Einschätzung eines Bankiers

Banken sehen sich auch für chaotischen Brexit vorbereitet

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Wolken sind im Abendlicht hinter der Bankenskyline von Frankfurt am Main zu sehen. Die Bankenbranche sieht sich auch für den Fall eines harten Brexits gerüstet. Foto: Boris Roessler

Die Wahrscheinlichkeit eines ungeordneten Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union hat zugenommen. Banken sehen sich auch für ein solches Szenario gerüstet.

Frankfurt/Main (dpa) - Ein chaotischer Brexit wäre nach Einschätzung des Frankfurter Bankiers Emmerich Müller für die Finanzbranche beherrschbar.

"Die Finanzwelt ist, soweit man sehen kann, im Großen und Ganzen relativ gut vorbereitet - auch auf einen Brexit ohne Abkommen", sagte der Partner des 1674 gegründeten Bankhauses Metzler der Deutschen Presse-Agentur.

Großbritannien will am 29. März aus der Europäischen Union ausscheiden. Das Parlament in London stimmte jedoch mit überwältigender Mehrheit gegen den Austrittsvertrag und fordert Nachverhandlungen. Das wiederum lehnt Brüssel bislang strikt ab. "Bei mir überwiegt noch die Hoffnung, dass zum Schluss die Vernunft obsiegt und man doch noch eine Lösung hinkriegt", sagte Müller.

Doch auch wenn es nicht zu einer Einigung zwischen London und den übrigen 27 EU-Staaten kommen sollte, hält der Bankier die Auswirkungen an den Finanzmärkten für begrenzt. "Ein Brexit ohne Abkommen wird kurzfristig zu Chaos führen, aber das sollte nach einigen Monaten im Griff sein", meinte Müller. "An den Märkten ist beim Brexit noch nicht alles eingepreist, aber das größere Problem ist eindeutig der Handelskonflikt zwischen den USA und China."

Deutschlands führender Finanzplatz Frankfurt gehört zu den Profiteuren des britischen EU-Austritts. Denn etliche Banken müssen sich zumindest zum Teil neu orientieren. "In Frankfurt wird spürbar aufgebaut. Das merkt man sowohl im Personalmarkt als auch an der starken Nachfrage nach gewerblichen Immobilien", schilderte Müller.

Nach jüngsten Angaben der Finanzaufsicht Bafin sind mehr als 45 Finanzinstitute dabei, sich in Deutschland ein Standbein zu schaffen oder ihre Präsenz auszubauen. Die meisten zieht es nach Frankfurt.

Auch das Bankhaus Metzler hat nach Müllers Angaben im vergangenen Jahr weiter Personal aufgestockt auf nun etwa 870 Mitarbeiter. "Wir haben jetzt einen Stand erreicht, wo wir hinsichtlich der Mitarbeiterzahl nicht mehr substanziell wachsen werden", sagte der Metzler-Partner.

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