tz-Serie Vererben und Vorsorgen

Die 7 wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Begräbnis

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Eine Bestattung ist eine emotionale Belastung.

München - Die tz erklärt in dieser Folge der Serie rund ums Vererben und Vorsorgen, wer den Bestatter beauftragen muss, wer ihn schließlich bezahlt und was eigentlich passiert, wenn das Geld nicht für eine ordentliche Bestattung reichen sollte:

Stirbt ein naher Angehöriger, bricht für die Hinterbliebenen eine düstere Zeit an. Zu der Trauer gesellt sich zugleich auch noch ein großer Organisationsaufwand. Denn die Organisation der Bestattung ist Sache der Angehörigen. Dabei können Sie bereits zu Lebzeiten vorsorgen und Ihren Angehörigen eine Anleitung an die Hand geben, wie Sie sich Ihre letzte Reise vorstellen. Dann können Sie nicht nur sicher sein, dass bei der Bestattung alles in Ihrem Sinne verläuft, sondern erleichtern den trauernden Angehörigen die ohnehin schon schwere Arbeit.

  • Wer muss einen Bestatter beauftragen?
  • Und wer zahlt die Bestattung? Hier ist der gesetzliche oder testamentarische Erbe in der Pflicht. Für den Fall, dass alle infrage kommenden Personen das Erbe ausschlagen, müssen die unterhaltspflichtigen Angehörigen die Bestattungskosten übernehmen.
  • Wie kann man schon zu Lebzeiten für die Kosten der eigenen Bestattung vorsorgen? Viele Menschen möchten zu Lebzeiten für den Todesfall vorsorgen und sicherstellen, dass Angehörige nicht auf den Beerdigungskosten sitzenbleiben. Seit 2004 zahlen die Krankenkassen kein Sterbegeld mehr – deshalb muss der Verstorbene selbst vorgesorgt haben. Die Gretchenfrage lautet Sterbegeldversicherung oder nicht? An sich ist es eine gute Idee, die eigenen Angehörigen finanziell nicht im Regen stehen zu lassen – doch das Geld ist auf einem Tagesgeldkonto besser aufgehoben. Die Angehörigen können die Bestattung dann aus dem Erbe bezahlen. „Bei der Sterbegeldversicherung handelt es sich um recht teure Sparverträge“, erklärt Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern der tz. Die Verwaltung des Geldes durch die Versicherung und der Risikoanteil fressen gehörig was vom eingezahlten Geld weg. Und wenn die Laufzeit nicht begrenzt ist, kann es passieren, dass Versicherte mehr einzahlen, als die Nachkommen später überhaupt herausbekommen. Der Vorteil einer Sterbegeldversicherung: Bis zu einer Summe von 3579 Euro ist das Geld vor dem Sozialamt oder der Pflegekasse sicher – das Geld auf dem Tagesgeldkonto könnte dagegen zur Finanzierung eines Pflegeplatzes gepfändet werden.
  • Wie kann man Einfluss auf den Ablauf der eigenen Beerdigung nehmen? Wer ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinen Angehörigen pflegt, sollte mit ihnen durchsprechen, wie er sich die eigene Beerdigung vorstellt. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten die Modalitäten aber auf jeden Fall in einer Bestattungsverfügung schriftlich festgelegt und am besten gemeinsam mit dem Testament aufbewahrt werden. Dabei sollten Sie auf jeden Fall die Bestattungsart festlegen. Neben den gängigen Varianten der Feuer- und Erdbestattungen ist auch eine Seebestattung möglich. Extravagant und extra-teuer: Die Weltraumbestattung, bei der Teile der Asche in die Erdumlaufbahn geschossen werden.
  • Welche weiteren Bestattungsdetails lassen sich so regeln? Da in Deutschland Sargpflicht gilt, sollten Sie auf jeden Fall regeln, welches Gehölz verwendet werden soll. Särge sind teuer, wer auf eine opulente Ausstattung unter der Erde keinen Wert legt, sollte das deutlich sagen. Auch die Gestaltung der Trauerfeier lässt sich vorab festlegen: Wer soll sprechen, welche Lieder sollen gespielt werden. Jedes Detail, das der Verstorbene selbst festlegt, entlastet die Angehörigen, die im Trauerfall ohnehin emotional durch den Wind sind und gibt ihnen das gute Gefühl, im Sinne des Toten zu handeln.
  • Was ist, wenn die Angehörigen die Beerdigung nicht zahlen können? Wer unter oder knapp über Hartz-IV-Niveau lebt, sollte sich im Trauerfall an das örtliche Sozialbürgerhaus wenden. Die Einkommens- und Vermögensgrenzen, die man nicht überschreiten darf, um staatliche Hilfe zu den Bestattungskosten zu bekommen, müssen im Einzelfall errechnet werden. Bei Erdbestattungen übernimmt die Stadt München etwa 3200 Euro, bei Feuerbestattungen etwa 2600 Euro. In München wird auch ein Grabmal mit übernommen – in anderen Kommunen wie Berlin gibt es nicht einmal ein Holzkreuz, sondern nur Plastik-Namensschilder.
  • Gibt es Fristen für die Übernahme der Bestattungskosten durch das Sozialamt? Nein. Auf ein entsprechendes Urteil des Sozialgerichts Stade weist die Verbraucherinitiative für Bestattungskultur Aeternitas hin (Az.: S 33 SO 31/14). In dem Fall wurde einem Antrag stattgegeben, obwohl dieser erst über ein Jahr nach dem Todesfall gestellt worden war. Ämter weisen entsprechende Anträge aber gerne mit dem Verweis zurück, die Angehörige hätten diese nicht binnen einer angemessenen Frist eingereicht.

Marc Kniepkamp

Einfach, aber nicht unwürdig

Nur der Tod ist umsonst – das Sprichwort stimmt längst nicht mehr. Bestatter, Steinmetz, Friedhof: Das alles kostet ziemlich viel Geld. So können leicht rund 6000 Euro zusammenkommen – ohne Grabpflege. Immer mehr Hinterbliebene können sich das nicht leisten. In solchen Fällen übernimmt die öffentliche Hand die „erforderlichen Kosten einer Bestattung“. Welche das sind, lässt das Gesetz offen.

Die Sozialämter springen immer häufiger ein: Bekamen in Deutschland nach Angaben des statistischen Bundesamtes 2006 noch rund 13.800 Menschen finanzielle Hilfe bei der Bestattung ihrer Angehörigen, waren es 2013 knapp 23.500. Die Kosten stiegen in diesem Zeitraum von 41,3 Millionen auf 60,61 Millionen Euro pro Jahr.

Welche Leistungen erstattet werden, ist aber nicht einheitlich geregelt. Vorgesehen ist ein einfaches, aber würdiges, ortsübliches Begräbnis. Das wirft Fragen auf: Bekommt der Verstorbene einen Grabstein? Wie üppig darf die Dekoration der Kapelle ausfallen? Wer kommt für die Bepflanzung des Grabes auf?

Unter Bäumen entlang, an der Kapelle vorbei gelangt man zu dem Bereich, wo auf dem Friedhof in Berlin-Karlshorst die Grabstellen für Sozialbestattungen angelegt sind. An manch einen Verstorbenen erinnert hier statt eines Grabsteins ein kleines weißes Schild. In Schwarz sind eine Nummer, der Name und die Lebensdaten des Verstorbenen eingestanzt. Die Gräber liegen dicht nebeneinander in einer Reihe. Auf manchen von ihnen steht auch ein Grabstein. Und auf fast allen Gräbern wachsen Pflanzen.

Auf dem Friedhof Karlshorst sind rund 75 der 800 Beisetzungen im Jahr Sozialbestattungen, die meisten davon sind Urnenbeisetzungen. Bernd Thürling ist dort seit 1998 Friedhofsverwalter. „Wenn jemand ins Pflegeheim kommt, gibt er häufig seine Ersparnisse dafür aus. Für die Bestattung ist dann oft nichts mehr übrig“, erklärt Thürling. Die Sozialbestattungen seien zwar einfacher, aber nicht unwürdig.

Der 60-Jährige findet es zum Beispiel tröstlich, wenn auf der Trauerfeier Musik gespielt wird, die der Verstorbene zu Lebzeiten gemocht hat – auch wenn die von einer CD und nicht von einem Organisten kommt. Klassische Musik, aber auch Eric Clapton, Herbert Grönemeyer, die Beatles oder auch die Stones: „Individuelle Musik macht eine würdige Bestattung mit aus.“ Auf den Kosten für den Organisten sei die Friedhofsverwaltung das ein oder andere Mal sitzen geblieben, sagt Thürling.

Sozialbestattungen dürften in Zukunft nicht weniger werden – eher im Gegenteil. Die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann erwartet aufgrund zunehmender Altersarmut einen weiteren Anstieg. Sie fürchtet, dass die Kommunen die Übernahme der Kosten senken könnten.

tz

Die nächsten Angehörigen des Verstorbenen, also der Ehegatte oder Lebenspartner bzw. die volljährigen Kinder, die Eltern oder, falls niemand anderes vorhanden ist, die volljährigen Geschwister. Sind auch die nicht greifbar, müssen sich die Großeltern, die volljährigen Enkelkinder oder sonstige Verwandte bis zum dritten Grad um die Bestattung kümmern. Bleiben diese Personen untätig oder sind nicht erreichbar, dann muss die Kommune sich um die Bestattung kümmern.

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