Angestellte streiken für Tarifverträge

Chaos vor Weihnachten: Was ist los bei Amazon?

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Amazon ist der größte Versandhändler der Welt. Das US-Unternehmen wehrt sich gegen Tarifverträge in seinen deutschen Niederlassungen. Kleines Foto: Mitarbeiter streikten am Montag unter anderem im hessischen Bad Hersfeld.

München - Wenn Ihre bei Amazon bestellten Weihnachtsgeschenke ein wenig später kommen sollten: bitte nicht wundern. Die Mitarbeiter streiken und kämpfen um mehr Lohn.

In einem Teil der deutschlandweit zehn Niederlassungen kämpfen die Mitarbeiter mit Streiks um ordentliche Tarifverträge und mehr Lohn. Doch der weltgrößte Versandhändler will mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nicht verhandeln. Argument: Tarifverträge passen nicht zur (amerikanischen) Unternehmenskultur. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu:

Wie viele Mitarbeiter sind betroffen?

Deutschlandweit beschäftigt Amazon nach Gewerkschaftsangaben rund 9000 Mitarbeiter.

Wie sieht der Arbeitskampf aus?

Bereits seit Wochen kommt es immer wieder zu Streiks – vor allem bei den ältesten Niederlassungen in Bad Hersfeld und Leipzig. Hier nahmen mehrere Hundert Mitarbeiter teil.

Warum wird gerade hier gestreikt?

Hier arbeiten besonders viele Mitarbeiter mit unbefristeten Verträgen. Sie sind eher bereit zum Arbeitskampf als Mitarbeiter, die um die Verlängerung des Vertrages kämpfen müssen.

Worum geht es?

Verdi-Sprecherin Christiane Scheller zur tz: „Die Mitarbeiter wollen endlich einen Tarifvertrag mit Weihnachts- und Urlaubsgeld. Es geht aber auch um die Arbeitsbedingungen, wie hoher Arbeitsdruck und die Überwachung am Arbeitsplatz.“

Nach welchem Tarif bezahlt Amazon derzeit?

Nach gar keinem Tarif. Amazon behauptet, sich am Tarif des Transportgewerbes zu orientieren, was Verdi bestreitet. Scheller: „Zum einen ist das Unternehmen keine Spedition, sondern ein Versandhandel“, sagt Scheller. Zum anderen wäre der Lohn auch nach Speditionstarif zu niedrig.

Wie hoch ist der Stundenlohn derzeit?

Er liegt bei 9,83 Euro brutto pro Stunde - nur in der Nähe des Speditionstarifs. Als Hilfsarbeiter wären es stattdessen 11,69 Euro nach Handels- und Versandtarif und 12,18 Euro als Packer, weiß der hessische Verdi-Sekretär Heiner Reimann. Außerdem stünde den Mitarbeitern, so Reimann, ein Weihnachts- und ein Urlaubsgeld von 1250 bzw. 1000 Euro zu. Reimann: „Derzeit zahlt Amazon 400 Euro Urlaubsgeld freiwillig. Weihnachtsgeld lehnt das Unternehmen ab. Das passe nicht zur amerikanischen Gehaltskultur. Immerhin sind aber die Gehälter durch unseren eineinhalbjährigen Arbeitskampf um 17 Prozent gestiegen.“

Wie geht es weiter?

Während des Weihnachtsgeschäfts soll weiter gestreikt werden. „Am Montag hat auch der Standort Graben bei Augsburg die Voraussetzungen für den Arbeitskampf beschlossen“, sagt Reimann

Wie reagiert Amazon auf den Arbeitskampf?

Gar nicht. Für die tz war die Pressestelle am Montag nicht erreichbar. Amazon-Logistik-Chef Dave Clark, ein US-Amerikaner, erklärte aber der Welt: „Verdi ist nicht Teil unserer Beziehung, deswegen verwende ich nicht viel Zeit für sie. Amazon pflegt stattdessen „eine direkte Beziehung mit unseren Leuten durch Betriebsräte und Mitarbeiterforen. Warum sollten wir uns von jemandem zur Zusammenarbeit erpressen lassen, der damit droht, das Weihnachtsfest für Kinder zu ruinieren?“

KHD

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