Gribkowsky belastet Formel-1-Käufer CVC

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Gerhard Gribkowsky.

München – Der ehemalige Risikovorstand der Bayerischen Landesbank, Gerhard Gribkowsky, hat in seiner Aussage bei der Staatsanwalt auch den Käufer der Formel 1, den britischen Finanzinvestor CVC Capital Partners, belastet.

Das geht aus dem Protokoll seiner Aussage vom 18. Juli 2012 hervor, das dem MÜNCHNER MERKUR (Wochenende) in Auszügen vorliegt. Darin heißt es in Bezug auf einen mutmaßlichen Unterwertverkauf: „Nach meiner Meinung lag dem von vornherein ein Gesamtplan zugrunde, den CVC auch kannte.“ Gribkowsky argumentiert unter anderem, das erste Angebot des britischen Finanzinvestors im September 2005 sei schon so detailliert gewesen, „dass es nicht bzw. nicht ausschließlich auf öffentlich zugänglichen Informationen beruhen konnte. Hier müssen daher substantielle Vorgespräche mit Herrn Ecclestone oder Bambino [Ecclestones Familienstiftung] stattgefunden haben.“

Beim Verkauf der BayernLB-Anteile an CVC seien für Formel-1-Chef Bernie Ecclestone und dessen Familienstiftung Bambino „für mich zudem handfeste wirtschaftliche Interessen erkennbar“, so Gribkowksy. CVC habe Bambino beim Kauf der Formel 1 eine Reinvestition in die Rennserie in Höhe von 100 Millionen Dollar ermöglicht. Tatsächlich sei der gekaufte Anteil aber 200 Millionen wert gewesen. „Hier hat CVC letztlich Bambino einen Vorteil von 100 Mio. USD verschafft.“

Ecclestone selbst habe darüberhinaus neben der Provision von 41 Millionen Dollar für die Vermittlung des Verkaufs auch durch eine Erfolgsbeteiligung in Form von Anteilen profitiert. Laut Gribkowsky sei Ecclestone so wieder in den Besitz von rund 10 Prozent der Rennserie gekommen.

Mit seinem heutigen Wissen ergebe sich für ihn ein um 700 Millionen Dollar höherer Wert der gesamten Formel-1-Gruppe, als ihn die Verkäufer damals erzielten, sagt Gribkowsky laut Protokoll. „Bezogen auf die Anteile der Bank wären das knapp 350 Mio. USD gewesen.“ Der ehemalige Vorstand, der inzwischen wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden ist, betont: „Hätte ich dieses Wissen bereits 2005/2006 gehabt, hätte ich versucht, einen höheren Preis zu erzielen.“ Die Bayerische Landesbank macht inzwischen Schadenersatz in Höhe der 350 Millionen Dollar sowie der heimlich gezahlten Provision gegen Ecclestone geltend. Eine Sprecherin von CVC wollte sich gegenüber dem MÜNCHNER MERKUR nicht zu den Vorwürfen Gribkowskys äußern.

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