Deutsches Wirtschaftswachstum in Gefahr

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Angela Merkel bekam von den Wirtschaftsweisen das Jahrsgutachten überreicht.

Berlin - Deutschland erwirtschaftet dieses Jahr 2,46 Billionen Euro. Sollte sich der Euro nicht stabilisieren, kann es zu höherer Arbeitslosigkeit und weniger Steuereinnahmen kommen.

Deutschlands Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr dürfte stark von der Entwicklung der Euro-Krise abhängen. Das sagte der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, der Nachrichtenagentur dapd am Mittwoch. Zuvor hatten die fünf Volkswirte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihr Jahresgutachten übergeben. Darin stand auch, dass Merkel mit weniger Steuereinnahmen und höherer Arbeitslosigkeit rechnen muss, sollten die Regierungskrisen in Rom und Athen die Euro-Rettung behindern.

In ihrem Gutachten gehen die Sachverständigen bisher davon aus, dass die Eurozone zur Ruhe kommt. Sollte diese “Rückkehr zur Normalität“ eintreten, darf Deutschland ein Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent erwarten. Das ist zwar ein starker Abschwung von den drei Prozent, die für dieses Jahr erwartet werden - doch die Arbeitslosigkeit würde dennoch auf unter drei Millionen sinken.

Alles teurer geworden: So viel mehr müssen Sie in 2012 jetzt bezahlen

Hohe Energiekosten treiben die Preise an: Beispielsweise ist der Preis von Heizöl um 13,9 Prozent gestiegen. © dpa
Auch für Strom zahlt man mehr: plus 7,1 Prozent. © dpa
Butter macht dick - und wer in Zukunft nicht 10,4 Prozent mehr zahlen will, verzichtet drauf. © dpa
Molkereiprodukte sind fast alle teurer geworden: Für Sahne zahlt man jetzt 12,9 Prozent mehr. © dpa
Bei Fleisch ist die Preiserhöhung nicht ganz so schlimm: 4,3 Prozent ist es teurer. © dpa
Gemüse ist dagegen billiger geworden: Für Kopf- oder Eisbergsalat zahlt man 39,3 Prozent weniger. © dpa
Tomaten sind 24,1 Prozent billiger. © dpa
Ein deutlicher Preisanstieg bei alkoholfreien Getränken von 7,4 Prozent soll vor allem durch die... © dpa
... Verteurung von Kaffee um 21,8 Prozent verursacht sein. © dpa
Bei den Dienstleistungen macht sich die neue Luftverkehrsabgabe bemerkbar: Flugtickets sind um 19,4 Prozent teurer. © dpa
Die Preise für Tabakwaren sind um 3,3 Prozent gestiegen. © dpa
Frauen können aufatmen: Schuhe  und Bekleidung sind nur um 3,1 Prozent teurer. © dpa

Weitet sich die Schuldenkrise dagegen aus, wie es auch die Finanzmärkte zu erwarten scheinen, wäre das am deutschen Arbeitsmarkt zu spüren. Die Wirtschaftsweisen erwarten in diesem Falle ein Wachstum von gerade 0,4 Prozent in 2012. Das allein wäre genug, um die Arbeitslosigkeit auf mehr als drei Millionen steigen zu lassen. Merkels Regierung dürfte dann neu rechnen, denn die Steuerschätzung der Berliner Koalition legte ein Wachstum von einem Prozent zugrunde.

Anstieg der Arbeitslosigkeit und geringere Steuereinnahmen

“Die Regierungen im Euro-Raum müssen die Spirale der Verunsicherung auf den Finanzmärkten durchbrechen“, sagte Markus Kerber, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), “nur dann wird die exportorientierte deutsche Wirtschaft weiter wachsen.“

Noch schlimmer käme es nämlich, wenn die Euro-Krise auch den Welthandel in Mitleidenschaft ziehen würde. Davor hatte der amerikanische Präsident Barack Obama am Freitag beim G-20-Gipfel im französischen Cannes gewarnt. Auch die Wirtschaftsweisen teilen diese Sorge. So schreiben sie: “Die Unsicherheiten über die Lösung der Staatsschuldenkrise können maßgeblichen Einfluss auf den Welthandel haben.“ Im Fall weltweiter Schwierigkeiten müsste auch Deutschland mit einem Dämpfer rechnen, weil es weniger exportieren kann. “Bei einem weltweiten Abschwung“ wäre sogar ein Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität von 0,5 Prozent zu erwarten, sagte Franz.

Bis zu 12,3 Milliarden Euro weniger Güter und Services

Zum Vergleich: Wenn man alle produzierten Dienstleistungen und Güter zusammenzählt, erwirtschaften die Deutschen dieses Jahr noch etwa 2,46 Billionen Euro. Bei einem Rückgang um 0,5 Prozent wären es etwa 12,3 Milliarden Euro weniger - statt 24,6 Milliarden Euro mehr, wie vom Wirtschaftsministerium erwartet.

Um den Risiken vorzubeugen, müsse “jetzt die Binnennachfrage gestärkt werden“, sagte Claus Matecki, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes. “Dazu müssen prekäre Arbeitsverhältnisse, Minijobs und Leiharbeit zurückgedrängt und endlich ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro eingeführt werden“, sagte er weiter.

dapd

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