Bescherung für die Banken kurz vor Weihnachten

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat an die Banken Rekordkredite von fast 500 Milliarden Euro vergeben.

Frankfurt/Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) zieht die Weihnachtsbescherung für die Banken um drei Tage vor: Sie bekamen am Mittwoch rund eine halbe Billion Euro fast geschenkt.

Erst in drei Jahren müssen sie das Geld zurückzahlen. Im Gegensatz zu den Euro-Staaten erhalten sie den Mega-Kredit zu einen vernachlässigbaren Satz von gerade einem Prozent. Noch nie wurde in der Eurozone soviel Geld für so lange Zeit zu so niedrigen Zinsen verliehen - schon gar nicht an Risiko-Kandidaten wie die Banken. Die Geldflut ist eine der drastischsten Maßnahmen gegen die Krise.

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Das kann nur die EZB. Nachdem 523 Banken am Mittwoch angaben, wie viel sie haben wollten, kündigte die EZB an, ihnen am Donnerstag genau 489,2 Milliarden Euro zu überweisen. Zuvor hatte sie versprochen, sämtliche Kreditanfragen zu erfüllen. Dafür müssen die Banken zwar Sicherheiten hinterlegen, teilweise können sie dafür jedoch Papiere nutzen, die sonst kaum einer am Markt haben will.

“Das ist nun wahrlich ein Geldsegen“, sagte Geldmarkthändler Bernd Hartwig, der bei der NordLB in Hannover die EZB-Aktion beobachtete. Die Größenordnung sei in etwa zu erwarten gewesen. “Die EZB will auf jeden Fall verhindern, dass es zu Problemen kommt.“

Es sei der richtige Schritt, “um der Gefahr einer Kreditklemme im Euro-Raum zu begegnen“, sagte auch der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Michael Kemmer. Der Märkte zeigten sich weitgehend unbeeindruckt. Nur kurz ging es für den DAX aufwärts. Die Renditen italienischer und spanischer Staatsanleihen sanken nicht. Sie stiegen sogar leicht, was es für die Krisenstaaten wieder etwas schwerer macht, ihre Schulden zu finanzieren.

EFSM, EFSF oder ESM: Das bedeuten die Kürzel der Finanzkrise

EFSM: Wenn vom EFSF-Rettungsschirm die Rede ist, fällt manchmal auch diese Abkürzung. Der Krisenfonds setzt sich nämlich aus dem Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus (EFSM) und dem EFSF zusammen. © dpa
ESM: Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) wird der Nachfolger des EFSF-Fonds. Spätestens Mitte 2013 soll er den befristeten Rettungsschirm dauerhaft ablösen und 500 Milliarden Euro an Kredithilfen bereitstellen. © dpa
EZB: Die Europäische Zentralbank (EZB) ist die Hüterin der europäischen Währung. Daher ist die Notenbank an allen wichtigen Beschlüssen in der Schuldenkrise beteiligt. Oberstes Entscheidungsgremium ist der EZB-Rat. Ihm gehören die Chefs der 17 nationalen Notenbanken und ein sechsköpfiges Direktorium an, an dessen Spitze der EZB-Präsident. © dpa
IWF: Der Internationale Währungsfonds (IWF) spielt zur Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise eine wichtige Rolle. Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen greift ein, wenn Staaten Geldprobleme haben. Finanzhilfen sind meist an strenge Auflagen geknüpft - etwa an die Sanierung des Staatshaushalts. Bei allen Hilfsaktionen im Euroland, ob in Griechenland, Irland oder Portugal, war der IWF mit im Boot. © dpa
SPIV: Als Option zur Euro-Rettung gilt auch ein Special Purpose Investment Vehicle (SPIV). Bei der “Investment-Zweckgesellschaft“ würden öffentliches und privates Kapital zusammengeführt. Eine oder mehrere Zweckgesellschaften könnten zentral oder gesondert in einem Land errichtet werden, das Hilfen bekommt. Die Zweckgesellschaft soll die Finanzierung von Euro-Ländern erleichtern. Sie würde in Staatsanleihen eines Landes investieren. © dpa
Troika: Das Wort Troika ist eigentlich keine klassische Abkürzung. Es kommt aus dem Russischen und bedeutet “Dreiergespann“. In der Schuldenkrise werden damit aber verkürzt drei Expertengruppen bezeichnet - nämlich EZB, IWF und EU-Kommission. © dpa
G20: Die Gruppe der 20 (G20) bezeichnet die Top-Wirtschaftsmächte. Zwei Drittel der Weltbevölkerung werden durch sie repräsentiert, ihre Beschlüsse haben globalen Einfluss. Anfang November beraten ihre Mitglieder erneut über die Euro-Rettung. Der Zusammenschluss wurde 1999 als Reaktion auf die Finanzkrisen in Asien, Brasilien und Russland gebildet. © dpa
PSI: Die Politik will private Gläubiger wie Banken und Versicherungen stärker an der Griechenland-Rettung beteiligen. In Fachkreisen wird dabei stets von PSI (“Private Sector Involvement“, also Beteiligung des Privatsektors) gesprochen. Der Streit dreht sich darum, in welchem Ausmaß die Privaten auf Ansprüche gegen Griechenland verzichten. © dpa
CDS: Ein Schuldenschnitt ist auch deswegen so sehr umstritten, weil er Kreditausfallversicherungen (CDS oder “Credit Default Swaps“) auslösen könnte, sobald die Ratingagenturen für ein Land das Urteil “Zahlungsausfall“ (“Default“) ausrufen. Es gibt Experten, die befürchten, dass dann eine unkontrollierbare Kettenreaktion in Gang kommt, die etliche Kreditinstitute in den Abgrund reißen könnte. © dpa

Die EZB wolle endlich das Hauptproblem der Krise lösen, hatte EZB-Präsident Mario Draghi gesagt, als er die ungewöhnliche Maßnahme Anfang Dezember ankündigte. “Das Geld zirkuliert einfach nicht“ in der Wirtschaft. Damit meinte er, dass die EZB den Banken zwar viel Geld zu niedrigen Zinsen biete - die Banken diese aber kaum an die Wirtschaft weitergäben. Denn das durch die Finanzkrise und die erhöhten Kapitalanforderungen stark belastete Bankwesen Europas geht selbst kaum noch Risiken ein.

Draghi sagte, er hoffe, dass die Banken durch den Geldregen so viel Liquidität zur Verfügung hätten, dass sie die niedrigen Zinsen endlich an die Unternehmen und die 330 Millionen Verbraucher in der Eurozone weitergeben. Und es nicht aus Angst vor der eigenen Zahlungsunfähigkeit horten.

Krisenhelfer IWF und Weltbank: Was machen die eigentlich?

Der IWF wurde 1944 zusammen mit der Weltbank in Bretton Woods ( USA) gegründet. Ziel war es, nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Weltwirtschaftssystem mit stabilen Wechselkursen einzuführen. Die Zusammenarbeit in der Währungspolitik und im internationalen Zahlungsverkehr sollte gefördert werden. © dpa
Die Finanzhilfen des IWF sind meist an strenge Auflagen geknüpft - etwa an die Sanierung des Staatshaushalts. © dpa
Der Internationale Währungsfonds ( IWF) ist in der weltweiten Finanzkrise zu einem der wichtigsten Krisenhelfer aufgestiegen. © dpa
Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen greift ein, wenn Staaten Finanzschwierigkeiten haben oder ihnen der Bankrott droht. Der IWF hilft den Mitgliedsländern dann mit Krediten. © dpa
Chef des IWF ist in der Regel ein Europäer. Aktuell wird er von der früheren französischen Finanzministerin Christine Lagarde gelenkt, die nach dem Rücktritt des Franzosen Dominique Strauss-Kahn an die IWF-Spitze rückte. © ap
Der spätere Bundespräsident Horst Köhler war von 2000 bis 2004 IWF-Chef. Zunehmend drängen aber auch Schwellenländer darauf, den Topposten zu stellen. © dpa
Die Quote bestimmt auch das Mitspracherecht. Der Einfluss aufstrebender Schwellenländer - etwa Chinas oder Indiens - beim IWF wurde zuletzt mit einer Stimmrechts- und Quotenreform erhöht. © dpa
Die Kapitaleinlagen (Quoten) der mittlerweile 187 Mitgliedsländer richten sich unter anderem nach der Stärke ihrer Volkswirtschaft. © dpa
Gerade in der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise spielt der IWF eine wichtige Rolle. Zusammen mit den Europäern schnürte der Währungsfonds Milliarden-Rettungspakete für die Schuldensünder Griechenland, Irland und Portugal. © dpa
Die Weltbank steht nicht ganz so stark im Licht der Öffentlichkeit wie der IWF. Ursprünglich war ihr Ziel, nach dem Zweiten Weltkrieg den Wiederaufbau zu fördern und in Zusammenarbeit mit dem IWF stabile Währungen zu schaffen. © ap
Seit den 1960er Jahren liegt ihre Hauptaufgabe in der Entwicklungshilfe. Schwerpunkte sind die Förderung von Infrastruktur, Privatwirtschaft und Umweltprojekten sowie der Kampf gegen Armut und Krankheiten. © dpa
Im Gegenzug zur europäischen Besetzung der IWF-Spitze wird die Weltbank traditionell von einem Amerikaner geleitet, ab 1. Juli 2012 führt Jim Yong Kim die internationale Finanzeinrichtung. © dpa

Denn sogar auf Export ausgerichteten Boombranchen klagen mittlerweile über immer knauserigere Banken, die ihnen kurzfristige Kredite zur Vorfinanzierung von Projekten verwehren. In den Chor stimmten zuletzt der Mittelstand der Metall- und Elektrobranche, der Verband der Chemischen Industrie und die im VDMA organisierten Maschinen- und Anlagenhersteller ein. Außerhalb Deutschlands sehen einige Beobachter bereits eine Kreditklemme.

Der Kredit hat eine Laufzeit von 1.134 Tagen. Allerdings haben die Banken die Möglichkeit, den Kredit nach einem Jahr abzulösen. Dass sie davon Gebrauch machen, halten Analysten für unwahrscheinlich. Dafür müssten die Zinsen weiter sinken und die langfristigen EZB-Leihen vom Sonderfall zur Gewohnheit werden.

Von Roman Keßler

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