Trend: Italienische Babynahrung

Claus Hipp wird 75 - Einmal lag er richtig falsch

+
Unternehmenschef Claus Hipp präsentiert Gläser mit der ersten Babynahrung der Firma Hipp (r.) und ein aktuelles Produkt.

Pfaffenhofen - Claus Hipp hat mit seiner Babykost fast immer den Geschmack seiner Kundschaft getroffen. Nur einmal lag er falsch. Am 22. Oktober wird Hipp 75 Jahre alt, Pläne für einen Ruhestand hat er aber nicht.

Mit Karottenbrei aus dem Gläschen sind Millionen Menschen in Deutschland aufgewachsen. Vor mehr als 50 Jahren verkaufte Claus Hipp als erster Gemüse und Obst in Gläsern und setzte damit auch für andere Hersteller Standards. Aus der Firma seiner Eltern machte er den größten Hersteller von Säuglingsnahrung in Deutschland. Am 22. Oktober feiert Hipp seinen 75. Geburtstag - Vom Ruhestand ist der Vater von fünf Kindern aber weit entfernt.

Jeden Tag kommt er in sein Büro im oberbayerischen Pfaffenhofen, um die Geschicke des Familienunternehmens mit zu steuern. „Meine Kinder sind ehrlich genug, um mir zu sagen, wenn ich nicht mehr gebraucht werde.“ Daneben widmet sich Hipp mit großer Leidenschaft der Malerei. In einem verwitterten Holzhaus mit Spinnweben an der Tür hat er sein Atelier. Seine Bilder, die er mit seinem Taufnamen Nikolaus Hipp zeichnet, erzielen bei Kennern hohe Preise. Derzeit werden seine Werke in der Ausstellung „Alles ist Licht“ in Braunschweig gezeigt.

Der Tag beginnt für Hipp immer noch frühmorgens vor sechs Uhr. Sein erster Weg führt den bekennenden Katholiken jeden Morgen in die Kirche. Auf dem Weg in sein Büro schließt er die idyllisch auf einer Anhöhe gelegene Wallfahrtskapelle Herrenrast für Besucher auf, die er vor langer Zeit restaurieren ließ. Um den Weg zu finden, setzt er sich in der dunklen Jahreszeit eine Stirnlampe auf. Auf Luxus aller Art legt Hipp keinen Wert. Eine Kreuzfahrt oder pompöse Feier zu seinem Geburtstag reizt ihn nicht. „Da bin ich eher der Bauer, der auf dem Hof bleiben will.“ Seinen 75. möchte er in der Firma feiern und die rund 1000 Beschäftigten in Pfaffenhofen zu einem Mittagessen einladen. Den Abend will er im wachsenden Kreis der Familie verbringen: Zu seinen fünf Kindern sind inzwischen elf Enkel gekommen.

In die Firma seiner Eltern war Hipp nach einem BWL-Studium im Jahr 1963 eingetreten. Von Anfang an setzte er auf den Bio-Anbau von Obst und Gemüse und wurde damit von vielen Landwirten als Außenseiter belächelt. Er war aber überzeugt davon, dass chemische Rückstände in Säuglingsnahrung nicht nachträglich entfernt werden sollten, sondern von Anfang gar nicht erst hinein dürfen. Dass die Bio-Bewegung einmal in Mode kommt, hatte er damals kaum zu hoffen gewagt.

Heute arbeitet Hipp mit 6000 Bio-Bauern zusammen, deren Arbeit das Unternehmen regelmäßig kontrolliert. „Dafür stehe ich mit meinem Namen“, wirbt Hipp seit Jahrzehnten mit einem Foto von sich auf seinen Produkten. Das war zwar aus Sicht von Werbestrategen ein guter Schachzug, um in dem sensiblen Markt für Babykost Vertrauen zu gewinnen. Es macht Hipp aber auch besonders angreifbar für Kritik von Verbrauchern, die sich im Internet in Windeseile verbreitet. In den vergangenen Monaten sorgte ein Engpass bei Milchpulver für Aufregung: Wegen der immensen Nachfrage aus China standen viele Eltern vor leeren Regalen. Hipp weitet die Produktion nun aus, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Die beliebtesten Vornamen 2012

Die beliebtesten Vornamen 2012

Auf der Liste der beliebtesten Babygläschen stehen heute wie vor 50 Jahren Karotten auf Platz eins. Daneben haben es aber auch andere Geschmacksrichtungen geschafft. „Es gibt heute einen spürbaren Einfluss der italienischen Küche“, sagt Hipp.

Manchmal musste er auch Neues ausprobieren, um zu sehen, was bei der Kundschaft ankommt. Einmal ging das schief: Als Hipp einem Kleinkindgericht einen Hauch von Knoblauch beifügte, beschwerten sich die Mütter. „Sie haben bei uns angerufen und gesagt: Die Windeln stinken so“, erinnert er sich. Der Knoblauch verschwand schnell wieder aus den Gläschen.

Obwohl Hipp im Vergleich zur Konkurrenz deutlich teurer ist, rückte die Firma mit einem Marktanteil von mehr als 60 Prozent bei Babykost im Glas zum Marktführer in Deutschland auf. Weltweit erzielte das Unternehmen 2012 rund 600 Millionen Euro Umsatz. Einen Teil davon steuern auch Erwachsene bei: Rund ein Viertel der Gläschen werden von „Großen“ gegegessen. Einer davon ist Hipp selbst: „In meinem Auto habe ich immer Aprikosen-Gläschen für unterwegs.“

dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Discounter expandiert: In diese fünf Städte kommen bald Primark-Filialen
Discounter expandiert: In diese fünf Städte kommen bald Primark-Filialen
Airbus bildet mit Bombardier Allianz gegen Boeing
Airbus bildet mit Bombardier Allianz gegen Boeing
Maschinenbau: Handelsbarrieren würden Wohlstand schaden
Maschinenbau: Handelsbarrieren würden Wohlstand schaden
GM bringt selbstfahrende Autos nach Manhattan
GM bringt selbstfahrende Autos nach Manhattan

Kommentare