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Fürstliche Betriebspension

Dax-Chefs kassieren Luxus-Rente

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Gut gepolstert: VW-Chef Martin Winterkorn (li., 22,1 Mio. Euro) und Daimler-Boss Dieter Zetsche (29,9 Mio. Euro).

München - Das Zauberwort aller Renten-Experten lautet immer wieder: Betriebliche Altersvorsorge. Für eine Gruppe scheint diese Form der Vorbereitung auf die Zeit nach dem Berufsleben besonders lukrativ zu sein: die Vorstände der 30 Dax-Unternehmen.

Sie können später mit einer Luxus-Rente von der Firma rechnen, die im Durchschnitt 250-mal höher ist als die Betriebsrente ihrer Untergebenen. Das geht aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor, in der Dr. Heinz Evers die Geschäftsberichte der 77 deutschen Unternehmen des Dax und MDax analysiert hat. Die tz stellt die wichtigsten Ergebnisse vor:

Wie viel Geld legen die Unternehmen für Pensionsrückstellungen beiseite? 

Unterm Strich summieren sich die Rückstellungen aller Dax- und MDax-Unternehmen für aktive Top-Manager auf 1,2 Milliarden Euro. Für die Versorgung ihrer früheren Vorstandsmitglieder müssen die Konzerne nochmals 3,6 Milliarden Euro zurücklegen. Insgesamt entfallen also 4,8 Milliarden Euro auf die Pensionsrückstellungen.

Und wie viel zahlen die Unternehmen heute schon an ihre Ex-Vorstände? 

Im Durchschnitt der Dax-Unternehmen belaufen sich die Pensionszahlungen an frühere Vorstände auf 7,9 Millionen Euro – knapp 40 Prozent der im Geschäftsjahr gewährten aktiven Vorstandsbezüge.

Welcher Dax-Vorstand darf die höchste Rente erwarten? 

Daimler-Chef Dieter Zetsche ist unangefochtener Spitzenreiter der Dax-Manager. Auf ihn warten 29,9 Millionen Euro Rente. Für VW-Chef Martin Winterkorn hat der Volkswagen-Konzern immerhin 22,1 Millionen zurückgelegt – Platz 2 im Dax! Über eine deutliche höhere Pension als die beiden Automanager darf sich aber der Chef des im MDax gelisteten Pharmahändlers Stada freuen. Hartmut Retzlaff steht mit Ansprüchen von 35 Millionen Euro an der Spitze des Clubs der sorglosen Rentner!

Ab wann bekommen die Betriebsrentner ihr Ruhegeld? 

Arbeitnehmer dürfen immer später in Rente gehen – diese Entwicklung geht auch an den Bossen nicht spurlos vorbei. Die Altersgrenze für den Bezug der Altersleistungen ist auch für Vorstandsmitglieder wieder angestiegen. Allerdings reicht es bei über 60 Prozent der Unternehmen, wenn die Chefs 63 Jahre oder jünger sind, bevor sie in Rente gehen. Nur Infineon und Leoni haben bereits heute das 67. Lebensjahr als Voraussetzung für den Einstieg in die Betriebsrente festgelegt.

Welche Unternehmen geben am meisten Geld für die Rückstellungen für ihre aktiven Vorstände aus? 

Im Dax ist VW Spitzenreiter mit 108 Millionen Euro im Jahr 2013. Es folgen Daimler mit 70 Millionen Euro und Siemens mit 62 Millionen Euro. Im MDax liegt Stada vorn. Der Konzern legt 35 Millionen Euro beiseite – und das ausschließlich für den Vorstands-Chef! Es folgen SGL Carbon mit 34 Millionen Euro und Salzgitter mit 25 Millionen Euro. Nimmt man die Rückstellungen für frühere Vorstände dazu, ist es ausgerechnet der seit Jahren kriselnde Konzern ThyssenKrupp, der für Pensionen derzeit 292 Millionen Euro zurückhält.

Ist diese Art der Versorgung noch zeitgemäß? 

Der Autor der Studie bezweifelt das. „Die Altersversorgung hat ihren ursprünglichen Sinn verloren“, meint Evers. Seine Begründung: Die Vorstände verdienten mittlerweile pro Jahr Millionensummen. Damit müsste es ihnen möglich sein, privat für das Alter vorzusorgen. „Wo Eigenvorsorge durch Aktivbezüge unschwer möglich ist, erübrigt sich der betriebliche Versorgungsgedanke“, so Evers weiter. Der Vergütungsberater stellt allerdings auch einen positiven Trend fest: Mit neu berufenen Vorständen vereinbaren die Konzerne oft ein geringeres Leistungsniveau als sie es mit den Vorgängern getan haben. Der Aufwärtstrend bei den Betriebspensionen scheint gebrochen.

Mk.

Rückstellung für aktiven Vorstand

Dax-Konzern Pensionsrückstellung
Adidas 20,8 Millionen Euro
Allianz 41,0 Millionen Euro
BASF 55,8 Millionen Euro
Bayer 23,5 Millionen Euro
Beiersdorf keine Betriebs-Pension
BMW 24,8 Millionen Euro
Commerzbank 19,9 Millionen Euro
Continental 24,1 Millionen Euro
Daimler 70,1 Millionen Euro
Deutsche Bank 10,0 Millionen Euro
Deutsche Börse 25,7 Millionen Euro
Deutsche Post 22,7 Millionen Euro
Deutsche Telekom 28,6 Millionen Euro
E.ON 43,3 Millionen Euro
Fresenius Medical Care 18,9 Millionen Euro
Fresenius 16,0 Millionen Euro
Heidelberg Cement 24,6 Millionen Euro
Henkel 9,1 Millionen Euro
Infineon 7,1 Millionen Euro
K+S 14,0 Millionen Euro
Lanxess 21,7 Millionen Euro
Linde 29,3 Millionen Euro
Lufthansa 5,3 Millionen Euro
Merck 18,0 Millionen Euro
Munich RE 53,8 Millionen Euro
RWE 11,6 Millionen Euro
SAP 9,1 Millionen Euro
Siemens 62,0 Millionen Euro
Thyssen Krupp 43,8 Millionen Euro
Volkswagen 107,7 Millionen Euro

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