Trotz robustem Arbeitsmarkt

Deutscher Einzelhandel kommt nicht in Schwung

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 Ein Kunde steht vor einem Supermarktregal.

Berlin - Der Arbeitsmarkt ist robust, die Tariflöhne steigen und die Menschen sind konsumfreudig. Dennoch schwächelt der Einzelhandel. Besonders die Textilbranche trifft der lange Winter hart.

Der deutsche Einzelhandel ist schwach ins Frühjahr gestartet. Die Unternehmen machten im April überraschend weniger Geschäft als im März, der Branchenumsatz sank nominal und preisbereinigt um 0,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Das ist das dritte Minus im Monatsvergleich in Folge. Volkswirte hatten mit einem realen Plus von 0,2 Prozent gerechnet.

Im Jahresvergleich zogen die Umsätze jedoch erstmals seit Januar wieder an. Sie stiegen nominal um 3,2 Prozent, real um 1,8 Prozent. Der April 2013 hatte allerdings auch zwei Verkaufstage mehr als der entsprechende Vorjahresmonat.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Inwzischen bestellen 75 Prozent der Deutschen Waren übers Internet. Ganz vorne mit dabei sind die Bücher. Hier wird ein Paket des Internethändlers Amazon von der Sängerin Annett Louisan ausgeliefert. © dpa
52 Prozent der Deutschen kaufen Bücher, Zeitschriften und Zeitungen im Netz. © dpa
Die Deutschen investieren in ihre Gesundheit. 17 Prozent mehr Geld gaben sie 2008 für Medikamente und Therapien aus. © dpa
12 Prozent der Nutzer spekulieren im Netz mit Aktien. © dpa
Ebenfalls 12 Prozent informieren sich über Versicherungen und schließen diese auch im Internet ab. © dpa
Seit 2001 geben die Bundesbürger 51 Prozent mehr Geld aus für Telefon und Internet. © dpa
Schon 2008 waren die Ausgaben für den privaten Konsum um 0,4 Prozent gestiegen. © dpa
Männer sind die aktiveren Einkäufer im Web. 76 Prozent der Männer und 73 Prozent der Frauen kaufen lieber online statt sich an der Kasse anzustellen. © dpa
Ökonomen glauben, dank der Abwrackprämie sei der Konsum im ersten Halbjahr 2009 noch einmal um 0,65 Prozent gestiegen. © dpa
36 Prozent der Menschen über 55 Jahre, die sogenannten Silver Surfer, nutzen das Web. © dpa
Auch elektronische Artikel wie die Playstation liegen immer öfter im virtuellen Warenkorb. © dpa
Um 20,5 Prozent sind die Ausgaben für Zigaretten und Alkohol gesunken. © dpa
48 Prozent bestellen Spielzeug, Möbel und Kleidung im Internet. © dpa
Statistiker vermuten, die Steuern auf Alkopops könnten dazu geführt haben, dass weniger dafür ausgegeben wird. © dpa

Aus Sicht des Verbands HDE laufen die Geschäfte im Einzelhandel stabil. „Die Entwicklung in den ersten vier Monaten liegt exakt auf unserer Prognose. Wir erwarten im Gesamtjahr ein nominales Plus von 1,0 Prozent“, sagte HDE-Sprecher Kai Falk. Von Januar bis April wurden im deutschen Einzelhandel nominal 1,1 Prozent mehr und real 0,2 Prozent weniger umgesetzt als im Vorjahreszeitraum. Hoffnung schöpft der HDE aus den guten Rahmenbedingungen, insbesondere dem robusten Arbeitsmarkt: „Die Konsumenten sind kauffreudig.“

Ein Grund für die überraschend schleppende Entwicklung war das kalte Wetter, das die Preise für Gemüse nach oben trieb - und dadurch möglicherweise die Kunden vom Kauf abhielt, wie Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank vermutet. Nach den Zahlen der Statistiker sank der reale Umsatz der Lebensmitteleinzelhändler im April im Jahresvergleich um 1,1 Prozent. Hingegen brummte der Internet- und Versandhandel, die Umsätze übertrafen das Vorjahresniveau real um 14,7 Prozent.

Seit Jahresbeginn ließ vor allem der Bereich Textilien kräftig Federn: Die Umsätze mit Bekleidung, Schuhen und Lederwaren lagen von Januar bis April real 4,3 Prozent unter Vorjahr. „Kunden dürften den Kauf von Frühjahrsmode angesichts des sehr langen Winters zurückgestellt haben“, sagte Schulz. Falk betonte, dass der Bereich Textilien sehr unter dem verfehlten Frühjahrsstart gelitten habe.

dpa

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