Bundesbank: Gewinn bricht ein

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Der Gewinn der Bundesbank ist zurückgegangen.

Frankfurt/Main - Die Bundesbank geht wegen der Euro-Krise unfreiwillig immer höhere Risiken ein, ihr Gewinn dagegen schmilzt. Wer von dem erwirtschafteten Geld profitiert:

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die deutsche Notenbank ein Plus von 643 Millionen Euro, wie Bundesbankpräsident Jens Weidmann am Dienstag in Frankfurt am Main erklärte. Ein Jahr zuvor waren es rund 2,2 Milliarden Euro. Das Geld fließt in den Bundeshaushalt. Die Risiken in Form von Forderungen an die Europartner stiegen dagegen zuletzt dramatisch an und liegen mittlerweile bei 547 Milliarden Euro.

Notenbanker sprechen bei diesen Forderungen von Target-2-Salden, die dadurch entstehen, dass mehr Geld von stabilen Euro-Ländern in die Krisenstaaten in Südeuropa fließt als zurück. Ende 2011 betrug die Summe noch 463 Milliarden Euro. Falls der Euro-Raum zerbricht, ist es fraglich, ob die Bundesbank das verliehene Geld zurückbekommt.

Krisenhelfer IWF und Weltbank: Was machen die eigentlich?

Der IWF wurde 1944 zusammen mit der Weltbank in Bretton Woods ( USA) gegründet. Ziel war es, nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Weltwirtschaftssystem mit stabilen Wechselkursen einzuführen. Die Zusammenarbeit in der Währungspolitik und im internationalen Zahlungsverkehr sollte gefördert werden. © dpa
Die Finanzhilfen des IWF sind meist an strenge Auflagen geknüpft - etwa an die Sanierung des Staatshaushalts. © dpa
Der Internationale Währungsfonds ( IWF) ist in der weltweiten Finanzkrise zu einem der wichtigsten Krisenhelfer aufgestiegen. © dpa
Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen greift ein, wenn Staaten Finanzschwierigkeiten haben oder ihnen der Bankrott droht. Der IWF hilft den Mitgliedsländern dann mit Krediten. © dpa
Chef des IWF ist in der Regel ein Europäer. Aktuell wird er von der früheren französischen Finanzministerin Christine Lagarde gelenkt, die nach dem Rücktritt des Franzosen Dominique Strauss-Kahn an die IWF-Spitze rückte. © ap
Der spätere Bundespräsident Horst Köhler war von 2000 bis 2004 IWF-Chef. Zunehmend drängen aber auch Schwellenländer darauf, den Topposten zu stellen. © dpa
Die Quote bestimmt auch das Mitspracherecht. Der Einfluss aufstrebender Schwellenländer - etwa Chinas oder Indiens - beim IWF wurde zuletzt mit einer Stimmrechts- und Quotenreform erhöht. © dpa
Die Kapitaleinlagen (Quoten) der mittlerweile 187 Mitgliedsländer richten sich unter anderem nach der Stärke ihrer Volkswirtschaft. © dpa
Gerade in der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise spielt der IWF eine wichtige Rolle. Zusammen mit den Europäern schnürte der Währungsfonds Milliarden-Rettungspakete für die Schuldensünder Griechenland, Irland und Portugal. © dpa
Die Weltbank steht nicht ganz so stark im Licht der Öffentlichkeit wie der IWF. Ursprünglich war ihr Ziel, nach dem Zweiten Weltkrieg den Wiederaufbau zu fördern und in Zusammenarbeit mit dem IWF stabile Währungen zu schaffen. © ap
Seit den 1960er Jahren liegt ihre Hauptaufgabe in der Entwicklungshilfe. Schwerpunkte sind die Förderung von Infrastruktur, Privatwirtschaft und Umweltprojekten sowie der Kampf gegen Armut und Krankheiten. © dpa
Im Gegenzug zur europäischen Besetzung der IWF-Spitze wird die Weltbank traditionell von einem Amerikaner geleitet, ab 1. Juli 2012 führt Jim Yong Kim die internationale Finanzeinrichtung. © dpa

“Das spielt für unsere Bilanz allerdings keine Rolle, weil wir natürlich davon ausgehen, dass die Währungsunion in ihrer jetzigen Form fortbesteht“, sagte Weidmann. Dennoch ergebe sich ein hypothetisches Risiko. Das Ungleichgewicht sei ein “Symptom der Euro-Krise“, das aber zurückgehen werde, sobald sich die Währungsunion von den gegenwärtigen Schwierigkeiten erholt habe.

Die Bundesbank traf in ihrer Bilanz für 2011 aber schon Vorsorge für den Fall, dass sie infolge der Krise einen Teil ihres verliehenen Geldes verliert. Dabei geht es Weidmann zufolge vor allem um die Staatsanleihen, die die Europäische Zentralbank (EZB) in den vergangenen zwei Jahren massenhaft aufkaufte, und um die Kredite an Banken, sogenannte Refinanzierungsgeschäfte.

Die Ausfallrisiken hätten sich “deutlich erhöht“, sagte der Bundesbankpräsident. An jedem Euro, den die EZB verliert, ist die Bundesbank zu gut einem Viertel beteiligt. Die Rückstellungen für Risiken seien um 4,1 Milliarden auf 7,7 Milliarden Euro erhöht worden.

Höhere Zinsgewinne verhindern Verlust

Ein Anstieg der Nettozinserträge um 1,2 Milliarden auf 4,8 Milliarden Euro bewahrte die Bundesbank vor einem Verlust. “Ursächlich für den Anstieg der Zinserträge sind die im Jahresdurchschnitt höheren Leitzinsen im Eurosystem und die gestiegenen Bestände von Wertpapieren in Euro“, sagte Weidmann.

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft hätten sich aber zuletzt deutlich aufgehellt. Der Arbeitsmarkt werde sich weiter beleben. Wenn sich der Rohölpreis stabilisiere, werde im Jahresverlauf auch der Anstieg der Verbraucherpreise nachlassen.

Weidmann: Bin nicht isoliert

Zuletzt wurde Weidmann, der nicht müde wird, die Euro-Staaten zum Sparen aufzufordern, als Einzelkämpfer im Rat der EZB porträtiert. Dieser Darstellung trat er entgegen. “Ich fühle mich im EZB-Rat nicht isoliert“, sagte der Bundesbankpräsident. Seine Ansichten würden in dem Gremium in unterschiedlichen Konstellationen offen diskutiert.

Das Verhältnis zu EZB-Präsident Mario Draghi sei ebenfalls nicht schlecht. Die Zusammenarbeit mit dem Italiener sei “durchaus konstruktiv“, das persönliche Verhältnis sogar “sehr positiv“, sagte Weidmann. “Wir respektieren unsere Ansichten.“

dapd

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