Solarium-Gutscheine

Wie Arbeitgeber den Mindestlohn umgehen

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Im Niedriglohnbereich muss auf 8,50 Euro pro Stunde aufgestockt werden – egal ob im Sonnenstudio, beim Taxiunternehmen, bei der Putzfirma, beim Bäcker, Friseur oder im Gastgewerbe.

Berlin - Beim Versuch, das seit Januar geltende Mindestlohn-Gesetz zu umgehen, lassen sich Arbeitgeber allerhand einfallen.

Rund 5000 Arbeitnehmer bundesweit haben schon bei der Hotline des Deutschen Gewerkschaftsbundes angerufen – entweder, um sich zu informieren, oder um sich über Versuche zu beschweren, die 8,50 Euro pro Stunde zu umgehen. Die tz listet einige der Arbeitgeber-Tricks auf:

Gutscheine: „Uns wurden Fälle gemeldet, bei denen der Mitarbeiter statt des Mindestlohns einen Gutschein bekommen sollte für einen Kinobesuch“, so eine DGB-Sprecherin. Der Betreiber eines Sonnenstudios bezahlte die Differenz zum Mindestlohn in Gutscheinen fürs Solarium aus – erhöhtes Hautkrebsrisiko inklusive.

Bereitschaftszeit wird zur Pausenzeit: Auch in München klagen Arbeitnehmer über Tricks und Schliche, den Mindestlohn zu umgehen. Timo Günther, Sprecher des DGB Bayern, berichtete gegenüber der tz von der Klage eines Taxlers: „Sein Chef hatte eine Automatik ins Auto einbauen lassen, die nach drei Minuten Standzeit auf Pause umschaltet. Das Warten auf einen neuen Kunden gilt dann also nicht mehr wie bisher als Warte-, sondern als Pausenzeit.“ Mit den so entstandenen „Überstunden“ wurde dann der Mindestlohn umgangen. Auch im Pflege- und Krankenhausbereich werde der Mindestlohn teilweise dadurch umgangen, dass Bereitschaftszeiten nicht als Arbeitszeiten gerechnet werden.

Trinkgeld: Einige Wirte verrechnen das Trinkgeld plötzlich mit dem Gehalt, so dass der Mindestlohn dadurch abgegolten sein soll. Das ist illegal, stellt der DGB klar: „Trinkgeld ist immer on top!“

Unrealistische Zeitvorgaben: Ein Reinigungsunternehmen veranschlagte zwei Stunden Reinigungszeit für ein Büro – in der Praxis war das für die Putzfrauen aber gar nicht zu schaffen. Die Zeit, die das Putzen länger dauerte, bekamen die Reinigungskräfte nicht bezahlt.

Scheinselbstständige: Vor allem in der Baubranche werden Arbeitskräfte aus dem Ausland zu Selbstständigen erklärt, für die der Mindestlohn nicht gilt. „Teilweise werden Busladungen von Menschen an die Gewerbeämter herangefahren, die sich als Selbstständige eintragen“, so ein DGB-Experte.

Minijobber: Die Gewerkschaft Verdi warnt, dass gerade bei Minijobbern genau hingeschaut werden müsse: Da es bei der Gehalts-Obergrenze von 450 Euro bleibt, stehen sie ihrem Chef häufig kürzer zur Verfügung als bisher. „Für Minijobber ergibt sich automatisch eine Höchsarbeitszeit“, so der Verdi-Experte.

Klaus Rimpel

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