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Angst vor dem Blackout: Bayerische Stadt verteilt Vorsorge-Flyer für den Notfall

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Von: Patricia Huber

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Im Falle eines Blackouts steht das Leben erst einmal still. Um die Bürger auf diese Situation vorzubereiten, verteilt die Stadt Rosenheim nun Flyer mit Infos zur Vorsorge.

Rosenheim – Die fehlenden Gas-Lieferungen aus Russland könnten im Winter nicht nur für kalte Heizkörper sorgen. Auch die Stromversorgung in Deutschland ist dadurch womöglich gefährdet. So warnen Experten etwa davor, dass der verstärkte Einsatz von elektrische Heizlüftern zu einem Zusammenbruch des Stromnetzes führen könnte.

Was versteht man unter einem Blackout?

Ein Blackout ist ein länger andauernder, meist überregionaler Strom-, Infrastruktur- und Versorgungsausfall. Regionale Ausfälle können häufig nach Stunden behoben werden, überregionale Ausfälle erst nach einigen Tagen. Davon zu unterscheiden sind kurzzeitige technische Störungen (10 – 15 Minuten) in der Stromversorgung.

Blackout: Rosenheim verteilt „Ratgeber für die Eigenvorsorge“

Doch wie verhält man sich im Falle eines sogenannten Blackouts? Um die Bürger auf diese Notsituation vorzubereiten, hat die oberbayerische Stadt Rosenheim nun einen Info-Flyer mit dem Titel „Blackout – und dann? Ratgeber für die Eigenvorsorge“ erstellt. Dieser wird an alle Haushalte der Stadt verteilt. Darauf findet sich unter anderem eine Liste an Nahrungsmitteln und Gegenständen, welche man unbedingt auf Vorrat zu Hause haben sollte. „Planen Sie wie für einen 14-tägigen Campingurlaub in den eigenen vier Wänden“, heißt es auf dem Handzettel.

Zudem befinden sich auf dem Flyer allgemeine Informationen zum Blackout. Es wird erklärt, was ein Blackout ist, wie man ihn erkennt und welche Folgen er hat. Wie ernst die Stadt die Lage nimmt zeigt auch eine Aussage des Krisenvorsorgeexperten Herbert Saurugg. Er gehe „davon aus, dass es in den nächsten Jahren zu einem derartigen Ereignis kommen wird“, wird er in dem Flyer zitiert.

Wie realistisch ist ein Blackout-Szenario?

Aber ist die Lage wirklich so ernst? Tatsächlich warnt auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund befürchtet angesichts der Gas-Krise Stromausfälle im kommenden Winter. „Die Gefahr eines Blackouts ist gegeben“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Gerd Landsberg, der Welt am Sonntag.

Sowohl feindliche Hackerangriffe als auch „eine Überlastung des Stromnetzes – etwa wenn die 650.000 in diesem Jahr verkauften Heizlüfter ans Netz gehen, sollte die Gasversorgung ausfallen“, seien „realistische Szenarien“, sagte Landsberg der Zeitung. „Wir können flächendeckende Stromausfälle nicht ausschließen.“ Für diesen Fall sei Deutschland nicht ausreichend gerüstet. Die Bundesregierung habe die Lage zwar erkannt, handle aber nicht ausreichend. „Die Vorbereitung auf echte Krisensituationen muss viel intensiver behandelt werden“, forderte Landsberg. Deutschland müsse „den zivilen Katastrophenschutz viel intensiver ausbauen“.

Verbandschef warnt vor Blackout: „Sind in keiner Weise auf so ein Szenario vorbereitet“

Der Verbandschef rief jeden einzelnen Bürger auf, sich auf Krisensituationen vorzubereiten. „Ich plädiere dafür, die Empfehlung des Bundesamts für den Katastrophenschutz ernst zu nehmen, wonach Bürger für 14 Tage Wasser und Lebensmittel im Haus haben sollen“, sagte Landsberg. Leider folge kaum jemand dieser Empfehlung. Jeder Bürger müsse sich vor Augen führen, was passiert, wenn kein Strom mehr fließt. „Dann läuft kein Wasser, man kann nicht tanken, nach zwei Tagen kann man sein Handy nicht mehr laden“, führte Landsberg aus. „Wir sind in keiner Weise auf so ein Szenario vorbereitet.“

Doch es gibt auch Gegenstimmen. „Die Angst ist zu einem großen Teil Panikmache“, sagte Energieexperte Christoph Maurer vom Beratungsunternehmen Consentec gegenüber n-tv. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, sagte der Rheinischen Post: „Wir sollten jetzt nicht mit Panik reagieren, sondern mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung.“ Die Städte wollten 20 Prozent Gas einsparen. Wenn alle gemeinsam dieses Ziel verfolgten, sehe er eine gute Chance, ohne Blackout durch den Winter zu kommen. Zugleich müsse aber auch Vorsorge betrieben werden; Notstrom-Reserven seien notwendig. „Da tragen im Katastrophenschutz Länder und Kommunen gemeinsam Verantwortung“, sagte Dedy. (ph/dpa)

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