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Dingolfing, Regensburg und Co.: So bayrisch ist BMW

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BMW

München - Als dem Autohersteller die Münchner Heimat zu eng wurde, ging die Firma als Job- und Konjunkturmotor nach Niederbayern. Doch wie viel Bayern steckt eigentlich in BMW? Die tzstellt die Standorte vor.

Das Herz des Weltkonzerns BMW schlägt in Weiß und Blau. Nachdem das Werk und die Zentrale in München Mitte der 60er-Jahre aus allen Nähten platzten, wagte BMW den Schritt in die Provinz – und wurde dort zum Job- und Konjunkturmotor. In Dingolfing, Regensburg, Wackersdorf und Landshut sind 32.000 Menschen direkt bei BMW beschäftigt. Die tzstellt die Standorte vor und hat mit Niederbayerns IHK-Chef Walter Keilbart über die Bedeutung von BMW für die Region gesprochen.

Wie wichtig ist BMW für Niederbayern?

Walter Keilbart, Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern.

Walter Keilbart, Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern: Dafür muss man ein wenig in die Vergangenheit blicken. BMW ist ja 1967 durch die Übernahme der Firma Glas Automobile in unsere Region gekommen. Das war schon ein Kraftakt der besonderen Art und markierte für eine ländliche Region, die Niederbayern damals war, den Start ins Industriezeitalter. Die Folgen für die Region hätte sich damals wohl kaum jemand vorstellen können. Das geht weit über den Standort Dingolfing hinaus – einen der größten Produktionsstandorte weltweit. Das Werk in Landshut etwa ist zwar „nur“ ein Komponentenwerk, aber heutzutage auch ein Standort für Leichtbau und deshalb ganz wichtig in Sachen Forschungs- und Entwicklungskompetenz. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass in Dingolfing die großen 5er- und 7er-Modelle hergestellt werden, dann weiß man, dass mit Niederbayern auch ein Stück Technologieführerschaft innerhalb des Konzerns verbunden ist. Das ist eine sensationelle Entwicklung.

BMW hat also eine Schlüsselrolle beim wirtschaftlichen Aufschwung der Region gespielt …

Keilbart: Das steht außer Frage. Aber es ist nicht nur die Firma BMW, sondern auch die Zulieferbetriebe: Angefangen von Dräxlmaier über Mann+Hummel bis zu einer Firma Wallstabe & Schneider, die Spezialdichtungen herstellt, aber natürlich auch viele andere. Sie alle sind bei uns das Maß der Dinge geworden, auch mit Blick auf die Qualifikation der Mitarbeiter. Zwischen diesen Firmen gibt es ja einen regen Austausch, wobei man fairerweise sagen muss, dass viele in Richtung BMW wechseln – so ein Großkonzern verfügt natürlich über attraktive Modelle in Arbeitszeit und Entlohnung.

Wie viele Arbeitsplätze hängen in der Region an BMW?

Keilbart: Konkret lässt sich das natürlich schwer sagen. Zu den etwa 25.000 originär bei BMW Beschäftigten kommen etwa noch einmal so viele Arbeitskräfte dazu, die Teil der Wertschöpfungskette im Fahrzeugbau sind. Zugleich darf man nicht vergessen, dass die Region über eine große Zahl von anderen attraktiven Industrieunternehmen verfügt. Wir haben hier zum Beispiel einen Konzern wie ZF, der allerdings in Teilbereichen wieder Zulieferer von BMW ist. Grundsätzlich kann man sagen, dass viele Betriebe von BMW und deren Erfolg profitieren. Die führende Rolle im Beschäftigungssegment hat aber ganz klar BMW inne.

Wie stark prägt die Industrie mittlerweile Niederbayern?

Keilbart: Wir haben einen Anteil des produzierenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung von 42,1 Prozent. Im Bayernschnitt liegt er bei 34,3 Prozent. Wir reden immer von der schleichenden Deindustrialisierung, ich sehe da eher Verteilungsstrukturen in bestimmten Regionen. Bei uns ist die Industrie das Rückgrat der positiven Entwicklung. Das lässt sich auch daran ablesen, dass wir derzeit einen Beschäftigungshöchststand von 590.000 Erwerbspersonen verzeichnen. Seit dem Jahr 2000 haben wir somit über 60.000 Erwerbstätige neu hinzugewonnen.

BMW hat mehr als 700 Auszubildende im Stammwerk

Wie sehr wirkt BMW in die Fläche?

Keilbart: Sehr stark. Das kommt daher, dass sich einige der Zulieferer nicht in unmittelbarer Werksnähe befinden, sondern an der Donauschiene oder sogar bis in den Bayerischen Wald hinein. Außerdem dürfen wir die Pendlerbewegungen nicht unterschätzen. Die Landkreise Passau, Freyung-Grafenau, Regen und Deggendorf sind diejenigen mit den meisten BMW-Beschäftigten.

Welche Rolle spielt die Ausbildung?

Keilbart: Man beklagt ja häufig, dass die Großbetriebe nicht ausbilden würden, das stimmt nun wirklich nicht. Wir haben bei BMW regelmäßig mehr als 700 Auszubildende im Stammwerk Dingolfing. Die werden nicht nur auf BMW zugeschnitten ausgebildet. Fast jedes Jahr stellt BMW Bundesbeste, wenn es um die Prämierung der besten Auszubildenden in Deutschland geht.

Was erwarten Sie für die Zukunft?

Keilbart: Wir sind da zuversichtlich. Das Verteilzentrum in Wallersdorf soll bis zu 2000 Arbeitsplätze führen, das Ersatzteillager in Bruckberg ebenfalls. Das ist sensationell, BMW hat aktuell – zum Beispiel im Presswerk – einen mehrstelligen Millionenbetrag investiert. Diese Struktur rund um Dingolfing mit den Landshuter Komponenten und den Zuliefererbetrieben sichert die Region in einer guten Weise ab – da muss uns um die Zukunft nicht bange sein!

Landshut:

Gesamtgröße: 320.000 Quadratmeter
Beschäftigte: 3800, davon Auszubildende: 110
Produktion: Gusskomponenten, Kunststoffkomponenten, Elektrokomponenten, Ersatz- und Sondermotoren, Elektroantriebe

Das Komponentwerk Landshut liefert in die ganze Welt

Fahrzeuge baut BMW in seinem Landshuter Werk zwar nicht, trotzdem steckt in jedem BMW auch ein Stück Landshut: Denn hier steht das weltgrößte Komponentenwerk der BMW-Group. Die in Landshut gefertigten Komponenten werden weltweit an 30 BMW-Produktions- und Montagestätten in 14 Ländern geliefert. BMW hatte das Landshuter Werk bei der Übernahme von Glas Automobile 1967 mit übernommen. Mit seinem Innovations- und Technologiezentrum ist der Standort außerdem frühzeitig in die Entwicklungsprozesse neuer Fahrzeuge eingebunden.

Dingolfing:

Gesamtgröße: 2.820.000 Quadratmeter
Mitarbeiter: 17.500
Auszubildende: 800
Jahresproduktion: 360.804 Fahrzeuge
Automobile pro Tag: 1600; Modelle: BMW 3er Gran Turismo, BMW 4er Gran Coupé, BMW 5er Limousine und Touring, BMW 5er Gran Turismo, BMW M5, BMW Active Hybrid 5, BMW 6er Coupé und Cabrio, BMW 6er Gran Coupé, BMW M6 Coupé, BMW M6 Cabrio, BMW M6 Gran Coupé, BMW Active Hybrid 7, BMW 7er, Rolls-Royce Phantom, Ghost und Wraith (Karosserie)

Dieser Standort hat fast noch mehr Tradition als das Münchner BMW-Stammwerk! Die Geschichte des Werks begann im Dezember 1907. Damals reichte der Maschinenfabrikant Andreas Glas die Baupläne für die Errichtung einer Fabrikanlage in Dingolfing ein. Anfangs wurden hier Landmaschinen hergestellt, nach dem 2. Weltkrieg das legendäre Goggomobil (Foto links unten). Doch Glas geriet in Schieflage, zum 1. November 1967 übernahm BMW die Firma Glas für 9,1 Millionen D-Mark. In der Zwischenzeit ist das Werk zur größten BMW-Produktionsstätte geworden.

Wackersdorf:

Gesamtfläche: 55 ha
Mitarbeiter:2000 Mitarbeiter
Produktion: Cockpits, Steuerung der Teileversorgung der ausländischen BMW Werke, Verpackung der Fahrzeugteile zum Versand in diese Werke, Produktionsschirtte bei der CFK-Produktion.

Eigentlich hätte hier, im Herzen der Oberpfalz, die atomare Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf stehen sollen. Statt dessen befindet sich auf dem ehemaligen WAA-Gelände der Innovationspark Wackersdorf – seit über 26 Jahren engagiert sich BMWvor Ort. Neben BMW sind hier weitere Firmen ansässig, die eng mit dem Hersteller zusammen arbeiten. BMW fertigt am Standort nicht nur Cockpits, sondern steuert die Teileversorgung der ausländischen BMW Werke und verpackt Fahrzeugteile zum Versand in diese Werke.

Regensburg:

Gesamtfläche: ca. 140 Hektar
Mitarbeiter: 9000
Auszubildende: über 300
Tagesproduktion: über 1100 pro Tag
Jahresproduktion: 304.509 Fahrzeuge; Modelle: BMW 1er (3-Türer, 5-Türer), BMW 2er Gran Tourer, BMW X1, BMW 3er Limousine, BMW M3 Limousine, BMW 4er Cabrio, BMW M4 Cabrio, BMW Z4

Ein Riesen-Erfolg ist der Grund für die Entscheidung, nach Regensburg zu gehen. Die 3er Serie verkaufte sich so gut, dass BMW ein weiteres Werk benötigte. 1982 fiel die Entscheidung für den Standort, 1984 legt Franz Josef Strauß den Grundstein und 1986 startete nach die Produktion. Vier Jahre später folgte die Karosseriefertigung. Im vergangenen Jahr feierten die Regensburger das 6 Millionste produzierte Auto! Das Regensburger Werk hat sich in den vergangenen Jahren vor allem als ein Standort für die kompakteren Modelle des Herstellers etabliert, etwa den 1er und den X1.

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Marc Kniepkamp

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