Discounter-Preiskrieg: Kein Ende in Sicht

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Düsseldorf - Die Preise befinden sich im freien Fall und es ist kein Ende in Sicht: Im Einzelhandel tobt der Preiskrieg.

Seit Jahresbeginn tobt im deutschen Einzelhandel ein gnadenloser Preiskrieg. Zum zehnten Mal in diesem Jahr setzte am Donnerstag Marktführer Aldi die Preise für umsatzstarke Artikel wie Joghurt, Käse oder Reis um bis zu 20 Prozent herunter. Und den Konkurrenten von Edeka bis Norma blieb keine andere Wahl als zu folgen.

Gewinner ist der Verbraucher. Den billigsten Sahnejoghurt kann er inzwischen schon für 25 Cent pro Becher bekommen, Reis für 89 Cent pro Kilogramm und 500 Gramm gemischtes Hackfleisch für 1,89 Cent.

Verlierer ist der Handel. Für viele Lebensmittelhändler hätten die durch den Preisverfall verursachten Ergebniseinbußen inzwischen die Schmerzgrenze erreicht, meint der Handelsexperte Joachim Zentes von der Universität Saarbrücken. Die vielleicht wichtigste Ursache des Preiskriegs: Nach Jahren des stürmischen Wachstums stoßen die Discounter erstmals an Wachstumsgrenzen. Ihr Marktanteil liegt inzwischen bei rund 42 Prozent und ist damit nach Einschätzung von Zentes kaum noch zu steigern. Wo früher Wachstumsspielraum für alle Discounter war, droht jetzt ein erbarmungsloser Verdrängungswettbewerb.

Edeka verschärft Wettbewerb im Billigsegment

Er wird noch dadurch angeheizt, dass Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka im Discount-Bereich künftig eine wichtigere Rolle spielen will. Edeka hat seine Discount-Tochter Netto durch die Übernahme des Konkurrenten Plus gestärkt und den Platzhirschen Aldi und Lidl den Kampf angesagt. Zugleich versuchen die großen Supermarktketten wie Edeka, Rewe oder real inzwischen, die Discounter mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Sie haben ein “Kampfsortiment“ von 600 bis 800 Artikeln von der Billigbutter bis zum Brillenputztuch aufgebaut, das sie zum Discounterpreis anbieten. “Der Verbraucher hat erkannt, dass er auch bei Rewe oder Edeka diese Artikel zu Preisen wie beim Discounter finden kann, aber in einer attraktiveren Präsentation und mit einer viel größeren Auswahl an zusätzlichen Artikeln“, sagt Zentes. Die erfolgsverwöhnten Billiganbieter sehen sich plötzlich unter Druck. 

Aldi schärft Preisimage

Doch Marktführer Aldi hat die Herausforderung angenommen. Fast im Monatsrhythmus senkte der Billiganbieter seit Jahresbeginn die Preise für umsatzstarke Produkte und schärfte so sein Image als preiswertester Anbieter. Dabei nahm die Discountkette offenbar auch Umsatzverluste bewusst in Kauf. Es ist eine Wette auf die Zukunft glauben viele Branchenbeobachter.

Bisher haben die Discounter noch nicht von der Konjunkturkrise profitieren können. Im Gegenteil: Nach Jahren des Niedergangs erlebten die klassischen Supermärkte zuletzt eine regelrechte Renaissance. Doch das könnte sich ändern, wenn die Konjunkturkrise den Arbeitsmarkt härter trifft als bisher und die gute Konsumlaune kippt. Dann könnte Aldi vom jetzt teuer erkauften Billigimage profitieren. Die Verbraucher können sich in der Zwischenzeit wohl noch auf so manches Schnäppchen freuen. “Es wird auf jeden Fall noch weitere Preisrunden geben“, prognostizierte ein Branchenkenner im Gespräch mit AP.

AP 

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