Schutz könnte geopfert werden

Darf bayerisches Bier bald aus den USA kommen?

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Geschützt: Münchner und bayerisches Bier.

München - Das umstrittene Freihandelsabkommen mit den USA könnte auch das Ende für den Schutz von regionalen Spezialitäten wie „Münchner Bier“ oder „Nürnberger Rostbratwürstl“ bedeuten! 

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) erklärte im Spiegel: „Wenn wir die Chancen eines freien Handels mit dem riesigen amerikanischen Markt nutzen wollen, können wir nicht mehr jede Wurst und jeden Käse als Spezialität schützen.“

Der CSU-Minister hält die geltenden EU-Regeln für regionale Lebensmittel für „sehr bürokratisch“. Die EU schütze auch solche Spezialitäten, „deren Grundstoffe längst nicht mehr nur in ihren Heimat­regionen hergestellt werden“. Darüber habe sich der US-Handelsbeauftragte Michael Froman anlässlich eines Treffens in Washington bei ihm beschwert, so Schmidt.

„Es wäre unseren amerikanischen Handelspartnern schwer vermittelbar, dass sie keinen Tiroler Speck oder Holländischen Gouda zu uns exportieren dürften, wenn wir in Europa selbst den Schutz nicht konsequent durchsetzen würden.“

Wenn die EU nachgibt, könnten künftig auch geschützte bayerische Spezialitäten wie Nürnberger Rostbratwürstl, Münchner Bier, bayerisches Bier, Schrobenhausener Spargel sowie Schwäbische Maultaschen in den USA produziert werden.

Ein kleines Zuckerl für die Verbraucher hat Agrarminister Schmidt dann aber auch noch zu bieten: Der US-Vertreter habe signalisiert, dass er bereit sei, im Handelsabkommen Ausnahmen für mit Chlor desinfizierte Hühnchen zu akzeptieren: „Ich habe den Eindruck, die USA haben verstanden, dass Chlorfleisch in Europa nicht vermittelbar ist“, sagte Schmidt.

Seit Juli 2013 verhandelt die EU mit den USA über die „Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft“ (TTIP). Verbraucherschützer kritisieren die Geheimverhandlungen von Brüssel und Washington, ebenso geplante Schutzklauseln für Konzerne.

KR

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EU-Siegel für Regionales

75 deutsche Spezialitäten wurden von der EU als „regional schützenswert“ eingestuft und dürfen deshalb das Etikett „geschützte geographische Angabe“ oder „geschützte Ursprungsbezeichnung“ tragen. Dazu gehören etwa der Schwarzwälder Schinken, die Nürnberger Rostbratwürstl oder die Spreewaldgurke, nicht jedoch die Münchner Weißwurst. Das rote Etikett „geschützte Ursprungsbezeichnung“ bedeutet, dass der Rohstoff aus dem angegebenen Gebiet stammt und sämtliche Produktionsschritte dort erfolgen müssen – dieses Siegel dürfen etwa der Allgäuer Emmentaler oder Lüneburger Heidschnucken tragen. Das blaue Siegel „geschützte geographische Angabe“ bedeutet, dass nur mindestens eine Produktionsstufe (Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung) im genannten Gebiet stattfinden muss. Das Schwein für den Schwarzwälder Schinken darf also durchaus aus Polen stammen. Die EU-Kategorie „garantiert traditionelle Spezialität“ steht für ein traditionelles Herstellungs- oder Verarbeitungsverfahren. Entscheidend ist hier also das Rezept, nicht wo die Zutaten des Produkts herkommen. Beispiele dafür sind Mozzarella oder Serrano-Schinken. Deutsche Produkte mit diesem Zeichen gibt es bislang nicht.

K. Rimpel

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