Viel Arbeit für das Management

Commerzbank klettert aus der Krise

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Die teilverstaatlichte Commerzbank klettert im dritten Quartal deutlich aufwärts. Am Ziel angekommen ist sie jedoch noch nicht.

Frankfurt/Main - Für die Commerzbank stehen die Zeichen auf Besserung: Werbeoffensive und Kapital-Konsolidierung bescherten ihr ein gutes drittes Quartal. Getan ist die Arbeit aber noch nicht.

Die Commerzbank sieht sich nach einem überraschend guten dritten Quartal auf Kurs in bessere Zeiten. Von Juli bis September verdiente die Bank mit 77 Millionen Euro zehn Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Stabilität der Bank habe sich weiter erhöht, bilanzierte Konzernchef Martin Blessing am Donnerstag in einer Mitteilung. „Unsere Wachstumsinitiativen beginnen zu greifen: Daher konnten wir in einem typischerweise saisonal schwächeren dritten Quartal unsere Erträge vor allem im Privatkundengeschäft und der Mittelstandsbank stabil halten.“

Auf den ersten Blick verdiente die teilverstaatlichte Commerzbank damit im dritten Quartal 2013 mehr als die Deutsche Bank, die unter dem Strich auf nur 41 Millionen Euro Gewinn kam. Operativ jedoch läuft es bei der Deutschen Bank besser, auf den Gewinn des Branchenprimus drückten vor allem Rechtsrisiken: Dafür legte die Deutsche Bank weitere 1,2 Milliarden Euro zurück.

Der Gewinnzuwachs bei der Commerzbank erklärt sich vor allem mit einer deutlich niedrigeren Steuerbelastung. Der operative Gewinn sackte indes um mehr als die Hälfte auf 103 (Vorjahreszeitraum: 208) Millionen Euro ab.

Werbeoffensive bringt Geschäfte mit Privatkunden in Schwung

Im wichtigen Privatkundengeschäft zahlt sich die massive Werbung der Commerzbank allmählich aus. Im dritten Quartal wurden 82 000 zusätzliche Kunden gewonnen, seit Jahresbeginn seien es 180 000. Das macht sich auch in den Ergebnissen bemerkbar. Parallel zu Investitionen in neue Angebote läuft in der Sparte ein Sparprogramm mit dem Abbau tausender Arbeitsplätze, um die Kosten im Griff zu halten. Faule Kredite und Altlasten belasten weiterhin die Bilanz der Commerzbank, auch wenn die deutsche Nummer zwei mit dem Abbau von Altrisiken vorankommt. Im dritten Quartal verringerte die Abwicklungssparte ihre Anlagen um neun Prozent auf 124 Milliarden Euro. Damit ist das Jahresziel, den Bestand unter 125 Milliarden Euro zu drücken, bereits übertroffen.

Stationen der Bankenrettung in Deutschland

Lehman Brothers
15. September 2008: Die Investmentbank Lehman Brothers ist insolvent. Das Wall-Street-Drama markiert rückblickend das Ausufern der Finanzkrise, die schließlich die Weltwirtschaft massiv trifft. © dpa
 © picture-alliance/ dpa
Hypo Real Estate
29. September 2008: Für den deutschen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) wird eilends ein Rettungspaket über 35 Milliarden Euro geschnürt. Das Geld reicht nicht. Schon eine Woche später vereinbaren Bundesregierung und Finanzbranche ein aufgestocktes Rettungspaket von 50 Milliarden Euro. Später wird die HRE komplett verstaatlicht. © dpa
Angela Merkel Peer Steinbrück
5. Oktober: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) versichern vor laufenden Kameras: „Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind.“ © dpa
EU Banken Rettungspaket
13. Oktober: Die Bundesregierung stellt ein Banken-Rettungspaket im Volumen von 500 Milliarden Euro vor. Frankreich präsentiert einen 360 Milliarden Euro schweren Hilfsplan. Viele EU-Länder schnüren ebenfalls Notpakete. © dpa
Bund und Ländern
16. Oktober 2008: Das Rettungspaket für die deutschen Banken in einem Gesamtumfang von fast 500 Milliarden Euro ist unter Dach und Fach. Die Regierungschefs von Bund und Ländern verständigen sich über letzte Einzelheiten. © dpa
Horst Köhler
17. Oktober 2008: Das deutsche Milliarden-Programm zur Stabilisierung des Finanzmarktes kann zur neuen Börsenwoche in Kraft treten. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler unterschreibt das Gesetz, nachdem es zuvor von Bundestag und Bundesrat gebilligt wurde. © dpa
Soffin
27. Oktober 2008: Der Soffin mit Sitz in Frankfurt nimmt offiziell seine Arbeit auf. © dpa
Commerzbank
3. November 2008: Die Commerzbank schlüpft als erste große Privatbank in Deutschland unter den staatlichen Rettungsschirm. Die zweitgrößte deutsche Bank erhält vom Soffin 8,2 Milliarden Euro in Form einer stillen Einlage und bessert damit ihr Kapital auf. © dpa
Dresdner Bank
8. Januar 2009: Die Commerzbank wird teilverstaatlicht. Deutschland beteiligt sich damit erstmals direkt an einer großen Privatbank. Der staatliche Rettungsfonds gewährt der deutschen Nummer zwei eine weitere Kapitalspritze von 10 Milliarden Euro, um die Übernahme der Dresdner Bank und weitere Belastungen abzufangen. Im Gegenzug erhält der Bund 25 Prozent plus eine Aktie. © dpa
Banken
26. Januar 2012: Der Bundestag beschließt gegen die Stimmen der Opposition, den 2010 stillgelegten Soffin zu reaktivieren. Das soll Banken helfen, die höheren Kapitalanforderungen zu erfüllen. Die Neuauflage wird bis Ende 2012 befristet. © dpa
Bundestag
23. November 2012: Der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin wird nochmals verlängert und kann nun bis Ende 2014 angeschlagenen Geldhäusern unter die Arme greifen. Das beschließt der Bundestag mit den Stimmen der schwarz-gelben Koalition. © dpa
Commerzbank
31. Mai 2013: Die Commerzbank hat ihre Stille Einlage vollständig zurückgezahlt. Damit beginnt der Ausstieg des Staates aus dem Dax-Konzern. Der Aktienanteil des Soffin an der Commerzbank sinkt von 25 Prozent auf 17,2 Prozent. © dpa

Die Commerzbank wird kleiner: Die Gesamtbilanzsumme sackte Ende September auf 593 Milliarden Euro und damit erstmals seit 2006 unter die 600-Milliarden-Marke. Im Schiffsgeschäft hat die Commerzbank noch rund 16 Milliarden Euro im Feuer, der Bestand an Staatsanleihen ist noch 68 Milliarden Euro groß. Der Abbau von Risiken und das anhaltend schwache Zinsumfeld dürften nach Prognose der Bank die Erträge im Schlussquartal 2013 unter Druck halten.

Fortschritte machte die Commerzbank, an der der Staat noch mit gut 17 Prozent beteiligt ist, bei der Stärkung ihrer Kapitalpuffer. Die harte Kernkapitalquote unter Anwendung aller erst ab 2019 voll gültigen Regeln („Basel III“) lag Ende September bei 8,6 Prozent, drei Monate zuvor waren es 8,4 Prozent. Gelassen kann die Commerzbank auf den anstehenden Bilanzcheck der Europäischen Zentralbank (EZB) schauen: Gemäß den dabei gültigen Regeln kommt sie auf eine Kapitalquote von 11 Prozent, gefordert sind 8 Prozent.

dpa

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