Trotz Krise in Europa

Darum eilt BMW von Rekord zu Rekord

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BMW fährt der Konkurrenz derzeit davon.

München - BMW ist auf dem besten Weg zu einem neuen Rekordjahr. Die tz hat mit dem Auto-Experten Prof. Ferdinand Dudenhöffer gesprochen und erklärt, wie BMW der Autokrise trotzt.

BMW ist auf dem besten Weg zu einem neuen Rekordjahr. Im 3. Quartal hat der Münchner Premium-Hersteller überraschend viel Geld verdient. Der Umsatz kletterte zwischen Juli und September um fast 14 Prozent auf rund 18,8 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdienten die Münchner knapp 1,29 Milliarden Euro –16 Prozent mehr als vor einem Jahr. Weltweit hat BMW im dritten Quartal 435 000 Autos abgesetzt. 2012 sollen mehr als 1,7 Millionen Autos verkauft sein. Die tz hat mit dem Auto-Experten Prof. Ferdinand Dudenhöffer über das Erfolgsgeheimnis des Unternehmens gesprochen und erklärt, wie BMW der Autokrise trotzt:

Unternehmenskultur: Der große Pluspunkt für die Münchner. „BMW-Chef Reithofer steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden, ist nicht überheblich und tut die Dinge, die notwendig sind“, lobt Prof. Ferdinand Dudenhöffer, Auto-Experte am CAR-Institut der Universität Essen-Duisburg. „Bei BMW steht der Teamgedanke sehr stark im Vordergrund“, erklärt Dudenhöffer und vergleicht die Unternehmenskultur mit der im VW-Konzern. „Da muss sich VW-Chef Martin Winterkorn jedes einzelne Schräubchen ansehen und absegnen“, lästert Dudenhöffer. Dadurch würde das ganze System träge. „Bei BMW ist das anders. Reithofer hat seine Leute, sie vertrauen einander und deshalb kann BMW schneller handeln.“

Mitarbeiter: Die Mitarbeiter stehen wie eine Eins hinter ihrem Unternehmen. „Menschen sind dann begeistert, wenn sie das Gefühl haben, dass sie gebraucht werden und eigenständig handeln können. Wenn man ihnen diese individuelle Freiheit nimmt und ihnen wie kleinen Kindern jeden Gedanken vorschreibt, dann würgt man dagegen jede Begeisterung ab“, weiß Dudenhöffer. Einen Teil zur Begeisterung der Mitarbeiter tragen sicher auch die üppigen Beteiligungen am Gewinn des Unternehmens bei – in diesem Jahr lag der Bonus bei durchschnittlich 8000 Euro pro Mitarbeiter. Der Erfolg hat sich also für jeden Einzelnen gelohnt.

Flexibilität: Das gute Betriebsklima wird auch durch die konsequente Flexibilisierung bei dem Münchner Hersteller nicht getrübt. „BMW kann seine Produktion immer wieder der Marktlage anpassen.“ Insbesondere mit Leiharbeitern sei der Konzern gut durch Fluktuationen gekommen. Erst Ende September hatte BMW 3000 dieser Leiharbeiter übernommen. Erfolg begeistert also. „In einem Unternehmen, das dauernd Mitarbeiter entlassen muss, werden sie wenig Begeisterung in der Belegschaft finden.“

 China: Das Riesenreich gilt als der Markt der Zukunft. „In den letzten zwei Jahren hat BMW sehr schnell die Weichen für China gestellt“, erklärt Dudenhöffer. Das Reich der Mitte ist seit Jahresanfang zum weltweit größten Markt für BMW aufgestiegen. Mit einem zweiten Werk verdoppeltBMW seine Kapazitäten auf jetzt 200 000 Fahrzeuge. Das neue Werk in Tiexi ist die bisher modernste Produktionsstätte der Münchner weltweit und wurde in 18 Monaten hochgezogen. n Modelle: Im Endeffekt muss BMW Autos verkaufen, um erfolgreich zu sein. „BMW hat ein Bilderbuchmodellprogramm auf die Beine gestellt“, lobt Dudenhöffer. „Der Konzern stellt sehr präzise Produkte her, die die Menschen dann auch begeistern.“

Treibstoffeinsparungen: „BMW hat als erster Konzern das große Thema Treibstoff­einsparungen auf die Agenda gesetzt.“ „Eine Marke wie BMW muss im Zentrum der gesellschaftlichen Werte stehen. Mit dieser Strategie hat es BMW geschafft, trotz der Diskussion um den Klimawandel glaubhaft zu machen, dass BMW für Nachhaltigkeit steht.“ n Technologischer Vorsprung: „Im Fahrwerkbereich und in der Motorentechnik ist BMW sehr gut unterwegs“, so Dudenhöffer. Und auch die Weichen für die Zukunft sind gestellt. „Der Werkstoff Karbon, das zunächst im i3 und i8 zum Einsatz kommen soll, wird in der Zukunft ein neues Markenthema für BMW werden.“

Kooperationen: Der Münchner Konzern nutzt geschickt die Zusammenarbeit mit anderen Autoherstellern. Dudenhöffer: „BMW arbeitet eng mit Toyota zusammen und kann dadurch in Zukunft auch die Brennstoffzellentechnologie nutzen.“

M. Kniepkamp

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