte Kathrein unbedingt dabei sein, obwohl ihn eine schwere Erkältung plagte. Aber so war Anton Kathrein. Hatte er sich etwas in den Kopf gesetzt, war er nicht davon abzubringen. Diese Art hat ihm geschäftlich einen Erfolg eingebracht, den ihm kaum jemand zugetraut hätte, als er 1972 im Alter von 21 Jahren nach dem Tod des Vaters die Rolle des Chefs übernehmen musste. In dieser Zeit studierte er noch Betriebswirtschaft an der Rosenheimer Fachhochschule.

Der Vater hatte 1919 die erste Antennenfabrik der Welt in Rosenheim gegründet. Den „harten Schädel“, so sagt man, hatte der Sohn von ihm geerbt. Seine Gutmütigkeit, seine große Lust, hinter den Stress des Tages einen Punkt zu setzen und im Kreis vertrauter Menschen Freude am Leben zu haben, stand im Kontrast zu seiner Fähigkeit, als Geschäftsmann hart zu verhandeln und das Beste für die Firma herauszuholen.

Kathrein wirkte stets rastlos, fast atemlos, als wolle er zehn Dinge auf einmal tun und sagen. Das zeigte sich besonders, wenn er sich für den „Wirtschaftsstandort Deutschland“ begeisterte. Am wichtigsten waren ihm die Werke in der Region, und deshalb ärgerte es ihn auch am meisten, wenn er hier an Grenzen stieß. Als weltweit erfolgreicher Unternehmer verkraftete er es nur schwer, als er an der Autobahnausfahrt Bad Aibling kein Logistikzentrum bauen durfte. Noch schlimmer war es für ihn, dass sein Coup nicht gelang, das Gasthaus Hubertus am Happinger See zu kaufen und dort ein Seminarhotel hinzustellen. Der Stadtrat verhinderte das im allerletzten Moment. Dies war wieder einmal ein Tag, an dem Kathrein drohte, Teile des Werks von Rosenheim wegzuverlegen. Das hatte er schon einmal getan, als es darum ging, die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich zu erhöhen. Der Betriebsrat lenkte ein.

Der Unternehmer war 3. Bürgermeister von Rosenheim und in zwei Dutzend Organisationen aktiv. So war er Vizepräsident im Verband der bayerischen Wirtschaft. Kathrein hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Der Sohn hat Elektrotechnik studiert und arbeitet seit einigen Wochen in der elterlichen Fabrik.

K.H. Dix/E. Biebel-Neu

"Anton Kathrein wird uns sehr fehlen"

„Mit Anton Kathrein verliert Bayern unerwartet und viel zu früh einen seiner profiliertesten und erfolgreichsten Köpfe, einen vorbildlichen Menschen und ein echtes Aushängeschild für den Freistaat. Für die Bayerische Staatsregierung war Professor Kathrein stets ein hoch geschätzter, kompetenter Gesprächspartner. Mit unermüdlichem Taten­drang und vorbildlichem sozialem, ehrenamtlichem und kommunalpolitischem Engagement hat sich Anton Kathrein nicht nur um sein Unternehmen und dessen Mitarbeiter verdient gemacht, sondern sich auch in Verbänden und Kammern für die Wirtschaft seines Heimatlandes Bayern unermüdlich eingesetzt. Anton Kathrein wird uns sehr fehlen.“

Ministerpräsident Horst Seehofer

„Mit großer Bestürzung und Trauer habe ich die Nachricht vom plötzlichen und unerwarteten Tod von Anton Kathrein aufgenommen. Mit ihm verlieren wir nicht nur eine herausragende Unternehmerpersönlichkeit. Anton Kathrein war leidenschaftlicher Bayer und lebte die soziale Marktwirtschaft. Durch seine menschlichen Qualitäten und sein unternehmerisches Geschick war er in Wirtschaft und Politik ebenso hoch geschätzt, anerkannt und beliebt wie bei seinen ganzen Mitarbeitern.

Auch ich persönlich verliere mit Toni Kathrein einen echten Freund und klugen Ratgeber. Seiner Familie, den Angehörigen und seinen Freunden spreche ich mein tiefstes Beileid aus.“

Wirtschaftsminister Martin Zeil

„Anton Kathrein war mit Leib und Seele Unternehmer. Er stand wie kein zweiter für innovativen Gründergeist und verkörperte höchst erfolgreich das Modell des global agierenden Mittelständlers. Er war zudem ein Unternehmer, der in außergewöhnlich hohem Maße gesellschaftliche Verantwortung zeigte. Wir sind alle fassungslos, dass er nicht mehr unter uns ist.“

Prof. Randolf Rodenstock Präsident des Verbandes der bayerischen Wirtschaft

Anton Kathrein hat die KATHREIN-Werke KG in jahrzehntelanger leidenschaftlicher Arbeit zu dem gemacht, was das Unternehmen heute ist: Der größte Wachstums- und Beschäftigungsmotor der Region.“

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer Verband der Bayerischen Wirtschaft

Die Kathrein-Firmengruppe

Die Kathrein-Firmengruppe ist mit mehr als 55 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften auf allen Kontinenten der Welt tätig. Sie beschäftigte 2011 mehr als 6500 Mitarbeiter und machte einen Jahresumsatz von 1,3 Milliarden Euro. Mit über 4500 Produkten rund um die moderne Telekommunikation ist Kath­rein nicht nur der älteste, sondern auch der größte Hersteller von Antennen­systemtechnik auf der Welt.

Kathrein produziert zum Beispiel die Basisstationsantennen von Mobilfunktürmen für GSM und UMTS oder Kombidachantennen von verschiedenen Autoherstellern, z. B. BMW, für Radio, TV, Mobilfunk und GPS. Auch die typischen 2-Meter-Band-Taxiantennen und 4-Meter-Band-Polizeifunkantennen mit Federfuß sind von Kathrein. Satelliten-Parabolantennen für Radio- und Fernsehempfang werden wie die meisten Satellitenreceiver von Kathrein in Deutschland entwickelt und teilweise auch dort produziert. Diverses Zubehör und auch die linuxbasierten Satellitenreceiver sind OEM-Ware aus Fernost.

Viele Radio- und Fernsehantennentürme beinhalten ebenfalls die Kathrein-Antennen aus Rosenheim. Die dazugehörigen Sender kommen meist von der Firma Rohde & Schwarz.

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