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Bericht: Millionenbetrug mit HIV-Medikamenten

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Die morgendliche Medikamenten-Dosis eines HIV-Patienten

Hamburg - Mehrere Staatsanwaltschaften und das Bundeskriminalamt sind einem bundesweiten Millionenbetrug mit HIV-Medikamenten auf der Spur. Mit welcher Masche die Pharmaunternehmen Geld verdienten:

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat inzwischen die Ermittlungen gegen mehrere Pharmagroßhändler wegen Betrugs mit HIV-Medikamenten bestätigt.

Federführend seien die Staatsanwaltschaften Trier, Lübeck und Flensburg, sagte eine BKA-Sprecherin am Donnerstag in Wiesbaden der dpa. Das BKA sei wegen der Dimension der Fälle und wegen der Verbindungen ins Ausland eingeschaltet worden. Nach Angaben des Radiosenders NDR Info soll deutschen Krankenkassen ein Schaden in mindestens zweistelliger Millionenhöhe entstanden sein. Die Pharmahändler hätten für das Ausland bestimmte Medikamente umverpackt und zu einem höheren Preis in Deutschland verkauft. Für nähere Auskünfte verwies das BKA an die beteiligten Staatsanwaltschaften.

Die Pharmahändler sollen laut NDR Info unter anderem für Patienten in Afrika vorgesehene, subventionierte Präparate in großen Mengen neu verpackt, illegal nach Deutschland gebracht und hier mit extrem hohen Gewinnen verkauft haben.

Die AOK Niedersachsen schätze, dass der finanzielle Schaden allein für die Krankenkassen mindestens einen zweistelligen Millionenbetrag erreiche. Die Täter sollen die gefälschten Produkte zu regulären Preisen abgerechnet haben, berichtete der Radiosender.

Die Beschuldigten aus Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz streiten laut NDR Info die Vorwürfe ab oder wollen sich nicht äußern. Neben der Staatsanwaltschaft Flensburg ermitteln nach dem Bericht auch die Behörden in Trier und Lübeck gegen Pharmagroßhändler. Das Bundeskriminalamt sei in die Ermittlungen eingebunden.

Medikamente waren für Behandlung von HIV-Patienten in Südafrika

Den Recherchen zufolge wurden die HIV-Präparate zum Teil als sogenannte Bulkware - also lose Tabletten in Kisten und Säcken - illegal aus Südafrika über Belgien und die Schweiz nach Deutschland importiert. Dabei sollen die Händler die Medikamente mit erheblichen Gewinnen verkauft haben, so die Staatsanwaltschaft Flensburg. Die Beschuldigten sollen gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Flensburg drohten den mutmaßlichen Tätern wegen gewerbsmäßigen Betrugs zwischen 3 Monaten und 10 Jahren Haft.

“Die Medikamente waren von Hilfsorganisationen für die Behandlung von HIV-Patienten in Südafrika vorgesehen. Die Großhändler haben die Präparate nach Deutschland geholt, obwohl sie hier nicht zugelassen waren“, sagte der Sprecher der niedersächsischen AOK, Oliver Giebel, dem Sender.

Wirksamkeit der Medikamente nicht beeinträchtigt

Aufgeflogen war der mutmaßliche Betrug im August 2009 in einer Delmenhorster Apotheke. Bei anschließenden Untersuchungen des betreffenden Medikaments durch den Münchener Hersteller GlaxoSmithKline habe sich herausgestellt, dass unter anderem die Umverpackung und der Beipackzettel gefälscht gewesen seien. Der Konzern habe sicherheitshalber die betreffende Charge zurückgezogen. Auch der Hersteller Boehringer-Ingelheim habe 2009 und 2010 in einem ähnlichen Fall mehrere Chargen eines HIV-Medikaments zurückgerufen.

Nach jetzigem Stand soll die Wirksamkeit der Medikamente nicht beeinträchtigt gewesen sein. Allerdings gebe es nach wie vor Untersuchungen, ob die Präparate zum Beispiel durch eine Unterbrechung der Kühlkette Schaden genommen hätten. Möglicherweise sei auch das Haltbarkeitsdatum überschritten gewesen.

dpa

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