Phase III-Studie vor dem Start

Curevac: Biotech-Unternehmen nennt Zeitpunkt für erhoffte Corona-Impfstoff-Freigabe - Teststart noch 2020

Curevac: Ein Mitarbeiter pipettiert eine Flüssigkeit. Das Tübinger Biotech-Unternehmen arbeitet mit Hochdruck an einem Corona-Impfstoff.
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Curevac: Ein Mitarbeiter pipettiert eine Flüssigkeit. Das Tübinger Biotech-Unternehmen arbeitet mit Hochdruck an einem Corona-Impfstoff.

Im Kampf gegen Corona will das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac noch im laufenden Jahr die Massentests der Phase III starten. 2021 soll der Impfstoff dann marktreif sein.

  • Das Rennen um einen Impfstoff gegen Covid19 läuft weltweit auf Hochtouren.
  • Biotech-Spezialist Curevac will noch im laufenden Jahr mit einem umfassenden Test seines Corona-Impfstoffs beginnen.
  • Tübinger Unternehmen hofft auf Markteinführung 2021.

München – Das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac will noch im laufenden Jahr mit einem breiten Feldversuchen zur Wirksamkeit seines Corona-Impfstoffs beginnen. „Wir rechnen damit, dass wir im vierten Quartal mit der Phase IIB/III starten können“, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag gegenüber Merkur.de*.

Nach den Planungen werde man den entsprechenden Impfstoff-Kandidaten in unterschiedlichen Dosierungen an rund 20.000 bis 30.000 Probanden testen, sagte der Curevac-Sprecher. Dies dürfte „mehrere Monate“ dauern.

Sollten die entsprechenden Ergebnisse positiv ausfallen, werde man beim zuständigen Paul-Ehrlich-Institut einen entsprechenden Zulassungsantrag stellen. Aus heutiger Sicht könnte der Curevac-Impfstoff damit „im Sommer oder im Herbst am Markt eingeführt werden“.

Corona-Impfstoff: Curevac will Zulassung so schnell wie möglich

Möglicherweise könnte der Impfstoff aber auch schon früher verfügbar sein. Je nach Ergebnissen der Phase IIB/III werde man auch einen Antrag auf bedingte Zulassung prüfen. Die bedingte Zulassung („Zulassung vorbehaltlich besonderer Bedingungen“, ) ist laut Paul-Ehrlich-Institut für Krankheiten vorgesehen, die zu einer „ernsthaften Schwächung führen oder gar lebensbedrohlich sind“ und ist zunächst auf ein Jahr befristet.

Curevac hatte erst im Juni mit der Phase I der Erprobung seines Corona-Impfstoffs begonnen. Dabei wird an einer Gruppe von 10 bis 30 Personen die grundsätzliche Verträglichkeit eines Impfstoffs überprüft. In Phase II wird dann die Immunantwort nach der Injektion getestet und die optimale Dosis bestimmt. Die Größe der Testgruppen wird dabei üblicherweise auf 50 bis 500 Personen ausgeweitet.

In dem abschließenden Phase III-Test mit mehr als 10.000 Probanden wird die Schutzwirkung des Impfstoffs kontrolliert. Um die Entwicklung zu beschleunigen, können Phase II und die Phase III sich überlappen. Das ist nun auch bei Curevac geplant.

Ähnlich wie etwa der Mainzer Wettbewerber Biontech haben sich auch die Tübinger auf die Entwicklung von Botennukleinsäuren (mRNA) spezialisiert. Bei diesem neuartigen Ansatz sollen Boten (Messenger) genetische Baupläne zur Produktion von unvorstellbar winzigen Mengen von Antigenen in die Zellen bringen. Die produzierten Eiweiße sollen eine Abwehrreaktion des Immunsystems auslösen, die den Körper dann auch gegen Viren wie das Coronavirus SARS-CoV-2 schützen soll.

Corona-Impfstoff: Curevac setzt auf Niedrigst-Dosierung

Curevac fokussiert sich dabei auf mRNA mit vergleichsweise geringen Dosen. Man teste Dosierungen von zwei bis 20 Mikrogramm, sagte der Curevac-Sprecher. Das wären zwei bis 20 Millionstel Gramm. Von der geringen Dosierung verspricht sich das Unternehmen eine besonders gute Verträglichkeit bei den Probanden. Dies habe sich auch bei ersten Tests im Rahmen der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Tollwut gezeigt. Dort habe man ersten Ergebnissen zufolge bereits mit einer Menge von einem Mikrogramm eine Immunisierung erreicht. Außerdem ermögliche eine geringe Dosierung bei der späteren Produktion erhebliche Mengenvorteile je Charge, heißt es bei Curevac.

Sollten mRNA-Spezialisten wie Curevac oder Biontech mit ihrem Ansatz erfolgreich sein, dürfte dies von weitreichender Bedeutung auch für zahlreiche, weitere Einsatzgebiete sein. So arbeitet Curevac etwa auch an mRNA gegen Gelbfieber, Malaria oder Haut- und Lungenkrebs.

Curevac: Unternehmen will Produktionskapazität massiv ausbauen

Curevac hatte Anfang September im Zusammenhang mit einem Besuch von Tesla*-Chef Elon Musk im Rampenlicht gestanden. Die Stippvisite hatte zu Spekulationen geführt, wonach Tesla ein Übernahme-Angebot vorbereiten könnte. Dem war Curevac-Haupteigentümer Dietmar Hopp aber vehement entgegengetreten. Man sehe zwar „sehr großes Potenzial in der Zusammenarbeit mit Herrn Musk“, erklärte Hopp gegenüber Merkur.de.* Überlegungen um eine mögliche Übernahme seien aber „reine Fantasie“.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks.

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