Arcandor will Konzern zusammenhalten

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Die Arcandor-Zentrale in Essen.

Essen/Fürth - Volle Regale auch in der Krise: Das insolvente Handels- und Touristikunternehmen Arcandor hat seinen Handelstöchtern den Rücken gestärkt.

Den Lieferanten kündigte Arcandor per Briefaktion an, alle neubestellten Waren vollständig zu bezahlen. “Unsere Prämisse ist es jetzt, den Konzern in allen Bereichen zusammenzuhalten“, sagte Unternehmenssprecher Gerd Koslowski am Donnerstag in Essen. Schnellen Gesprächen über eine Warenhausehe von Karstadt mit der Metro-Tochter Kaufhof erteilte er eine Absage und wies Begehrlichkeiten von Metro und Kaufhof erneut zurück.

Eine Insolvenz muss nicht das Aus bedeuten

Eine Insolvenz muss nicht das Aus bedeuten

“Derzeit arbeiten wir mit Hochdruck daran, das Unternehmen zusammenzuhalten“, sagte Koslowski. Insgesamt müssen 43 000 Beschäftigte der Arcandor AG sowie bei Karstadt, Quelle und Teilen von Primondo um ihre Arbeit bangen. Lediglich die in London an der Börse notierte Touristiktochter Thomas Cook und einige Spezialversender wie Baby Waltz oder hess natur sind von der Insolvenz ausgenommen.

In der Essener Arcandor-Zentrale hat inzwischen ein Team von Insolvenzexperten die Arbeit aufgenommen. Neben Görg ist das der Insolvenzexperte Horst Piepenburg, der von Arcandor zum Generalbevollmächtigten ernannt wurde. Das Team prüft derzeit die Bücher. Ziel ist es, während der dreimonatigen Phase, in der die Bundesagentur für Arbeit die Gehälter zahlt, beim Insolvenzgericht ein Sanierungskonzept vorzulegen. Dann soll das Insolvenzgericht über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens entscheiden - und darüber, ob die Insolvenz in Eigenverantwortung durchgeführt werden kann.

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) hat Unterstützung zugesagt. Das Arbeitsministerium und die Bundesagentur für Arbeit wollten nach Kräften dabei helfen, die Arbeitsplätze zu sichern.

Auch die Arcandor-Tochter Quelle will den Geschäftsbetrieb weiter am Laufen halten. “Die Stimmung ist sehr niedergeschlagen und enttäuscht; enttäuscht vor allem von der Regierung, die uns jetzt doch im Stich gelassen hat“, sagte der stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende Horst Rieger am Mittwoch in Fürth. Dennoch habe er Hoffnung, dass es eine Zukunft für Quelle gebe. Die Arbeitnehmervertreter vereinbarten mit Bundesarbeitsminister Scholz die Einrichtung einer Arbeitsgruppe.

“Das war ein sehr gutes Gespräch, sehr pragmatisch, auch mit sehr verbindlichen Themen“, sagte die bei Quelle für Nürnberg/Fürth zuständige Betriebsratsvorsitzende Beate Ulonska nach dem Treffen in Berlin. “Da haben wir konkrete Ergebnisse festgehalten.“ Zu diesen gehöre die Einrichtung einer “Task-Force“ aus Betriebsräten und der Bundesagentur für Arbeit.

Rund 43 000 Beschäftigte bangen derzeit bei Arcandor um ihre Arbeitsplätze, in Bayern sind mehr als 10 000 Menschen betroffen. “Die Insolvenz, die immer als Allheilmittel hingestellt wird, ist für die Mitarbeiter das größte Risiko“, kritisierte Betriebsrat Rieger. Seither stünden die Telefone der Arbeitnehmervertreter in der Fürther Quelle-Zentrale nicht mehr still. Dennoch sei man zuversichtlich: “Wir sind in einer richtigen Restrukturierungsphase, wir haben ein Ziel vor uns, das gar nicht mehr so weit weggewesen ist.“ Auch Unternehmenssprecher Manfred Gawlas betonte: “Wir haben ein intaktes Geschäftsmodell, wir sind profitabel im Kern.“

Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz bedauerte unterdessen den Bankrott des Handels- und Touristikunternehmens. Zugleich wies sie die Verantwortung für die Arcandor-Pleite zurück. “Ich habe mich mit meinem gesamten Vermögen engagiert und damit nach landläufiger Auffassung weit über jedes vertretbare Maß ins Risiko begeben“, betonte sie in einer persönlichen Erklärung. “Bis zur letzten Sekunde habe ich gehofft und gebangt, um dieses Schicksal abzuwenden.“

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