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Spritpreise und „Tanktourismus“ steigen - „Besonders seltsam muten die teuren SUV an“

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Von: Dominik Göttler

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Der Preisunterschied zu den Zapfsäulen in Österreich sorgt für Staus – denn bayerische Autofahrer tanken nun wegen der Preise lieber dort. Hotspot ist zum Beispiel Passau.

München/Passau – Tanken? „Nur für fünf Euro, voll machen wir dann drüben.“ Solche Sätze hört eine Tankstellenbetreiberin aus dem südlichen Oberbayern, die anonym bleiben möchte, zurzeit öfter. Bei ihr kostet der Liter Super gerade mehr als 1,70 Euro. An der ersten Tankstelle hinter der Grenze im wenige Kilometer entfernten Tirol waren es gestern hingegen 1,37 Euro. „Wenn das alle so machen, dann gibt’s uns bald nicht mehr“, antwortet sie dann. Doch meist komme darauf nicht viel mehr als ein Achselzucken.

Die kräftig angestiegenen Spritpreise befeuern den Tanktourismus nach Österreich. Dass die Tankfüllung dort deutlich günstiger ist, hat zwei Gründe, wie Florian Hördegen vom ADAC Südbayern erklärt. „Die Steuerbelastung auf einen Liter Sprit ist in Österreich niedriger als in Deutschland. Und die Wettbewerbssituation vor Ort ist eine andere.“ Heißt: Im Nachbarland ist die Gewinnmarge für die Mineralölkonzerne größer. „Deswegen gibt es ein gewisses Interesse daran, dass die Leute lieber in Österreich tanken als in Bayern“, sagt Hördegen.

Spritpreise in Deutschland: Rabattaktionen und „Hammerpreis“-Anzeigen

Welche Folgen das hat, zeigt sich zum Beispiel in Passau. „Straße der Kaiser und Könige“ nennt sich dort die Hauptroute der Tanktouristen, die über die einzige innerstädtische Autobrücke über den Inn ins Donautal führt. In Achleiten liegt die 2003 extra für den Tanktourismus erbaute Grenztankstelle. Eine Goldgrube mit zehn Tanksäulen. Das österreichische Unternehmen kurbelt mit Rabattaktionen und „Hammerpreis“-Anzeigen in der bayerischen Presse das Geschäft weiter an. Für die deutschen Tanktouristen ein Traum. Für die verkehrsgeplagten Innenstadtbewohner ein Grauen.

Auch für Manuel Lang. Manchmal steigt ihm die Zornesröte ins Gesicht, wenn er auf die Zustände vor seiner Grenztankstelle auf bayerischer Seite blickt. Kilometerlang stauen sich dort die Ausreisenden. „Es lohnt sich nicht mehr, am Samstag aufzusperren“, sagt er. Der Stau nehme ihm seine wenigen letzten Kunden. Und: Er führt ihm permanent sein verlorenes Geschäft vor Augen.

Tanktourismus: Aus Andreas Scheuers‘ Chipkarte wurde nichts

Als junger Bundestagsabgeordneter hat ein Passauer CSU-Politiker namens Andreas Scheuer 2004 eine Demo an der Achleitener Grenztankstelle organisiert. Er schlug die Einführung einer Chipkarte vor, die den Grenzlandbewohnern günstigeres Tanken ermöglichte. Doch daraus wurde nichts.

Im Netz verteidigen die Spritflüchtlinge ihre langen Anfahrten. „Auch bei nur fünf Cent Preisersparnis fahre ich prinzipiell nach Österreich zum Tanken. Die Geier in Berlin sehen nur das nötigste an Steuern von mir“, schreibt einer. „Besonders seltsam muten die teuren SUV und Sportwagen an, die dann zum Sparen über die Grenze fahren“, hält ein anderer dagegen. Eine Passauer Grünen-Stadträtin erwägt schon eine Citymaut für die Tanktouristen. Von den Einnahmen solle dann der belastete Stadtteil profitieren.

Zapfpistolen für verschiedene Kraftstoffarten hängen im März 2020 an einer Zapfsäule an einer Tankstelle in Forstinning in Bayern
Benzinpreise © Sven Hoppe/dpa

Steigende Benzinpreise: „Der Verbraucher ist verärgert – aber noch nicht empört“

Abgesehen von Hotspots wie in Passau oder vereinzelt in Südbayern sei der Masse der Menschen die Tankfahrt über die Grenze aber noch zu aufwendig, sagt ein Sprecher des deutschen Tankstellen-Interessenverbands TIV. „Der Verbraucher ist verärgert – aber noch nicht empört.“ Die Einbußen im Grenzbereich seien zwar spürbar, aber noch nicht dramatisch. „Wenn aber die Zwei-Euro-Marke beim Spritpreis gerissen wird und der Unterschied dauerhaft bei 30 bis 40 Cent liegt, dann werden wir massive Reiseströme sehen“, prognostiziert er.

Entscheidend dafür sei, wie sich die Situation am Erdölmarkt entwickle. Unter den aktuellen Preisunterschieden leiden aus seiner Sicht vor allem die kleinen Tankstellen-Pächter. „Die Zeiten, in denen eine Tankstelle eine Goldgrube war, sind lange vorbei.“ Derweil wird die Leistungsfähigkeit von E-Auto-Akkus stetig besser - Tesla erhält bald einen neuen Energieträger.

D. Göttler und H. Denk

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