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„Cum-Ex“-Skandal: Das wahre Ausmaß des Betrugs ist noch viel dramatischer als gedacht

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Neue 100- und 200-Euro-Scheine.
Die Schadenssumme im „Cum-Ex“-Skandal ist dreimal so hoch, wie bisher angenommen. © Boris Roessler/picture alliance/dpa

Der Schaden im „Cum-Ex“-Skandal ist viel schlimmer als gedacht. Statt der ursprünglich vermuteten 55 Milliarden Euro könnte der Schaden noch erheblich höher sein.

Hamburg - Der Schaden durch „Cum-Ex“-Steuergeschäfte und ähnliche illegale Betrugssysteme ist Medien-Recherchen
zufolge deutlich höher als bislang angenommen. Die Summe belaufe sich auf weltweit rund 150 Milliarden Euro, berichteten das ARD-Magazin „Panorama“ (NDR) und das Recherchezentrum Correctiv am Donnerstag. Sie hätten die neue Summe gemeinsam mit 15 internationalen Medien recherchiert. Ursprünglich war man von rund 55 Milliarden Euro ausgegangen.

„Cum-Ex“: So viel ist dem deutschen Staat entgangen

Betroffen sind neben Deutschland und den USA mindestens zehn weitere europäische Länder. Allein deutschen Finanzämtern seien nach Berechnungen des Steuerprofessors Christoph Spengel von der Universität Mannheim fast 36 Milliarden Euro entgangen. Hier war Spengel bei vorigen Berechnungen aus dem Jahr 2018 noch von mindestens 31,8 Milliarden Euro ausgegangen.

Problematisch sei insbesondere, dass jedes europäische Land bei der Verfolgung der Steuertricks seinen eigenen Regeln folge. Kein europäisches Land sei bereit, die Führung zu übernehmen und die Bemühungen zu koordinieren, lautet die Einschätzung der Recherche. Die Behörden verwiesen demnach auf einen Mangel an wirkungsvollen Instrumenten zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung.

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So funktionieren „Cum-Ex“-Geschäfte

Bei den umstrittenen Geschäften schoben Investoren rund um den Dividendenstichtag Aktien mit („cum“) und ohne („ex“) Ausschüttungsanspruch rasch zwischen mehreren Beteiligten hin und her. Diese ließen die Papiere untereinander zirkulieren, bis dem Fiskus nicht mehr klar war, wem sie überhaupt gehörten. Die Finanzämter erstatteten mehr Steuern als sie zuvor eingenommen hatten. 2012 wurde das Steuerschlupfloch geschlossen.

Im Juli dieses Jahres entschied der Bundesgerichtshof (BGH), dass die „Cum-Ex“-Aktiengeschäfte für den deutschen Fiskus als Steuerhinterziehung zu bewerten und damit strafbar sind. Insgesamt ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft laut Recherche gegen mehr als 1000 Beschuldigte. (dpa/AFP)

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