Berggruen unterschreibt Kaufvertrag für Karstadt

Essen/Köln - Der Investor Berggruen hat am Dienstag den Kaufvertrag für die insolvente Warenhauskette Karstadt unterzeichnet. Es zeichnet sich dennoch weiterer Streit ab.

Die Rettung der insolventen Warenhauskette Karstadt ist auch nach dem Zuschlag für den Investor Berggruen noch nicht sicher. Größtes Problem sind die Warenhausmieten, die der designierte Karstadt-Eigentümer deutlich senken will. Berggruen unterzeichnete zwar am Dienstag nach Angaben von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg den Kaufvertrag, knüpfte diesen aber an Bedingungen. Dazu zählt neben einer Einigung mit der Vermieter Highstreet auch die Zustimmung des Bundeskartellamtes. Bei der Auseinandersetzung zwischen Berggruen und dem Karstadt- Hauptvermieter Highstreet geht es nach Informationen einer Sprecherin der Gewerkschaft Verdi um einen “einstelligen Millionenbetrag“. Die beiden Verhandlungspartner wollten dazu am Dienstag keine Angaben machen.

Der Immobilienfonds Highstreet war am Montagabend mit einem eigenen Angebot im Bieterrennen um Karstadt ebenso wie der Finanzinvestor Triton gescheitert. Bei Highstreet hieß es, man sei zu zusätzlichen Mietsenkungen bereit, wie sie auch in der Offerte für Karstadt angeboten worden seien. Zusätzlich zu dem bereits im Insolvenzplan zugesagten Sanierungsbeitrag von 160 Millionen Euro gehe es dabei um weitere Mietsenkungen von 230 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren. Davon will Highstreet offensichtlich nicht abrücken: Dieses Angebot habe für alle Bieter gegolten. Wenn es nicht angenommen werde, steige die Wahrscheinlichkeit einer Liquidation von Karstadt erheblich. Ein Berggruen-Sprecher wollte die genaue Höhe der von dem Investor geforderten Mietsenkungen nicht nennen. Ohnehin müsse bis zu einer Übernahme von Karstadt noch eine ganze Reihe offener Fragen geklärt werden, hieß es. Auch bei einer kurzfristigen Einigung mit Highstreet müsse die Eigentümerversammlung des Immobilienfonds der Vereinbarung noch zustimmen.

Die Unterschrift unter dem Kaufvertrag - ob mit oder ohne Vorbehalt - war die Voraussetzung dafür, dass das Amtsgericht am Donnerstag (10. Juni) den Insolvenzplan wie geplant in Kraft setzen kann. Der Plan sieht unter anderem vor, dass Karstadt von einem Schuldenberg von rund zwei Milliarden Euro entlastet wird. Der Privatinvestor Nicolas Berggruen will nach bisherigen Angaben keinen Personalabbau unter den 25 000 Karstadt-Beschäftigten vornehmen und die 120 Warenhäuser erhalten. Nach Angaben von Verdi enthält der von Berggruen akzeptierte Sanierungstarifvertrag jedoch eine Klausel, die in bestimmten wirtschaftlichen Notlagen die Schließung einzelner Häuser nicht ausschließt, wenn dadurch das Gesamtunternehmen gerettet werden kann. Abgesehen davon sei in der im Dezember 2009 abgeschlossenen Vereinbarung ein Personalabbau bei Karstadt für einen Zeitraum von drei Jahren ausgeschlossen. Die Gewerkschaft Verdi hatte sich am Montag bei der entscheidenden Sitzung des Gläubigerausschusses öffentlich für den Investor Berggruen ausgesprochen. Der von Berggruen angebotene Kaufpreis für Karstadt soll dem Vernehmen nach bei rund 70 Millionen Euro liegen. In den kommenden drei Jahren seien Investitionen von rund 240 Millionen Euro geplant, hieß es aus Kreisen.

dpa

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