Fachkräftemangel

Bayerns Wirtschaft von Bundesregierung enttäuscht

München  - Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft ist nach den ersten hundert Tagen der großen Koalition bitter enttäuscht von der Bundesregierung.

Die bayerische Wirtschaft fürchtet wegen der Rentenpolitik der großen Koalition eine Verschärfung des Fachkräftemangels in Bayern. „Das Rentenpaket der Bundesregierung droht die Erfolge vergangener Rentenreformen wieder zunichte zu machen“, kritisierte Bertram Brossardt, der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, am Mittwoch. „Die Rente mit 63 verwässert die Rente mit 67. Sie setzt in Zeiten des demografischen Wandels ein völlig falsches Signal“, sagte Brossardt der Nachrichtenagentur dpa.

In Bayern erfüllten pro Jahr knapp 30.000 Menschen die Voraussetzungen für die Rente mit 63. „In diesem Jahr werden es vermutlich sogar deutlich mehr sein, weil zwei Jahrgänge in Frage kommen: Die 63-Jährigen und die 64-Jährigen“, sagte Brossardt. „Wenn man bedenkt, dass in Bayern mit seinem boomenden Arbeitsmarkt schon jetzt ein spürbarer Fachkräftemangel herrscht, dann gilt: Jeder Beschäftigte, der dem bayerischen Arbeitsmarkt nicht mehr zu Verfügung steht, ist einer zu viel.“

Die Rente mit 63 sei gerade unter dem Aspekt der Fachkräftesicherung ein großer Fehler. „Es geht darum, die Lebensarbeitszeit zu verlängern, nicht darum, sie zu verkürzen“, forderte Brossardt.

Enttäuscht reagieren die bayerischen Arbeitgeber auch auf den Mindestlohn-Kompromiss der Bundesregierung. „Mindestlöhne vernichten Jobs und schmälern die Arbeitsmarktchancen vor allem für diejenigen, die es am Arbeitsmarkt am schwersten haben: Junge Menschen, Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte“, sagte Brossardt.

„Es ist zusätzlich nötig, junge Menschen bis 21 Jahre vom Mindestlohn auszunehmen, um grundsätzlich nicht den Fehlanreiz geben, lieber eine Beschäftigung mit Mindestlohn aufzunehmen, anstatt eine Ausbildung zu beginnen.“ Auch ungelernte Einsteiger ins Erwerbsleben müssten in der Anfangsphase vom Mindestlohn ausgenommen werden müssen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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