Bayerische Wirtschaft in Sorge

Azubi-Lücke: Rund 10.000 Lehrstellen unbesetzt

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Angela Straßer, Auszubildende als Industriemechanikerin in der Fachrichtung Betriebstechnik, feilt ein Metallstück in der Lehrwerkstatt des Reifenherstellers Michelin in Bad Kreuznach.

München - Die Wirtschaft in Bayern fürchtet eine Azubi-Lücke. Schon jetzt sind 10.000 Lehrstellen unbesetzt. Bis 2020 werden rund eine Viertelmillion Arbeitskräfte fehlen.

Die bayerische Wirtschaft beklagt eine wachsende Azubi-Lücke: Derzeit seien im Freistaat rund 10.000 Ausbildungsstellen unbesetzt, teilte die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW) auf eine Anfrage der Nachrichten-Agentur dpa mit. „In der Tendenz wird diese Zahl bedingt durch den demografischen Wandel und die steigende Studierendenzahl weiter zunehmen. Dies bereitet uns Sorge“, sagte VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Der Verband vertritt nach eigenen Angaben 111 bayerische Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände sowie 36 Unternehmen in Bayern.

Nach Berechnungen des Verbandes werden in Bayern im Jahr 2020 rund eine Viertelmillion Arbeitskräfte fehlen - davon rund 160.000 mit einer beruflichen Bildung. „Deshalb werben unsere Unternehmen intensiv um neue Mitarbeiter und stellen in großer Zahl Ausbildungsplätze zur Verfügung“, sagte der Verbandschef.

Lücke vor allem im Handwerk und im Dienstleistungssektor groß

Besonders groß sei die Lücke im Handwerk und im Dienstleistungssektor. Viele unbesetzte Stellen gebe es insbesondere in ländlichen Gegenden, weil dort das Problem der Überalterung stärker ausgeprägt sei als in den Ballungszentren. „Auch in der Industrie gibt es in bestimmten Branchen und Regionen bereits Probleme bei der Besetzung der Ausbildungsplätze“. Rechnerisch stünden derzeit im Freistaat 85 Bewerbern 100 angebotene Stellen gegenüber. Brossardt: „Der Ausbildungsmarkt hat sich umgekehrt“.

Um mehr Potenziale zu erschließen, sollte nach Brossardts Ansicht etwa leistungsschwächeren Jugendlichen der Weg in die Ausbildung geebnet werden. „Einen weiteren Ansatz sehen wir auch in der Stärkung von zweijährigen Ausbildungsberufen oder Ausbildungen in Teilzeit“, sagte der VBW-Chef. Darüber hinaus ist eine fundierte Berufsorientierung insbesondere in der Mittel- und Realschule wesentlich, um Jugendliche für die verschiedenen Berufsprofile zu begeistern. „Unabhängig von den Inlandsprojekten werden wir dauerhaft junge Menschen aus dem europäischen Ausland anwerben müssen“, gab Brossardt zu bedenken.

dpa

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