Brennpunkt auf der CeBIT

Cyber-Angriffe verursachen Milliardenschäden

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Der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (Mitte) auf seinem CeBIT-Rundgang mit dem Gründer der chinesischen e-Commerce-Plattform Alibaba, Jack Ma (re.).

Hannover - Deutschlands Volkswirtschaft entstehen durch Cyber-Angriffe jährlich Schäden in Milliardenhöhe. Das Problem rückte am Montag auf der CeBIT in Hannover in den Brennpunkt. 

Der 2012 von großen Unternehmen mitgegründete Cyber-Sicherheitsrat schätzt sie auf jährlich bis zu 50 Milliarden Euro. Offiziell erfasst seien von den Angriffen aus dem Netz die wenigsten, erklärte der Vorsitzende Arne Schönbohm am Montag auf der IT-Messe CeBIT in Hannover. Nach Einschätzung von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) bremsen gerade in Klein-Betrieben Bedenken bei der Datensicherheit die Digitalisierung aus. Vor allem der Mittelstand scheue oft davor zurück, Dienstleistung und Produktion stärker zu vernetzen, so der Bundeswirtschaftsminister.

Dabei stehen auch kleinere und mittlere Unternehmen inzwischen im Visier von Cyberangriffen - sind aber schlechter als große Konzerne für die Abwehr aufgestellt. „Deutsche Unternehmen sind zwar für das Thema IT-Sicherheit immer mehr sensibilisiert, aber gerade kleinen und mittleren Unternehmen fehlen oft die notwendigen Sicherheitsstrukturen“, warnte der Präsident des Branchenverbandes VDI, Udo Ungeheuer. Der Engpass bei qualifizierten Fachkräften verschärfe zudem die Lage. Der VDI (Verein Deutscher Ingenieure) verwies unter anderem auf Zahlen der IT-Sicherheitsfirma Symantec, wonach im Januar 2015 ein Drittel aller gezielten Angriffe auf Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern gerichtet gewesen sei.

Nach Erkenntnissen des Bundesverfassungsschutzes spähen auch ausländische Geheimdienste Betriebe aus. „Fremde Nachrichtendienste betreiben nach wie vor einen hohen Aufwand, um unser Land auszuspionieren“, erklärte Jadran Mesic, der für die Analyse von Cyber-Angriffen zuständige Abteilungsleiter im Verfassungsschutz. Täglich gebe es 2000 bis 3000 Angriffe allein auf das Netzwerk der Bundesregierung - bei immerhin fünf davon gebe es den Verdacht auf Aktivitäten ausländischer Geheimdienste. Mesic: „Es wäre falsch, solche Aktivitäten nur westlichen Nachrichtendiensten zuzuschreiben.“

Die Trends und Neuigkeiten der Cebit 2015

Die Trends und Neuigkeiten der Cebit 2015
Das Startup-Wettbewerb "code_n" zeigt, wie auf einem iPad Objekte entworfen werden können, die anschließend Roboter der interaktiven Installation "Robochop" produzien. © dpa
Bei Industrie 4.0 geht es um die Vernetzung von Maschinen und anderer Technik vor allem im industriellen Betrieb: Industrieanlagen, die aus der Ferne gewartet werden können und sich auch selbst zum Austausch verschlissener Teile anmelden könnten sind ein Beispiel. So zeigt der Fahrstuhl-Hersteller ThyssenKrupp Elevator in Hannover (hier Vorstandmitglieder mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel), wie schon erste Anzeichen von Unregelmäßigkeiten frühzeitig übermittelt werden. © dpa
Die Trends und Neuigkeiten der Cebit 2015
Am Vodafone Stand ist eine Smartphone-App zu sehen, mit der Funktionen eines Autos gesteuert werden können. © dpa
Die Trends und Neuigkeiten der Cebit 2015
Auf dem Stand der Firma Salt And Pepper kann man das "Yourcar" System testen. Mit der 3-D Brille konfiguriert der Kunde sein Fahrzeug virtuell. © dpa
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China ist Partnerland auf der CeBIT. © dpa
Verschlüsselung ist eines der Hauptthemen auf der Cebit 2015. Die Nachfrage nach Lösungen zum Schutz von Firmengeheimnissen nimmt zu. Inzwischen gibt es neben sicheren Speicher-Angeboten auch eine Auswahl an Apps für verschlüsselte Telefonate. Besucher können sich einen Eindruck von einem abgesichertes Tablet für Bundesbehörden machen. © dpa
Die Trends und Neuigkeiten der Cebit 2015
Der grüne Spielzeug-Dino aus der Serie "Cognitoys" von IBM ist mit dem "Gehirn" des bekannten Supercomputers Watson ausgestattet und soll kleinen Kindern in echten Gesprächen Fragen beantworten können. © dpa
Die Trends und Neuigkeiten der Cebit 2015
Die Trends und Neuigkeiten der Cebit 2015. © dpa
Die Trends und Neuigkeiten der Cebit 2015
Ubitricity, ein Berliner Ingenieurbüro für Energietechnik, will Straßenlaternen mit Ladestationen ausrüsten © dpa
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Vodafone wirbt mit einer Wand aus Tablet-Computern mit dem Schriftzug "Weltrekord 10Gbits/s" für ein noch schnelleres Mobilfunk-Netz. © dpa
Die datenhungrigen IT-Anwendungen der Zukunft werden auch viel leistungsstärkere, schnellere und flexiblere Netze erfordern. Dafür soll die nächste Mobilfunk-Generation 5G sorgen. © dpa
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Auf dem Stand des Bundesministeriums für Bildung und Forschung steht ein in E-Bike mit fahrdynamischem Sicherheitssystem. © dpa
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Die Trends und Neuigkeiten der Cebit 2015. © dpa
Die Trends und Neuigkeiten der Cebit 2015
Microsoft stellt das neue Betriebssystem Windows 10 für Smartphones und PC vor. © dpa
Die Trends und Neuigkeiten der Cebit 2015
Der Telekom-Stand auf der Cebit 2015. © dpa
Die Trends und Neuigkeiten der Cebit 2015
Die Branchenschau läuft bis Freitag und hofft auf gut 200 000 Besucher. © dpa

Die Spione hätten in Deutschland vor allem Automobil- und Rüstungskonzerne sowie Forschungseinrichtungen im Visier und nutzen dabei über Jahre hinweg dieselbe Angriffstruktur. Ein weiteres Phänomen: Internationale Konfliktsituationen können durch digitale Aktivitäten geschürt werden. „Die Manipulation der Menschen erfährt ein hohes Maß an Aufmerksamkeit“, sagte Mesic. Auch Arne Schönbohm vom Cyber-Sicherheitsrat sprach von den Gefahren durch eine neue „Turbo-Radikalisierung“ der Menschen durchs Internet.

dpa

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