DWD geht auf Alarmstufe Rot: Amtliche Unwetterwarnung vor schwerem Gewitter in Bayern

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Interview

„Zentralbank wird die Zinsen weiter senken“ - der Chefvolkswirt der BayernLB über Konjunktur, Krisen und Klima

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Erwartet unkonventionelle Maßnahmen wie zum Beispiel Helikoptergeld: Jürgen Michels, Chefvolkswirt der BayernLB.

Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland nähert sich seinem Ende. Chefvolkswirte, Unternehmen und auch die Bundesregierung schrauben nach und nach ihre Erwartungen zurück. Warum sich jetzt die Krisenzeichen mehren, ob die Menschen sich wieder Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen müssen und ob Sparer irgendwann wieder mit Zinsen rechnen können – darüber sprachen wir mit Jürgen Michels, dem Chefvolkswirt der BayernLB.

Nach Jahren der Zuversicht beginnen nach Umfragen die Menschen in Deutschland wieder, sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz zu machen. Zu Recht?

Ja, zumindest in einigen Branchen. Wir haben viele Jahre eines wirtschaftlichen Aufschwungs hinter uns, der Höhepunkt war das Jahr 2017. Seitdem sind wir mehr oder weniger in einer Phase einer synchronen globalen Abkühlung. In den USA ist diese Entwicklung im vergangenen Jahr noch durch die Steuersenkungen von Präsident Trump aufgehalten worden, doch dieser Effekt läuft aus.

Glauben Sie, dass es zu einer Rezession kommt?

Nein, das ginge zu weit. Es gibt zwar viele Entwicklungen, die unwägbar sind: Der Handelskonflikt, diverse geopolitische Krisen – Stichwort Iran – und nicht zu unterschätzen: der Brexit. Auf der anderen Seite haben die Notenbanken diesmal sehr früh reagiert. Die amerikanische Fed hat eine Kehrtwende vollzogen, als alle noch auf Zinserhöhungen spekuliert haben. Auch China hat im Handelskrieg mit den USA Maßnahmen ergriffen, um seine Wirtschaft zu stärken, zum Beispiel eine Mehrwertsteuersenkung. Solche Dinge lassen hoffen, dass sich die latenten Krisen nicht manifestieren. Das Problem ist nur, dass es im nächsten Jahr schwierig wird, wieder Fahrt aufzunehmen, denn man hat viel von seiner Munition bereits verschossen.

Also doch eine Rezession im nächsten Jahr?

Keine Rezession, aber wir haben unsere Wachstumsprognosen in den letzten Monaten erheblich reduziert. Für Deutschland auf nur noch 0,7 Prozent. Das ist deutlich weniger als momentan Konsens ist.

US-Präsident Trump setzt im Kampf gegen die Wachstumsschwäche auf die Notenbank. Die Fed soll die Zinsen noch schneller und noch weiter senken. Hat er Recht?

Es stehen Wahlen an, die Trump nur gewinnen kann, wenn er ordentliche Zahlen vom Arbeitsmarkt vorweisen kann. Dem läuft zuwider, dass alles, was er auf der handelspolitischen Seite tut, wachstumsschädlich ist. Deshalb sucht er einen Ausputzer. Die Fed wird da nicht so ohne Weiteres mitmachen, aber sie hat ein Mandat. Sie muss gegensteuern, wenn sich die wirtschaftliche Lage eintrübt und die Inflationsrate es erlaubt. Deshalb erwarten wir, dass die Fed mit drei Zinssenkungen aufwarten wird, zwei davon noch in diesem Jahr, und zwar im September und im Dezember. Damit sollte man eine gewisse Stabilisierung hinbekommen.

Dabei läuft die US-Notenbank Gefahr, den Eindruck zu erwecken, sie reagiere auf politische Druck.

Das ist natürlich immer gefährlich. Noch gefährlicher ist aber, deswegen etwas nicht zu tun, was notwendig ist. Aber es stimmt schon, Trump bringt die Fed in die Bredouille. Andererseits kann er es sich auf seine Fahne schreiben, wenn die Notenbanker am Ende machen, was er gefordert hat.

Welche Auswirkung hat das auf den Euro?

Die Dekade, in der der Euro gegenüber dem Dollar geschwächelt hat, geht vorbei. Dies wird durch die Zinssenkungen in den USA beschleunigt. Zudem haben die Chinesen im Handelskrieg begonnen, ihre Währung gegenüber den Amerikanern zu schwächen, weil sie dort wettbewerbsfähig bleiben wollen. Ein doppelter Effekt für den Euro.

Das heißt, unser Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr so gut.

Genau, der billige Euro als Antrieb wird an Kraft verlieren. Die EZB wird aber gegensteuern, damit der Euro nicht zu stark wird.

Die Europäische Zentralbank hat mit Zinsen bei Null ihr Pulver aber schon weitgehend verschossen.

Ich glaube nicht, dass die EZB ihr Pulver schon verschossen hat. Sie hat schon noch Möglichkeiten, einzugreifen und ist auch bereit, das zu tun.

Was denn? Die Anleihenkäufe wieder aufnehmen?

Dies wäre eine Möglichkeit, aber derzeit nicht die präferierte. Die EZB dürfte versuchen, die Zinsen weiter zu senken. Dies geht aber nur, wenn die belastenden Auswirkungen der Negativzinsen auf die Überschussliquidität der Banken, also der Strafzins, entzerrt werden.

Wie weit kann die EZB die Zinsen senken?

Wir erwarten eine kleine Absenkung des Einlagesatzes auf minus 0,5 Prozent im September, dem ein weiterer Schritt im Dezember, auf dann minus 0,75 Prozent, folgen dürfte.

Was ist mit der Politik? Muss die Große Koalition nicht auch etwas beitragen? Zum Beispiel Unternehmenssteuersenkungen?

Solange wir keine Rezession haben, sind große Konjunkturprogramme schwierig. Aber es wäre sinnvoll, die niedrigen Zinsen zu nutzen, um Investitionen in eine zukunftstaugliche Infrastruktur zu tätigen. Da steht jede Menge an. Zum Beispiel im Bereich Breitbandausbau oder der Sanierung von Brücken und Autobahnen. Es gibt da aber momentan ein Problem: Das funktioniert nicht, weil es an Fachleuten mangelt und die Unternehmen keine Kapazitäten freihaben. Ein Dilemma für die Politik.

Wann glauben Sie, werden Anleger wieder positive Zinsen sehen?

Die Inflation ist für mich noch nicht ganz tot. Aber die nächsten fünf Jahren werden wir uns um das Null-Niveau herum bewegen.

Wer Geld anzulegen hat, sollte also in den Aktienmarkt gehen?

Durch die Zinssenkungen, die anstehen, werden wir noch einmal eine Unterstützung für den Aktienmarkt sehen. Vielleicht reicht es sogar für einen neuen Höchststand im Dax. Aber wir gehen auch von einer schwächeren konjunkturelleren Entwicklung im nächsten Jahr aus, und das tangiert natürlich auch die Unternehmensgewinne. Deshalb wäre ich in den nächsten sechs bis 12 Monaten vorsichtig mit einer Übergewichtung von Aktien. Einfach, weil die fundamentalen Daten das nicht hergeben. Aber für eine langfristige Anlage kommt man an Aktien kaum vorbei, da kann man vielleicht Rücksetzer in der nächsten Zeit zum Einstieg nutzen. Es ist ja so: Die Zentralbank ist bemüht, die Show am Laufen zu halten. Wenn wir tatsächlich in eine Rezession kommen, wird sie zu Modellen greifen, die uns heute noch unvorstellbar erscheinen. Zum Beispiel Helikoptergeld, das einfach so verteilt wird. Wir konnten uns vor fünf Jahren ja auch noch nicht vorstellen, dass es negative Zinsen gibt.

Stichwort Klimaschutz: Welches ist die richtige Art, CO2Ausstoß zu bepreisen? Die CO2-Steuer oder der Handel mit Verschmutzungsrechten?

Die Überlegung mit den Verschmutzungsrechten ist erst mal gut, weil man auf diese Weise Innovationen fördert. Man hat in der Vergangenheit nur den Fehler gemacht, zu viele dieser Zertifikate auszugeben. Deshalb war die Lenkungswirkung recht gering. Man ist jetzt dabei, das zurückzufahren, doch das Instrument bleibt schwer zu steuern. Das Problem bei der CO2-Steuer ist, wie man sie einigermaßen sozialverträglich hinbekommt. Wer wenig verdient, muss einen höheren Anteil seines Einkommens für Energie ausgeben und wäre von einer Steuer überproportional belastet. Man müsste da Rückzahlungsmodelle entwickeln, wie zum Beispiel in Schweden.

Trauen Sie da dem Staat, dass es Rückzahlungen gibt? Oder hat man nicht eher die Erfahrung, dass er Geld, das einmal vereinnahmt wurde, nicht wieder herausrückt?

Das ist der Normalfall von Steuern, stimmt. Es kommt nicht nur zur Lenkung, sondern auch zu einer Erhöhung der Ausgaben. Aber ich glaube auch, dass das französische Beispiel sehr präsent ist.

Die Gelbwesten-Proteste?

Genau. Deshalb glaube ich, dass es im Fall einer CO2-Steuer eine wirksame Kompensation für Geringverdiener geben würde.

Wie könnte die aussehen?

Man könnte es über steuerliche Freibeträge regeln. Dann hätte man aber keine Hartz-IV-Bezieher entlastet und auch viele Rentner nicht. Deshalb kann man sich überlegen, jedem bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze einen Scheck zu geben. Man darf sich aber nichts vormachen: Es bedarf massiver Investitionen, wenn man die Klimaziele erreichen will. Irgendjemand wird das bezahlen müssen.

Nimmt sich Deutschland
zu viel vor?

Man muss sich schon klarmachen, dass Deutschland am weltweiten CO2-Ausstoß nur einen Anteil von 2 Prozent hat. Selbst wenn wir den auf 1 Prozent halbieren, ist noch nicht viel gewonnen. China ist mit über 30 Prozent dabei. Wir brauchen deshalb globale Allianzen. Ansonsten könnte es zu den befürchteten perversen Entwicklungen kommen, dass wir hier in Deutschland durch CO2-Besteuerung für bestimmte Industriezweige zu teuer werden und dann zum Beispiel das Aluminium woanders unter sehr viel klimaschädlicheren Bedingungen produziert wird. Dann hätte man klimapolitisch das Gegenteil des Beabsichtigten erreicht.

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Handelskonflikte, Brexit und steigende Zinsen haben es deutschen Privatanlegern im letzten Jahre sehr schwer gemacht. Dennoch: Mehr Superreiche als hierzulande gibt es fast nirgendwo. Währenddessen verkündet die Deutsche Bank einen Milliarden-Verlust und muss 18.000 Jobs streichen.

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