Hauptstadtflughafen

Neuer BER-Chef: Mehdorn will aufs Tempo drücken

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Erst vor Wochen hat er den Chefsessel bei Air Berlin geräumt, nun steigt Hartmut Mehdorn auf den Schleudersitz am Hauptstadtflughafen. Drei Jahre will er bleiben. Und den Flughafen auch eröffnen.

Berlin - Ex-Bahnchef Mehdorn will keine Zeit verlieren, um den Hauptstadtflughafen startbereit zu machen. Drei Jahre bleiben ihm. Solange läuft sein Vertrag.

Hartmut Mehdorn will als neuer Chef des neuen Berliner Pannen-Flughafens aufs Tempo drücken. Bereits am Montag hat er seinen ersten Arbeitstag. „Ich bin zuversichtlich, dass wir hier ein kleines Powerhouse aufmachen können“, zeigte sich der 70-Jährige Topmanager bei seiner Vorstellung am Freitag zuversichtlich. Mehdorn soll das frühere Prestigeprojekt nach vier gescheiterten Eröffnungsterminen aus der Krise führen.

Noch gibt es keinen neuen Termin. Der Vertrag des früheren Bahn- und Air-Berlin-Vorsitzenden Chefs läuft nach Angaben von Flughafen-Aufsichtsratschef Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) drei Jahre, also bis März 2016.

Mehdorn folgt auf Rainer Schwarz, der im Januar entlassen worden war. Anders als Schwarz wird Mehdorn Vorsitzender der Geschäftsführung und nicht nur ihr Sprecher. Mehdorn trägt damit die Gesamtverantwortung. Platzeck lobte ihn als erfahrenen Manager und exzellenten Branchenkenner. Er sei sicher, dass Mehdorn dem Flughafen zu mehr Akzeptanz verhelfe, ihn zurück in die Erfolgsspur und zu einer gelungenen Eröffnung führe. Die deutsche Luftfahrtbranche begrüßte die Berufung. Aus Sicht des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft muss Mehdorn nun auch für die Flüge bis Mitternacht und ab 5.00 Uhr kämpfen - denn Brandenburg will mehr Nachtruhe. Mehdorn lehnte eine Ausweitung des Flugverbots ab. Er wolle „sehen, ob es nicht andere Kompromisslinien gibt“. Kritik und Spott gab es zur Berufung Mehdorns von der Opposition im Bund über die vermeintliche Notlösung nach mehreren Absagen.

"Wir sind im Zeitplan" - Zitate zum BER-Debakel

„Der Inbetriebnahmetermin 3. Juni 2012 ist unwiderruflich.“ (Der frühere Technik-Geschäftsführer Manfred Körtgen im November 2011) © dpa
„Der Eröffnungstermin 27.10.2013 steht, er ist aber kein Selbstläufer.“ (Körtgens Nachfolger Horst Amann im November 2012) © dpa
„Diesen Dilettanten darf man nicht die Führung der Stadt überlassen.“ (Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit im Mai 2011 an die Grünen gerichtet, weil die das Projekt Flughafen abspecken wollten) © dapd
„Sicherheit hat Vorrang!“ Der Flughafen werde „trotz der Verschiebung nach wie vor eine Erfolgsgeschichte sein“. (Wowereit im Mai 2012 zur Absage der für den 3. Juni geplanten Eröffnung wegen Problemen an der Brandschutzanlage) © dapd
„Bei einer derartigen Komplexität des Bauvorhabens ist es immer riskant, einen Termin zu setzen. Aber man kann nicht einfach den Baufortschritt abwarten, bevor man Termine nennt (...) Ich sehe nicht, welchen konkreten Vorwurf man dem Aufsichtsrat machen müsste.“ (Wowereit in einem Interview mit der „Berliner Zeitung“ im Juni 2012) © dpa
„Wir sind im Zeitplan.“ (Wowereit im November 2012 nach einer Sitzung des Aufsichtsrats) © dpa
„Verantwortung wahrzunehmen bedeutet, die Dinge anzupacken. Das gilt besonders für den Flughafen. Deshalb bündeln wir alle Kräfte, um den Eröffnungstermin im Oktober 2013 einzuhalten.“ (Wowereit in seiner Neujahrsansprache im Januar 2013) © dpa
Der für Oktober 2013 geplante Eröffnungstermin werde gehalten. „Eine nochmalige Verschiebung können wir uns auch für das Image des Landes nicht leisten.“ (Brandenburgs früherer Ministerpräsident Matthias Platzeck auf einem SPD-Parteitag im September 2012) © dpa
„Einem Aufsichtsrat, der mehrfach mündlich und schriftlich nachfragt und darauf eindeutige Antworten bekommt, kann man keine Vorwürfe machen.“ (der frühere Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer am 28. Mai 2012 in der „Bild am Sonntag“, nachdem der Eröffnungstermin am 3. Juni 2012 geplatzt war) © dpa

„Das ist eine reizvolle Aufgabe, keine Frage“, sagte Mehdorn, warnte aber auch vor zu hohen Erwartungen. „Ich kann auch nicht zaubern.“ Es gehe um eine Teamleistung. „Ich will die Mannschaft revitalisieren.“ In seiner neuen Funktion hat der Ex-Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin nicht nur Verantwortung für den Neubau, sondern auch für die alten Flughäfen in Tegel und Schönefeld.

Der neue Chef hat nach eigenen Angaben freie Hand, wenn es um die Struktur der neuen Geschäftsführung geht. „Wir werden gucken, ob wir noch jemand brauchen.“ Der Aufsichtsrat wollte zuletzt den Posten des Finanzchefs schaffen. Bislang besteht die Geschäftsführung aus Mehdorn und Technikchef Horst Amann.

Seinen Sitz im Verwaltungsrat von Air Berlin will Mehdorn abgeben. Die Schadenersatzklage, die er wegen des Flughafendebakels selbst als Air-Berlin-Chef gegen die Flughafengesellschaft eingereicht habe, werde nicht über seinen Schreibtisch gehen, sagte er.

dpa

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