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Bayerns Gas- und Ölrechnung doppelt so hoch – Verbandschef: „Gravierende Belastung“

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Von: Lisa Mayerhofer

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Bayern hat im ersten Halbjahr Gas und Öl im Wert von 10,9 Milliarden Euro importiert und damit seine Rechnung verdoppelt. Verantwortlich dafür sind die gestiegenen Preise.

München – Die Gas- und Ölrechnung für Bayerns Bürger und Unternehmen hat sich in diesem Jahr bislang mehr als verdoppelt. Im ersten Halbjahr wurden Erdgas und Erdöl im Wert 10,9 Milliarden Euro importiert, im Jahresvergleich war das ein Anstieg um 106 Prozent. Das teilte das Statistische Landesamt in Fürth am Freitag mit.

Hohe Energiekosten große Belastung für Bayerns Wirtschaft

Die Teuerung bei vielen Produkten führt dazu, dass sich das bayerische Außenhandelsdefizit vergrößert. Der Wert der Importe insgesamt stieg im ersten Halbjahr um 18 Prozent auf 121,5 Milliarden Euro. Der Wert der Exporte legte dagegen nur um neun Prozent auf knapp 102 Milliarden Euro zu.

„Verantwortlich für die Anstiege bei Ex- und Importen sind allein die gestiegenen Preise“, sagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft. „Die anhaltend hohen Energiekosten sind eine gravierende Belastung für die bayerische Exportwirtschaft.“

Bayern hat sich seit 2019 von einem Export- zu einem Importland gewandelt. 2021 hatten Bayerns Unternehmen Autos, Maschinen und andere Waren im Wert von 190 Milliarden Euro ins Ausland verkauft, doch die Einfuhren beliefen sich auf einen Wert von 212 Milliarden Euro.

Aiwanger fordert Zuschüsse für den Wechsel von Gas auf Öl

Außerdem ist Bayern und seine Wirtschaft besonders stark vom russischen Gas abhängig. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) fordert deshalb unter anderem Bundeszuschüsse für Unternehmen, die kurzfristig von Gas auf Öl wechseln können.

Nach Aiwangers Kalkül könnte damit sowohl Gas als auch Geld gespart werden. „Im ganzen Land gibt es viele Unternehmen, die ohne große Schwierigkeiten von Gas auf andere Energieträger umstellen könnten“, sagte Aiwanger Anfang August. Die Firmen täten das vielfach aber nicht, „weil sie noch günstige alte Gasverträge haben“.

Der Freie Wähler-Chef bezieht sich darauf, dass Brauereien und viele andere Unternehmen Zweistoffbrenner installiert haben, die sowohl Gas als auch Heizöl verfeuern können. Derzeit werde Gas auf dem Weltmarkt sündhaft teuer eingekauft, um die Speicher für den Winter zu befüllen - Aiwanger sprach von zwei Euro pro Kubikmeter für den österreichischen Speicher Haidach.

Der Wirtschaftsminister plädierte deshalb dafür, dass der Bund den Unternehmen mit flexibler Energieversorgung die Differenz zwischen ihrem günstigen Gas- und dem höheren Ölpreis ersetzt, so dass diese ohne finanzielle Einbußen umstellen können. „Es wird also seitens der Bundesregierung mehr als nötig Steuergeld eingesetzt und der Gaspreis mehr als nötig nach oben getrieben“, kritisierte Aiwanger. (lma/dpa)

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