Atom-Anne unter Druck - Areva legt Bilanz vor

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Nicolas Sarkozy will die Chefin des staatlichen Kraftwerkbauers Areva, Anne Lauvergeo, loswerden. 

Paris - Nicolas Sarkozy sägt am Stuhl der mächtigsten Frau Frankreichs. Er will die Chefin des staatlichen Kraftwerkbauers Areva, Anne Lauvergeo, loswerden. Ein möglicher Grund: Verletzter Stolz.

So schnell lässt eine der mächtigsten Frauen Frankreichs nicht locker. Dass Neider und Konkurrenten an ihrem Stuhl sägen, ist sie gewohnt. Wenn allerdings der französische Präsident selbst die Chefin des staatlichen Kraftwerkbauers Areva auf dem Kieker hat, dann könnte es ernst werden. Nicolas Sarkozy wolle Anne Lauvergeon, Konzernchefin von Areva, bald möglichst loswerden, berichten französische Medien.

Eine Quelle nennt niemand, der Élysée dementiert tunlichst, aber das Thema ist in der Luft. Am Donnerstag wollte Lauvergeon in Paris die Jahresbilanz von Areva vorlegen. Der Konzern hat in den vergangenen Monaten mehrere Schlappen einstecken müssen. Besonders ärgerlich war die Entscheidung des Golf-Emirats Abu Dhabi, einen 20-Milliarden-Dollar-Auftrag für neue Reaktoren nach Korea zu vergeben.

Areva soll neu strukturiert werden

Das französische Angebot war nicht nur um ein Drittel teurer, sondern litt nach Ansicht von Experten auch unter mangelnden Absprachen zwischen Areva, EDF, GDF Suez und Total, den übrigen Mitgliedern im Konsortium. Der neue EDF-Chef Henri Proglio, ein Sarkozy-Vertrauter, forderte daraufhin eine Neuordnung der Atomindustrie und sah sich selbst bereits an deren Spitze.

Obwohl für Lauvergeon bereits diverse Nachfolgerinnen im Gespräch sind - etwa die Thales-Managerin Pascale Sourisse oder die Staatssekretärin für Außenhandel Anne-Marie Idrac - ist die Ablösung der Konzernchefin alles andere als sicher. Sarkozy wolle zunächst einen Bericht abwarten, um den er nach dem Abu-Dhabi-Debakel den früheren EDF-Chef François Roussely gebeten hat, heißt es. In den Medien sickerte bereits durch, dass dieser nicht empfehlen werde, Areva neu zu strukturieren.

Areva hofft, zahlreiche Aufträge an Land zu ziehen

Lauvergeon hat Areva in den vergangenen elf Jahren zum Rundum-Anbieter ausgebaut, der den Kunden vom Uran über die Reaktoren bis zur Wiederaufbereitung alles bieten soll. Von diesem “integrierten Modell“ hatte sich auch Sarkozy nach anfänglichem Zögern überzeugen lassen. Andererseits nimmt der Präsident der forschen Managerin übel, dass sie sein Angebot ausgeschlagen hatte, Wirtschaftsministerin zu werden. Derzeit steckt Areva allerdings in einer finanziell misslichen Lage.

Nach dem überraschenden Ausstieg von Siemens aus dem Gemeinschaftsunternehmen Areva NP braucht der Konzern dringend Geld, um den 34-Prozent-Anteil selbst aufzukaufen. Siemens will sich stattdessen mit dem russischen Konzern Rosatom zusammentun. Über die Modalitäten des Ausstiegs wird derzeit noch verhandelt. Mittelfristig hofft Areva darauf, im internationalen Geschäft zahlreiche Aufträge an Land zu ziehen.

Nachbesserungen bei der Sicherheit

Nach OECD-Angaben befanden sich 2008 mehr als 40 Atomkraftwerke im Bau. Areva ist bereits an zwei Druckwasser-Reaktoren (EPR) in China beteiligt und will außerdem gemeinsam mit EDF vier EPR-Reaktoren in die USA verkaufen. Um bei internationalen Ausschreibungen Erfolg zu haben, darf sich Areva allerdings keine weiteren Pannen beim Bau des Pilot-Reaktors in Finnland mehr leisten.

Der mit Siemens entwickelte und seit 2005 im Bau befindliche Reaktor sollte ursprünglich drei Milliarden Euro kosten und schon seit 2009 Strom in die Netze einspeisen. Derzeit ist nicht einmal eine Übergabe vor 2013 sicher. Zu dem fordern mehrere Atomaufsichtsbehörden Nachbesserungen bei der Sicherheit.

dpa

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