Sicherheitsleck bei Visa und Mastercard

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Per Funk können Trickdiebe die Kreditkarten von Visa und Mastercard auslesen.

München - Die mit der neuen Funktechnik NFC (Near Field Communication) ausgestatteten Visa- und Master-Kreditkarten weisen nach einem Fernsehbericht gravierende Sicherheitsmängel auf.

Noch ist in deutschen Supermärkten Bares Trumpf – vor allem, wenn’s um kleinere Beträge geht. Doch das soll anders werden – dank der neuen Kreditkarten-Generation von Visa und Mastercard, die mit der Funktechnik NFC ausgestattet ist. Doch wie sicher ist diese Technologie? Nach Recherchen des BR-Magazins Report München hat die neue Technik erhebliche Sicherheitsmängel: Ein Praxistest belegt, dass man mit einem NFC-Handy die Daten der Kreditkarten auslesen kann! Allerdings darf das Handy dafür höchstens vier Zentimeter von der Karte entfernt sein.

So machen Sie Ihr Passwort sicher

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Wie Report München weiter berichtet, sei es anschließend kein Problem gewesen, mit den geklauten Daten im Internet Waren zu bestellen! Visa will bis Ende des Jahres in Deutschland rund eine halbe Million der neuen Kredikarten ausgeben (zum Vergleich: Bundesweit sind insgesamt 25 Millionen Karten in Umlauf). Sieben Mitgliedsbanken hätten bereits angekündigt, die neuen Karten auszugeben: BW-Bank, comdirect, DKB, LandesBank Berlin, Targobank, Volkswagen Bank und Postbank. Mastercard hat laut BR weltweit schon 100 Millionen Karten mit der neuen Technik in Umlauf.

Beide Unternehmen räumen zwar ein, dass es möglich sei, Kartennummer und Ablaufdatum auszulesen, bestreiten aber, dass das ein Sicherheitsproblem sei. Mit diesen Informationen, so Visa, könne weder eine gültige Transaktion ausgelöst werden, noch ließe sich damit eine funktionierende Kartenkopie erstellen. Zahlungen im Internet seien nur mit der Kartenprüfnummer oder einem Passwort möglich. Diese Daten seien aber nicht auf dem Kartenchip hinterlegt. Dass einige Onlinehändler nicht alle Sicherheitsmerkmale abfragten, so Visa, sei deren Risiko: „Denn bei Betrug haften sie.“

Ähnlich sieht das auch Helmut Schäfer (54), der beim Bayerischen Landeskrimalamt für den Bereich Zahlungsmittelfälschung zuständig ist: „Ich kann nicht erkennen, wieso die neue Karte ein Sicherheitsproblem sein soll. Die entsprechenden Daten können sich Betrüger auch heute schon – und zwar einfacher – besorgen.“ (etwa auf Briefen im Papiermüll). Außerdem sei der Ertrag für Betrüger im Vergleich zum Aufwand gering: „Den Geldbeutel zu klauen, wäre sicher einfacher.“

WdP

Sichwort: Near Field Communication (NFC)

NFC ermöglicht den kontaktlosen Austausch von Daten auf kurzen Stecken bis zu vier Zentimetern Länge. Die Technik wird in Deutschland bisher zum Beispiel von den Sparkassen oder der Deutschen Bahn für die bargeldlose Bezahlung kleiner Beträge (bis 20 Euro) genutzt. NFC kann mit aktiven Geräten als Zugriffsschlüssel an Terminals auf Inhalte und Services verwendet werden, wie beispielsweise bei papierlosen Eintrittskarten, Zugangskontrolle oder der Steuerung des Smartphones. Eine NFC-Kreditkarte etwa von Visa erkennen Sie am aufgedruckten Logo.

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