DIW-Energieexpertin im tz-Interview

Wie bekommen wir den Strompreis in den Griff?

München - Die tz hat mit der DIW-Energieexpertin Prof. Claudia Kemfert  darüber gesprochen, wie wir den Strompreis in den Griff kriegen können, ohne die Ziele der Energiewende zu verraten.

Umweltminister Peter Altmaier und Wirtschaftsminister Philipp Rösler haben einen neues Kapitel beim Kampf gegen steigende Strompreise aufgeschlagen. Die beiden Streithähne haben sich überraschend auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt. Ziel sei es, die EEG-Umlage zunächst festzuschreiben und in Folge ihren Anstieg zu begrenzen, so Altmaier. Rösler meint: „Der Weg ist jetzt frei für solche Maßnahmen noch in dieser Legislaturperiode.“ Bis zum 21. März soll es eine Einigung mit den Bundesländern geben, deren Vertreter sich dann mit Angela Merkel zum Energiewende-Gipfel treffen. Die tz hat mit der DIW-Energieexpertin Prof. Claudia Kemfert (aktuelles Buch: Kampf um Strom. Mythen, Macht und Monopole) darüber gesprochen, wie wir den Strompreis in den Griff kriegen können, ohne die Ziele der Energiewende zu verraten:

Die Bundesregierung sucht nach einer Strompreisbremse. Kann das überhaupt gelingen?

Prof. Claudia Kemfert, Energieökonomin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin: Teilweise kann die Suche erfolgversprechend sein – aber längst nicht in einer solch großen Dimension, wie man es jetzt vorgaukelt. Ein wichtiger Punkt, den man jetzt angehen will, ist die faire Verteilung der Lasten. Es ist richtig, wenn man jetzt die vielen Ausnahmen für energieintensive Betriebe zurückfahren will. Dadurch werden Privathaushalte nicht mehr so stark wie bisher belastet. Die anderen Vorschläge sehe ich dagegen kritisch. Gerade das Einfrieren der EEG-Umlage oder ein Energie-Soli bringen erhebliche Unsicherheit in den Markt. Dadurch werden die Investoren verunsichert.

Sind die Öko-Energien denn alleinverantwortlich für die steigenden Strompreise?

Kemfert: Nein. Ein wesentlicher Faktor ist, dass der Börsenpreis für Strom sinkt – auch weil die Erneuerbaren zulegen. Gleichzeitig haben wir aber einen sehr niedrigen CO2-Preis. Das Problem ist, dass die EEG-Umlage aus der Differenz zum Börsenpreis errechnet wird. Durch einen niedrigen Börsenpreis steigt also die Umlage – das wird in der Diskussion oft verschwiegen. Dabei könnte ein gesunkener Börsenpreis ja auch mal an die Kunden weitergegeben werden. Während bei steigenden Börsenpreisen auch der Strompreis anzieht, gilt das umgekehrt bei fallenden Preisen nicht. Hier würden uns strengere Transparenzregeln helfen, etwa über bundeseinheitlich ausgewiesene Rechnungen.

Welche Rolle spielt der CO2-Preis?

Kemfert: Eine entscheidende. Denn durch einen stabileren CO2-Preis hätten wir viele Probleme der Energiewende automatisch gelöst. Denn dann hätten wir beispielsweise höhere Börsenpreise – dadurch würde die EEG-Umlage sogar sinken. Damit könnte man die Verbraucher wirklich entlasten. Und man würde finanzielle Anreize für den Bau von Gaskraftwerken geben.

Wie könnte man den CO2-Preis verändern?

Kemfert: Der Handel mit CO2-Zertifikaten ist ein europäischer Markt – und er hat seine Fehler. Es gibt einfach zu viele Zertifikate, daher ist das Angebot zu groß, und der Preis geht nahezu gegen Null. Man müsste Zertifikate aus dem Markt nehmen – leider sperrt sich dagegen ausgerechnet das deutsche Wirtschaftsministerium.

Muss das EEG überarbeitet werden?

Kemfert: Schon, aber die kritikwürdigen Punkte im EEG kommen derzeit gar nicht zur Sprache. Da wäre der Ausbau der Windanlagen, der stockende Netzausbau und dezentrale Netze. Stattdessen geht es nur darum, die EEG-Umlage zu kappen. Damit gibt man das Signal, die Energiewende nicht zu wollen.

Wo stehen wir denn in Sachen Energiewende?

Kemfert: Gut sind wir beim Ausbau der Erneuerbaren Energien. Was wir jetzt brauchen, ist nicht nur ein koordinierter Netzausbau, sondern auch eine Netzoptimierung. Viele Netze sind alt – diese notwendige Modernisierung hat übrigens nichts mit der Energiewende zu tun. Völlig aus dem Blick verloren haben wir das Thema Energieeffizienz und die Bereiche Mobilität und Verkehr. Da passiert im Zuständigkeitsgebiet von Herrn Ramsauer viel zu wenig.

Energiewende: Diese Probleme sind noch zu lösen

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Die Zuständigkeiten sind über viele Ressorts verteilt …

Kemfert: Das macht das Management der Energiewende nicht einfacher. Da bräuchten wir eine verantwortliche Institution, wie etwa ein eigenes Energieministerium.

In Bayern gehen besonders viele Atomkraftwerke vom Netz. Was muss hier passieren?

Kemfert: In Bayern und ebenso in Baden-Württemberg brauchen wir neue Gaskraftwerke, die gut mit den Erneuerbaren Energien kombinierbar sind. Mit mehr Gaskraftwerken würde sich auch das Problem des Netzausbaus erledigen, da wir den Strom dann nicht mehr von Nord nach Süd transportieren müssten.

Was kann ich als Verbraucher tun, um die Stromrechnung etwas zu drücken?

Kemfert: Wenn ihr Anbieter zu teuer ist, wechseln sie ihn! Weil die Kunden so selten den Anbieter wechseln, können sich die Konzerne ihre derzeitige Preispolitik überhaupt erlauben. Ganz wichtig ist natürlich auch das Energiesparen: Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde ist die beste!

Interview: Marc Kniepkamp

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