Anbieterwechsel kann helfen

Strom: Netzagentur rät zu Preisvergleich

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Wer die Preise der Stromanbieter vergleicht, könnte auf Sparpotenzial stoßen.

Bonn - Noch immer verharren fast 40 Prozent der Verbraucher in besonders teuren Tarifen. Dabei könnte ein Wechsel des Anbieters helfen.

Angesichts der Welle von Strompreiserhöhungen zum Jahreswechsel drängt die Bundesnetzagentur die Verbraucher, einen Wechsel ihres Versorgers in Erwägung zu ziehen. Alle Verbraucher sollten „prüfen, ob nicht günstigere Angebote verfügbar sind“, sagte der Präsident der Aufsichtsbehörde, Jochen Homann, am Dienstag in Bonn.

Er beklagte, nach wie vor verharrten knapp 40 Prozent aller Haushaltskunden in der Grundversorgung ihres traditionellen Anbieters. Dabei sei dies nach wie vor die teuerste Art, Strom zu beziehen. Auch der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, forderte die Verbraucher auf, von den Wechselmöglichkeiten mehr Gebrauch zu machen, „einerseits um Geld zu sparen, andererseits aber auch, um den Wettbewerbsdruck auf die Versorger zu erhöhen“.

Wie sicher ist unsere Stromversorgung? Fragen & Antworten

Der Bericht der Bundesnetzagentur zur Lage der Stromnetze löst Sorgen aus. Die Zahl der Eingriffe in die Netze habe sich mehr als verdreifacht. Die Lage sei „kritisch“, heißt es darin. Doch was bedeutet das? © dpa
Ein europaweiter Stromausfall wie zuletzt 2006 nach der Abschaltung einer Starkstromleitung für ein Kreuzfahrtschiff an der Ems ist der Alptraum jedes Netzplaners. Damals saßen rund zehn Millionen Menschen im Dunkeln, es gab Chaos, Überfälle, steckengebliebene Aufzüge und hohen Schaden. Wenn nun die Bundesnetzagentur vor einer „kritischen Lage“ für die deutschen Netze warnt, löst das Sorgen aus. © dpa
Wie kommt es eigentlich zu einem Netzausfall? © dpa
Kleinere Netzausfälle zum Beispiel durch Vögel in Hochspannungsleitungen oder technische Störungen gehören zum Alltag der Stromversorgung. Der Bericht der Bundesnetzagentur spricht von fast 207 000 Unterbrechungen über drei Minuten Länge im vergangenen Jahr. Sie stellen aber meist keine größere Gefahr dar. © dapd
Wie reagieren die Netzbetreiber? © dapd
Die Netzbetreiber leiten Strom um, wenn er an bestimmten Stellen fehlt, rufen Reserveleistung ab und schalten bei größeren Störungen Kraftwerke ganz oder teilweise an und ab. Dabei helfen Computerprogramme. Der größte deutsche Hochspannungsnetzbetreiber Amprion hat seine rund 11 000 Kilometer Netz zum Beispiel in 1031 Teile zerlegt. Alle 15 Minuten erfasst der Rechner für diese Netzabschnitte Störungen und Reaktionsmöglichkeiten. © dpa
Sind Eingriffe in die Netze also gefährlich? © dpa
Prinzipiell nicht. Das ist Alltag in den Netzzentralen. Allerdings ist dieser Alltag deutlich stressiger geworden, berichten Fachleute. Die Eingriffe seien wesentlich häufiger, umfangreicher und es habe auch mehr kritische Situationen gegeben. © dpa
Was verstehen Netzbetreiber denn unter kritisch? © dpa
Wenn die schnell bereitstehende Primär- und Sekundärleistung nicht ausreicht und auch die sogenannte Minutenenergie, die innerhalb von 15 Minuten aktivierbar ist, das Problem nicht löst, müssen ganze Reservekraftwerke hochgefahren werden. Das Überschreiten der Minutenreserve sei bereits kritisch, sagte ein Amprion-Sprecher. Richtig schwierig wird es, wenn das Netz durch weitere negative Faktoren an die Kapazitätsgrenze gerät, wie zuletzt bei eisigen Temperaturen im Februar dieses Jahres. © dpa
Wie groß ist eigentlich der Sicherheitsspielraum der Netze? © dpa
Dazu äußern die Betreiber sich ungern, da Störungen ja jederzeit lokal von einer überlasteten Leitung entstehen und sich blitzschnell ausbreiten können, wie das Beispiel des Ems-Blackouts zeigt. Als Richtwert gilt aber 130 Prozent Belastbarkeit - also 30 Prozent Sicherheitspuffer. © dpa
Und wo und wann ist es besonders gefährlich? © dpa
Zwischen 18.00 und 22.00 Uhr, wenn der Stromverbrauch am höchsten ist, die Sonne nicht mehr scheint und der Wind meist abflaut. Regional ist nach der Abschaltung der Atomkraftwerke Süddeutschland die kritische Region. Wenn dort abends hohe Verbräuche entstehen, kann es zu Einbrüchen kommen. © dpa
Aber das müsste man doch vorhersagen können? © dpa
In den meisten Fällen ja. Die Stromtransporte des Folgetages müssen bis 14.00 Uhr angemeldet werden. Da zeichnen Engpässe sich in der Regel ab. Aber plötzliche Leitungsstörungen können trotzdem immer passieren. © dpa
Was ist jetzt mit unserer Versorgungssicherheit? © dpa
Die Netzbetreiber haben sich bereits mehr „Kaltreserve“ an zusätzlicher Kraftwerkskapazität in Süddeutschland und in Österreich gesichert, als nach den Berechnungen nötig sein wird. Doch absolute Sicherheit gibt es nicht und das Black-Out-Risiko ist durch die Energiewende eindeutig gewachsen. © dpa

Nach einer Marktübersicht des Verbraucherportals Verivox werden zum Jahreswechsel 614 Stromversorger in Deutschland ihre Preise erhöhen - durchschnittlich um zwölf Prozent. Für einen Musterhaushalt mit einem Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden bedeute dies eine zusätzliche Belastung von rund 120 Euro pro Jahr.

Dass es hier noch beträchtliche Einsparpotenziale gibt, zeigt der gemeinsam von den Aufsichtsbehörden vorgelegte „Monitoringbericht 2012“. Danach beziehen nach wie vor gut vier von fünf Haushaltskunden ihren Strom vom regionalen Grundversorger. Fast die Hälfte von ihnen zahlt sogar noch den besonders teueren Grundversorgungstarif.

Trotz Energiewende nur wenig Stromausfälle im Jahr 2011

Doch nimmt der Wettbewerb allmählich an Fahrt auf. Im vergangenen Jahr wechselten dem Bericht zufolge 3,8 Millionen Endverbraucher den Stromlieferanten, 27 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Über 1,2 Millionen Kunden wechselten den Gaslieferanten, ein Plus von rund 40 Prozent.

Auch nach der Stilllegung von acht alten Kernkraftwerken im Zuge der Energiewende erwies sich das deutsche Stromnetz 2011 dem „Monitoringbericht“ zufolge mit einer durchschnittlichen Unterbrechungsdauer von 15,3 Minuten pro Kunde im Jahr als sehr zuverlässig. Dieser Wert liegt nur geringfügig über dem Vorjahr und unter dem langjährigen Mittel.

Doch stieg die Zahl der kritischen Netzsituationen deutlich, in denen zur Stabilisierung des Netzes Kraftwerke unplanmäßig abgeschaltet oder angeworfen werden mussten. Für Homann und Mundt ist dies ein Warnsignal. „Es besteht ein hoher Bedarf für den Ausbau des Stromleitungsnetzes, vor allem des Übertragungsnetzes. Gemessen an dem starken Zubau der erneuerbaren Energien schreitet der Netzausbau nur äußerst langsam voran, wichtige Netzausbauprojekte haben erheblichen Zeitverzug“, warnten sie im Vorwort des „Monitoringberichts“.

dapd

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