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Bauma sorgt für Ausnahmezustand in München

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Von: Nora Linnerud

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Ausnahmezustand in München: Die Bauma hat wieder begonnen
Krane, Bagger, Baumaschinen - die Bauma von oben. © Marcus Schlaf

In München ist wieder Baumaschinen-Messe. 600.000 Besucher kommen für die Bauma in die Stadt. Ausnahmezustand für Wirtshäuser, Geschäfte und Taxifahrer.

München – Jürgen Schröder steht auf dem Messe-Gelände in München am Standort der Firma Liebherr für die Bauma. Es ist laut, Arbeiter schreien sich gegenseitig Kommandos zu und immer wieder schallt Musik über die 60 ausgestellten Planierraupen, Radlader, Bagger und Krane. Die Musik stammt von den Proben für die Bagger-Show, die ab Montag viermal täglich bei Liebherr stattfinden wird, und klingt bombastisch, fast kitschig.

Fast alle Baumaschinen sind maisgelb, wenige sind blau, grün oder rot. Jürgen Schröder erklärt, dass die andersfarbigen Maschinen bereits verkauft sind. Hinter dem Schwaben, der Marketing-Chef bei Liebherr ist, steht ein cremefarbener Bagger für den kroatischen Bergbau: der R9200 E. In seiner Schaufel können drei Menschen aufrecht stehen und Liebherr liefert den 200-Tonnen-Bagger mit einem Elektro-Antrieb – anstatt mit Diesel-Motor. Das verringert die Lärm-Belastung für den Fahrer und schont die Umwelt.

Ausnahmezustand in München: Die Bauma hat wieder begonnen
Eine Schaufel für drei Mannsbilder: (v. l.) Jochen Schneider (Tiefbau), Jürgen Schröder (Marketing) und Werner Haas (Hochbau) von der Firma Liebherr. © Marcus Schlaf

Der Platz, auf dem der Bagger steht, heißt hier Liebherr-Platz. Die Firma hat mehr Platz auf dem Messe-Gelände als alle anderen: 14 000 Quadratmeter. Was sich Liebherr diesen Stand kosten lässt, sagt Schröder nicht. Nur: „Das hier ist ein Schaufenster in die Welt der Baumaschinen. Der Familie Liebherr ist diese Messe sehr wichtig, die Inhaber sind die ganze Woche vor Ort.“ Seit Anfang November bauen Tiefbau-Leiter Jochen Schneider und Hochbau-Leiter Werner Haas den dreistöckigen Freiluftstand von Liebherr auf. Die größte Herausforderung ist allerdings nicht der Aufbau: „In fünf Wochen muss das wieder abgebaut sein“, sagt Schneider. Dann beginnt die nächste Messe.

Bauma 2019 in München: Zahlen der Superlative

Die Gesamtfläche der Bauma ist größer als die kleinste Stadt Deutschlands. In diesem Jahr reisen 3.700 Firmen aus 60 Ländern an. Darunter auch ein TV- und Instagram-Star: Agnes „Püppi“ B. nahm bei der Serie „Trecker Babes“ teil. Jetzt kommt sie auf die Bauma. Die Influencerin wird am Stand von Caterpillar Autogramme verteilen. 

600 000 Besucher erwartet der Veranstalter vom 8. bis zum 14. April auf dem Gelände in München-Riem. Es sind Zahlen der Superlative. Die größte Baumesse der Welt findet alle drei Jahre statt und ist für München ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor. Der bayerische Einzelhandel berichtet von einem Umsatzzuwachs von drei bis fünf Prozent, das sind sechs bis zehn Millionen Euro.

Ausnahmezustand in München: Die Bauma hat wieder begonnen
Sehen von oben aus wie Spielzeug-Bagger. Sind aber richtig groß. Die Ausstellungs-Stücke der Firma Liebherr. © Marcus Schlaf

Die Hotelpreise ziehen während der Bauma extrem an. Ein gerade eröffnetes Hotel in Milbertshofen verlangt für eine Nacht im Doppelzimmer während der Bauma 561 Euro – zwei Wochen später nur noch 85 Euro. Ein Bett im gemischten Schlafsaal eines Hostels am Hauptbahnhof kostet pro Nacht 65 Euro, nach der Messe nur noch 19 Euro. Den Vorwurf, dass die Hotelpreise zur Bauma übertrieben ansteigen, empfindet Fritz Wickenhäuser als unzutreffend. Der Hotelier und Vorsitzender des Vereins „Südliches Bahnhofsviertel“ sagt: „Die Lufthansa verlangt am ersten Ferientag auch mehr für die Tickets.“ Und er sagt: „Wir haben während der Bauma genauso viele Hotel-Gäste im Viertel wie zur Wiesn.“

Taxi-Nachfrage bei der Bauma 2019: So groß wie bei keinem anderen Event in München

An jedem Messetag werden bis zu 1000 Taxen mehr als sonst durch München fahren. Die Münchner Verkehrsgesellschaft rechnet in der Messe-Woche mit einer halben Million zusätzlicher Fahrgäste. „Wenn Bauma ist, dann geht’s rund“, sagt Thomas Kroker, 49. Er ist Leiter der Münchner Taxizentrale. Das Publikum sei deutlich finanzstärker als beispielsweise ein Wiesn-Besucher, sagt er, „die Taxi-Nachfrage bei der Bauma ist so groß wie bei keinem anderen Event in München“.

Im Gegensatz zum Oktoberfest ist die Bauma auch nicht nur zwei Wochen lang für seine Fahrer spürbar. „Die starten schließlich Monate vor der Messe mit dem Aufbau“, sagt Kroker. Sein persönlicher Höhepunkt ist der Messe-Samstag: „Da kommen die Handwerker und haben dann auch schon ein, zwei Bier im Rucksack dabei. Die bringen eine Riesengaudi auf die Bauma“, sagt Kroker, der in München seit 1991 Taxi fährt.

Bauma-Besucher: „Das sind richtige Mannsbuidl, die können sich benehmen.“

Ein Höhepunkt ist die Bau-Messe auch für Lorenz Stiftl, 54. Der Wirt betreibt das Lokal „Zum Spöckmeier“ direkt am Marienplatz. „Das ist ein richtiger Boom, der da am Sonntag losgeht“, sagt er. Er betreibt auch ein Bierzelt auf der Wiesn, die jährlich zehnmal so viele Gäste anzieht wie die nur alle drei Jahre stattfindende Bauma. „Die von der Bauma sind aber natürlich ganz andere Gäste“, sagt Stiftl. „Die verzehren sehr gut, das sind kernige Männer und die wollen abends nach dem Messe-Tag was Deftiges aus unserer Haus-Metzgerei.“

Ausnahmezustand in München: Die Bauma hat wieder begonnen
Am Sonntag beginnt der Bauma-Boom, sagt Innenstadtwirt Lorenz Stiftl. Er betreibt das „Zum Spöckmeier“. © Marcus Schlaf

Stiftl verkauft nicht nur selbst gemachte Schweinswürstl mit Sauerkraut im Akkord, sondern er spürt auch genau, wie es der Branche geht. Nämlich tipptopp. Baufirmen aus der ganzen Welt kommen mit ihren Mitarbeitern nach München. „Die trinken hier dann auch nicht nur ein Helles oder ein Weißbier, sondern auch mal ein paar Runden Schnaps – das sind halt Handwerker“, sagt Stiftl. Auch hier merkt er den Unterschied zum Wiesn-Besucher: „Das sind richtige Mannsbuidl, die können sich im Gegensatz zu manchen Wiesn-Touristen auch nach dem Schnaps noch benehmen.“

Nach der dritten Runde Schnaps erzählt der eine oder andere Unternehmer dann auch mal, dass er Maschinen für ein oder zwei Millionen Euro gekauft hat. Tiefer ins Detail geht Stiftl nicht, lachend sagt er: „Der Wirt muss sein wie ein Pfarrer.“ 

Infos und Tickets zur Bauma 2019:

Erstmals wurde die Baumesse 1954 auf der Theresienwiese veranstaltet. Seit 1998 findet sie auf dem Messegelände in München-Riem statt. Ein Tagesticket kostet online 24 Euro, vor Ort 35 Euro. Die Messe ist werktags von 9.30 bis 18.30 Uhr geöffnet, am Samstag ab 8.30 Uhr und Sonntag von 9.30 bis 16.30 Uhr. 

Für die Messe-Besucher gibt es eigens eingerichtete Park+Ride-Möglichkeiten – zum Beispiel in Aschheim und Feldkirchen. Shuttle-Busse fahren zwischen der Messe und Bad Tölz, Garmisch und Tegernsee. Gegen 16.30 Uhr prognostiziert der Veranstalter an Messe-Tagen volle Straßen und empfiehlt, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Während der Bauma fährt zu Stoßzeiten die Messe-U-Bahn U2 alle drei Minuten.

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