4500 Mitarbeiter legten Arbeit nieder

BMW-Streik: 100 Minuten Ausstand, 100 Autos weniger

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Alle Mitarbeiter haben sich auf dem Gelände versammelt.

München - Aufstand bei Münchens Vorzeige-Autobauer BMW! Am Montagmorgen haben 4500 Mitarbeiter ihre Arbeit niedergelegt. Von 9.20 Uhr bis 11 Uhr ging nichts mehr an den Bändern.

Produktion und Werk standen komplett still. Mit weitreichenden Folgen: „In dieser Zeit werden normalerweise rund 100 Autos produziert“, sagt Münchens IG-Metall-Chef und BMW-Aufsichtsrat Horst Lischka. Die Gewerkschaft kündigt weitere Streiks im Münchner Raum an.

Die IG Metall hat im laufenden Tarifstreit bayernweit 22 Betriebe zu Warnstreiks aufgerufen – unter anderem auch MAN in Augsburg. Ihre Forderung: 5,5 Prozent mehr Lohn und andere Regelungen für Altersteilzeit und Weiterbildung. Die Arbeitgeber bieten bislang 2,2 Prozent mehr Gehalt.

Bei BMW freute sich der Betriebsrat über die rege Teilnahme – auch wenn das Unternehmen selbst von deutlich weniger Beteiligten als 4500 spricht. „Die Teilnehmerzahl ist überraschend hoch“, sagte Erwin Thoma von BMW. „Das zeigt, dass die Belegschaft hinter der Gewerkschaft steht.“ Neben den klassischen Spruchbändern hatten viele seiner Kollegen auch Schultüten mitgebracht. „Die kamen von unserer Jugend. Sie fordern damit, dass der Arbeitgeber Weiterqualifizierungen mitbezahlt.“

Man habe die Demonstration bewusst nur auf dem Werksgelände abgehalten, sagt Lischka von der IG Metall. „Das war die Gelbe ­Karte. Wenn wir am Montag bei den Verhandlungen in Aschaffenburg kein besseres Angebot bekommen, dann zeigen wir die Rote Karte und gehen auf die Straße.“

BMW bemüht sich schon jetzt um Schadensbegrenzung. Ein Sprecher sagt der tz: „Wir gehen davon aus, dass wir den Produktionsverlust im Laufe des Jahres wieder reinholen, sodass kein Kunde auf sein Auto warten muss.“

Zwei BMW-Mitarbeiter bei der Demo.

Aber diese Streiks waren nur der Anfang: Am heutigen Mittwoch ruft die Gewerkschaft landesweit Zehntausende Beschäftigte zu Aktionen auf. Ein Schwerpunkt soll in München liegen, etwa bei Krauss Maffei, bei Siemens im Stadtteil Allach, bei MTU Aero Engines oder im BMW-Forschungszentrum. Bayern ist mit 780 000 Beschäftigten nach Baden-Württemberg der zweitgrößte Tarifbezirk. Lischka: „Wir werden den Druck immer weiter erhöhen.“

„Das ist harte Arbeit“

Streik bei BMW: Die tz hat mit Horst Lischka gesprochen, Chef von IG Metall München.

Herr Lischka, Sie waren heute bei der Demo nicht erwünscht …

Horst Lischka: Das ist ein Skandal. Die Personalabteilung, die so etwas wie der BMW-interne Rechts­anwalt ist, hat einen Erlass herausgegeben, wonach IG-Metall-Funktionäre nicht aufs Gelände dürfen. Wir sind trotzdem reingegangen.

Warum brauchen die Metaller 5,5 Prozent mehr Lohn?

Horst Lischka: Ein Montagearbeiter arbeitet im Zwei-Schicht-Betrieb zwischen 5.50 Uhr und 23 Uhr. Das sind hart arbeitende Menschen, die am Tag 950 Autos produzieren. Dafür erhalten sie gerade mal 3161 Euro brutto.

Ein zweites Thema ist die Altersteilzeit …

Horst Lischka: Ja, bislang konnten sie vier Prozent der Belegschaft in Anspruch nehmen. Die Arbeitgeber wollen das auf zwei Prozent reduzieren. Aber nicht mit uns.

Nina Bautz

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