Bierbrauer setzen nach La Ola auf Hitzewelle

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Umsatzrückgang für die Bierbrauer: Im ersten Halbjahr wurden 2,4 Prozent weniger Bier getrunken.

Wiesbaden - Katerstimmung macht sich unter Deutschlands Bierbrauern breit. Nicht einmal die Fußball-EM hat den Absatz des Gerstensafts ankurbeln können. Jetzt soll eine Hitzewelle helfen.

Höhere Preise lassen sich auch nicht durchsetzen. Bleibt die Hoffnung aufs Wetter.

Was Jogi Löws Kicker bei der Europameisterschaft nicht geschafft haben, soll nun der Wettergott richten. Die deutschen Bierbrauer hoffen nach erneut enttäuschenden Absatzzahlen für das erste Halbjahr auf einen heißen Restsommer, der den Durst auf Bier und verwandte Getränke noch einmal anheizt.

Die am Dienstag veröffentlichte Kunde aus Wiesbaden war für die vermeintliche Bier- und Fußballnation Deutschland wie das verlorene Halbfinale eine herbe Enttäuschung: Der ohnehin schon schwache Juni 2011 wurde trotz EM noch einmal um 2,9 Prozent beim Inlandsabsatz unterboten, wie das Statistische Bundesamt berichtete. Im ersten Halbjahr setzten die in Deutschland ansässigen Brauereien und Bierlager nur rund 48,2 Millionen Hektoliter Bier ab, das ist mit einem Minus von 2,4 Prozent der niedrigste Wert seit Beginn dieser Statistik im Jahr 1993.

Der Deutsche Brauerbund macht das miese Wetter für den schleppenden Absatz verantwortlich. Es bleibe der bestimmende Hauptfaktor für Bierverkäufe, erklärt Hauptgeschäftsführer Peter Hahn in Berlin. Die gute Bier- und Fußballlaune beim 'Public Viewing' während der EM habe die Regenwolken nur manchmal durchbrechen können.

Die besten Bier-Weltrekorde

Die besten Bier-Weltrekorde
Der Deutsche Thomas Brögelmann hat die größte Kronkorken-Sammlung. 2003 besaß der 36-Jährige nach rund neun Jahren etwa 127 500 Kronkorken. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Belgien ist die Nation mit den meisten Biersorten: Es gibt dort über 500! © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
145 430 Bierdeckel aus 160 Ländern sammelte Leo Pisker aus Österreich. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Die weltweit größte Auswahl an Biersorten gibt es angeblich in Darmstadt. Im Getränkemarkt der Brüder Maruhn lagern mehr als 1250 Sorten Bier aus 60 Ländern. © dpa
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2010 baute der Student Sven Goebel in rund drei Monaten aus 300 000 Bierdeckeln ein 12x7 Meter großes Haus auf. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Einen Bierdeckelturm von 9,7 Metern Höhe bauten Freunde aus dem Münsterland am 31. Dezember 1988 auf. Für den Turm (2,6 Meter Durchmesser) benötigten sie 42 432 Bierfilze. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Bis an die Decke stapeln sich die 12 200 verschiedenen Bierdosen bei Bernd Wolf in Freiberg in Sachsen. Seit über 30 Jahren sammelt er die bunten Blechbüchsen aus aller Welt und liegt dabei mit Dosen aus 145 Ländern nach eigenen Angaben an der Spitze der rund 150 aktiven Dosensammler in Deutschland. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Weltmeister im Bierfassheben ist Friedrich Konrad aus Österreich. Er packte 158 kg. © dpa
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666 Kilometer weit rollten 21 junge Männer aus Nuttlar 1981 in vier Tagen ein 50-Liter-Bierfass vor sich her. Im Bild: Die Bierfassroll-EM. © dpa
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Zu einem 9,65 Meter hohen Turm stapelte 1991 der Brite Philip Bruxe 38 Bierkästen und kraxelte dann hinauf. Den Rekord im Bau des höchsten Bierkistenturms wurde auf der Leipziger BaumaschinenMesse '94 aufgestellt. Aus 166 Bierkisten errichteten sie einen 44,84 Meter hohen Turm, der vier Sekunden frei und ohne Halterung stand. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Der schnellste Biertrinker kommt aus den USA: Steven Petrosino kippte am 22. Juni 1977 einen Liter Bier in sagenhaften 1,3 Sekunden in sich hinein. Einen weiteren "Speed-Drinking"-Rekord hält Peter G. Dowdeswell aus England. Der schaffte 1975 zwei Liter Bier in sechs Sekunden. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Die kleinste Bierflasche mit Bügelverschluß stellte 1992 eine Zürcher Brauerei vor. Die Miniflasche ist 11,5 cm hoch, hat einen Durchmesser von 4 cm und 40 ml Fassungsvermögen. © dpa
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300 Flaschen öffneten 2004 drei Brauereiangestellte aus der slowakischen Stadt Topolcany. Sie beötigten dazu 1 Minute und 17,7 Sekunden. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Die kleinste Bierflasche der Welt ist noch kleiner als die auf dem Bild. Der Kölner Stellmaszky bastelte eine, die mit 15,96 Millimetern so groß ist wie ein Pfennigstück. Fassungsvermögen: 0,05 ml. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Das größte Kronkorken-Mosaik der Welt ist so schwer wie zehn Kleinwagen, misst 50 mal 80 Meter und besteht aus über 4,6 Millionen Flaschendeckeln: Sieben Schüler holten den Titel 2011 nach Hessisch Lichtenau. © dpa
Die besten Bier-Weltrekorde
Das stärkste Bier der Welt kommt aus Franken. Der "Schorschbock" hat einen Alkoholwert von 43 Prozent. Eine 0,33-Liter-Flasche kostet 100 Euro. Platz 2: Das schottische "Sink the Bismarck" (41 Prozent Alkohol). © dpa
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Der längste Stammtisch entstand am 5. Juli 1992 in Bad Blankenburg (Thüringen) mit 3582 Metern Länge. 20 000 Gäste wurden bewirtet und 25 000 Liter Bier ausgeschenkt. 31 Brauereien und 15 Gaststätten und Vereine der Stadt waren an dieser Aktion beteiligt. © dpa
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2009 trank jeder Tscheche (im Bild: Ex-Präsident Vaclav Havel) statistisch gesehen 159,3 Liter. Europaweit ist das unübertroffen. Deutschland kommt auf Platz 2 (109,6 Liter), dicht gefolgt von Österreich (106,2 Liter). © dpa
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Am weitesten flog eine Bierflasche aus der Hand von Helmut Maskroskrowitsch aus Weißrussland im Jahre 1995: 82,3 Meter. © dpa
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Das womöglich teuerste Bier Deutschlands ist der Abts Trunk der Klosterbrauerei Irsee im Allgäu. Das Bier wurde zum 800. Jahrestag der Gründung des Klosters hergestellt. Vor 30 Jahren kostete die Halbliterflasche 23 Mark und die Literflasche 33 Mark. Inzwischen werden die Steingutgefäße auf Internet-Auktionen für über tausend Euro gehandelt. © dpa

Deutschlands Brauer hatten das Fußball-Ereignis schon vor dem Doppelschlag des italienischen Stürmers Balotelli abgehakt, sagt Niklas Other, Chefredakteur des Branchenblatts “Inside“. Die Begeisterung habe längst nicht so hohe Wellen geschlagen wie noch bei der Weltmeisterschaft 2010, so dass beispielsweise DFB-Sponsor Bitburger mit seiner Aktion “8 Kisten für ein Trikot“ deutlich hinter den Erwartungen geblieben sei. Die Brauerei sei auf Trikotbergen sitzengeblieben. Das Unternehmen wollte sich zu Absatz und Werbeaktionen im laufenden Geschäftsjahr nicht äußern.

Auch im Juli herrschte nur selten Biergarten-Wetter. Dabei gilt die Einrichtung 200 Jahre nach ihrer Erfindung als Hoffnungsträger der deutschen Wirte: 35 Prozent zusätzlichen Umsatz könnten die Sommergärten bringen, verspricht die Veltins-Brauerei ihren Gastronomen. Die haben in der Vergangenheit bereits mächtig aufgerüstet und die Zahl der Gärten innerhalb von zehn Jahren nahezu verdreifacht. In diesem Jahr schauen die meisten Wirte auf leere Tische und Bänke.

Im Einzelhandel stellt sich die Situation ein wenig positiver dar, berichtet Nielsen-Marktforscher Marcus Strobl. “Der Absatz ist stabil. Ich würde eher von einer Stagnation sprechen“, sagt der Frankfurter Marketing-Experte. An der Situation im Handel hat sich wenig geändert: Die Handelsketten setzen Bierkästen bekannter Marken dauerhaft als Lockvogel-Angebote ein und schärfen so den Preiswettbewerb zwischen den Brauereien.

Kisten vielbeworbener Premium-Biere werden gelegentlich zu Preisen deutlich unter 9 Euro in den Markt gedrückt und machen auch den einst so erfolgreichen Billigbieren das Leben schwerer: Nach “Inside“-Erhebungen hat Marktführer Oettinger im ersten Halbjahr 2,2 Prozent Absatz verloren, während die nachfolgenden, höherpreisigen Brauereien Krombacher, Bitburger, Hasseröder und Veltins sämtlich zulegten. Der Preisabstand sei einfach geringer geworden. Keine wachsende Rolle spielen laut Nielsen nach wie vor die Discounter, die Bier meist nur in Kunststoffflaschen im Billigsegment anbieten.

Langfristig besteht wegen der demografischen Entwicklung nur wenig Anlass zur Hoffnung auf wieder steigende Inlandsabsätze, sagt die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Wegen der niedrigen Geburtenraten sind junge Menschen ohnehin rarer als früher - und trinken auch noch weniger Bier als ihre Eltern es vielleicht mal getan haben. Der Brauerbund rechnet allein wegen des Alterungseffekts langfristig mit einem Absatzrückgang von zwei Prozent pro Jahr.

Selbst der vermeintliche Hoffnungsschimmer der Bier-Mixgetränke erweist sich bei genauerem Hinsehen als Schimäre: Der vom Bundesamt berichtete Zuwachs von 12,4 Prozent für die Limo-Bier-Mischungen erklärt sich zu einem guten Teil aus dem Umstand, dass Beck's erstmals die Mischungen getrennt ausgewiesen hat, wie in Wiesbaden bestätigt wurde. Auf die genaue Unterscheidung kam es zumindest fiskalisch bislang nicht an: Bier und Bier-Limo-Mischung fallen in die selbe Klasse der Biersteuer.

dpa

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