Neuer BER-Chef im Amt

Platzeck: Mehdorn bekommt Freiheit und Zeit

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Hartmut Mehdorn, früherer Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, bei seiner Ankunft am Hauptstadtflughafen BER am Freitag

Berlin - Um 7 Uhr hat der frühere Bahn- und Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn sein Amt als neuer BER-Chef angetreten. Ministerpräsident  Paltzeck macht ihm zwei Zugeständnisse: Freiheit und Zeit.

Hartmut Mehdorn hat am Montagmorgen sein Amt als neuer Chef des künftigen Hauptstadtflughafens angetreten. Er habe wie angekündigt seine Arbeit aufgenommen, sagte ein Flughafen-Sprecher am Morgen. Nähere Angaben wollte er nicht machen. Der 70 Jahre alte frühere Bahn- und Air-Berlin-Chef soll Druck machen, damit der von Pannen begleitete Flughafen-Bau vorankommt.

Mehdorn muss in dem Flughafen-Chaos viele Aufgaben gleichzeitig anpacken, unter anderem die Arbeiten vorantreiben und einen realistischen Termin für die Eröffnung festlegen. Außerdem auf der Liste der Aufgaben: einen Lärmschutz-Kompromiss mit den Anwohnern finden, die verunsicherten Airlines und Investoren bei der Stange halten, den bis an den Rand belasteten Flughafen Tegel funktionsfähig halten und nicht zuletzt das verheerende Betriebsklima in der Flughafengesellschaft verbessern.

Mehdorn bringt Tegel-Offenhaltung ins Gespräch

Überraschender Weise schlug Mehdorn an seinem ersten Arbeitstag die Offenhaltung des Flughafens Berlin-Tegel vor. „Muss man Tegel wirklich schließen, oder kann man nicht die Last ein bisschen gleich auf die Stadt verteilen?“, sagte Mehdorn am Montag im Potsdamer Landtag. „Charterflüge in Tegel - was wäre so schlimm daran? Ist nicht so viel, die fliegen auch nicht nachts.“ Schlauer zu werden, sei nicht verboten. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) betonte hingegen, laut Planfeststellung müsse Tegel ein halbes Jahr nach der Inbetriebnahme des Neubaus schließen. Das sehen wir Herrn Mehdorn, der jetzt genau sieben Stunden im Amt ist, nach, dass er das noch nicht ganz übersehen kann.“

Ansonsten hat Mehdorn für seine neue Aufgabe aber volle Rückendeckung vom Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft, dem Brandenburger Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD): „Herr Mehdorn bekommt die Freiheit, die er braucht. Hauptsache, er schafft mehr Akzeptanz für den Flughafen und bringt ihn endlich ans Netz“, sagte er „Spiegel Online“.

Platzeck: "Wir alle kennen seine Ecken und Kanten"

Platzeck verteidigte die Berufung Mehdorns: „Wir alle kennen seine Ecken und Kanten. Das habe ich immer an ihm gemocht, und ich habe auch nicht vor, ihm das jetzt abzuschleifen.“ Die Verantwortlichen hätten jemanden gesucht, der über ein breites Portfolio an Erfahrungen verfüge. „Und dem man zwei Dinge nicht erklären müsse: Nämlich große Bauprojekte und Flugwesen“, so Platzeck weiter. Mit Blick auf die anstehenden schwierigen Aufgaben für Mehdorn rund um Baumängel und zeitliche Verzögerungen sagte der Aufsichtsratschef: „Natürlich müssen wir auch über harte Schnitte sprechen. Geben wir ihm doch etwas Zeit (...)".

Platzeck soll an diesem Montag in Potsdam außerdem vor dem Landtags-Sonderausschuss zum Flughafen erscheinen. Er muss dort erklären, warum die Verpflichtung von Wilhelm Bender, dem früheren Chef des Frankfurter Flughafens, als Chefberater des Flughafens Berlin Brandenburg geplatzt war. Auch Mehdorn wird dort erwartet. Die Sprecherin des Landtags, Katrin Rautenberg, sagte der Nachrichtenagentur dpa, Mehdorn werde bei der Sitzung am Montagnachmittag dabei sein.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) erwartet nun eine zügige Fertigstellung des Airports. Berlin und Brandenburg sowie der Bund sind die Bauherren des Flughafens, dessen kalkulierte Kosten seit 2006 von 2,0 Milliarden auf 4,3 Milliarden Euro im vergangenen Herbst stiegen. Eine neue Schätzung gibt es nicht.

dpa

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