Drogeriekette Schlecker ist insolvent

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Erst rote Zahlen, jetzt das Aus: Die Drogeriekette Schlecker ist insolvent.

Ehingen/Ulm - Gerüchte über eine finanzielle Schieflage gibt es seit Monaten. Jetzt ist eine Zwischenfinanzierung geplatzt und der Drogerieriese Schlecker sieht keinen anderen Ausweg mehr als die Planinsolvenz.

Der Drogeriekonzern Schlecker geht in die Planinsolvenz. Das bestätigte das Unternehmen am Freitag. Der Insolvenzantrag werde „kurzfristig“ eingereicht. Ziel sei der Erhalt eines großen Teils des tausende Läden umfassenden Filialnetzes und damit auch der etwa 30 000 Jobs in Deutschland. Der Geschäftsbetrieb werde unverändert weiterlaufen. Ein Insolvenzantrag werde spätestens am Montag eingereicht, erfuhr dpa. Ein Sprecher des Amtsgerichts Ulm sagte, noch seien keine Unterlagen eingetroffen.

Aktuell habe eine geplante Zwischenfinanzierung nicht sichergestellt werden können, erklärte Schlecker. Daher könnten die weiteren Maßnahmen der aktuell laufenden Restrukturierung nicht so umgesetzt werden, wie geplant. Um welchen Betrag es geht, wollte ein Sprecher nicht sagen. Nach dpa-Informationen kam die geplatzte Geldspritze für die Geschäftsführung sehr überraschend.

Diesen Marken vertrauen die Deutschen

Zum neunten mal hat "Readers Digest" in 16 europäischen Ländern ermittelt, welche Marken in den Augen des Verbauchers besonders vertrauenswürdig sind. In der Kategorie "Einzelhandel" hatte in Deutschland der Discounter "Aldi" die Nase vorn. © dpa
Insgesamt haben 23 287 Verbraucher an der Studie "Reader's Digest European Trusted Brands 2009" teilgenommen. Die Deutschen Teilnehmer wählten die "Allianz" auf Platz eins unter den Versicherungen. © dpa
Alleine in Deutschland haben sich an dieser Studie über 7000 Menschen beteiligt. Sie schenken mehrheitlich der Marke "Aral" ihr Vertrauen im Bereich "Kraftstoffe". © dpa
Bei den Spirituosen hat die Marke "Asbach" in Deutschland die Nase vorn. © ap
Aspirin ist sozusagen der Gesamtsieger im Bereich der Schmerzmittel. In Österreich, Spanien, Schweiz und Deutschland wurde das Produkt aus dem Hause Bayer auf Platz eins gewählt. © dpa
Noch besser schnitt sogar die Firma "Canon" ab. Im Bereich Fotogeräte belegte diese Marke in 13 der 16 Länder Platz eins. Auch in Deutschland. © dpa
Ein beliebtes Frühstück: Müsli oder eben Cornflakes. Die absolute Vormachtstellung in Sachen Verbrauchervertrauen besitzt im Bereich der Frühstückscerealien die Marke "Kellog's". Platz eins in Deutschland und neun weiteren Ländern. © dpa
In Sachen Computer genießt "Fujitsu Siemens in Deutschland das meiste Vertrauen. In neun Ländern wurde allerdings die Marke "Hewlett Packard", bzw. "HP Compaq" gewählt. © dpa
Die deutsche Nummer eins im Bereich Bekleidung: C&A. © dpa
Bei Erkältungen verlassen sich die Deutschen längst nicht nur auf Hausmittel. Arzneimittel der Marke "Wick" liegen in Deutschland, Belgien und Frankreich im Bereich "Erkältungsmittel" auf Platz eins. © dpa
Die deutsche Nummer eins unter den Reinigungsmitteln: Produkte der Marke "Frosch". © Frosch
Die neue Nummer eins der "Internet Service Provider": Google beendet die jahrelange Vorherrschaft von AOL. © dpa
Im Bereich Haarpflege vertrauen die Deutschen der Marke "Schwarzkopf". Gesamtsieger ist aber "Pantene" (drei mal Platz eins). © dpa
Ob Lakritzschnecken oder Gummibärchen: Die deutsche Nummer eins bei den Süßigkeiten ist Haribo in der Verbrauchergunst. © dpa
Ob die Gurkenmaske alleine reicht? Viele verlassen sich lieber auf Kosmetika: In Deutschland vertraut man "Yves Rocher", gleich fünf Nationen wählen allerdings "Nivea" auf Platz eins. © dpa
Kreditkarten gibt es viele, doch die Vormachtstellung scheint in Europa klar definiert: Gleich in 14 Nationen, darunter auch Deutschland, sprachen die Verbraucher "VISA" ihr Vertrauen aus. © dpa
Ob es an dem Kochstudio aus der Werbung liegt? Im Bereich Lebensmittel hat "Maggi" in Deutschland die Nase vorn. © ap
Nicht nur Waschmaschinen fallen unter die Kategorie Küchengeräte. Die Firma "Miele" lag gleich in fünf Ländern vorne. Auch in Deutschland. © dpa
"Müllermilch" holte in Deutschland bei den Milchprodukten die Topplatzierung. © dpa
Der absolute Primus. "Nivea" aus dem Hause Beiersdorf liegt in der Kategorie Hautpflege in allen 16 Ländern vorne. Und das zum fünften mal in Folge. © dpa
Durch die Werksschließung in Bochum zwar in die Kritik geraten, doch noch immer die Nummer eins im Ansehen des Verbrauchers: Nokia gewinnt in der Kategorie Mobilfunkhersteller. Und das ebenfalls in allen 16 Ländern. © dpa
Die Kette "Obi" führt in Deutschland in der Kategorie Gartenbedarf. © dpa
Platz eins im Bereich der Mundpflege: "Odol". © dpa
Bei den Waschmitteln überzeugt die Marke "Persil" die Verbraucher in Deutschland, Österreich und England. Der Konkurrent "Ariel" gewann gleich in sechs europäischen Ländern. © dpa
Nach wie vor die Nummer eins der Deutschen in Sachen Sekt: Die Marke "Rotkäppchen". © dpa
Manche können gar nicht genug davon bekommen: Schuhe. Das größte Vertrauen unter den hiesigen verbrauchern genießen Treter der Marke "Rieker". © ap
In Sachen Finanzen müssen Banken derzeit um das Vertrauen ihrer Kunden besonders hart kämpfen. Die "Sparkassen" genießen derzeit die größte Gunst. © ap
"TUI" genießt in Deutschland und Österreich das meiste Vertrauen im Bereich der Reiseanbieter. © dpa
Der Mobilfunkanbieter "Vodafone" wurde in Deutschland und Rumänien auf Platz eins gewählt... © dpa
... Kurios: Der Anbieter "T-Mobile" liegt dafür in Tschechien vorne. © dpa
Vitamine kann man duch frisches Obst zu sich nehmen, oder durch Tabletten. Im Breich der Vitamintabletten vertrauen die Konsumenten in Deutschland der Marke "Centrum". © ap
Bei den Automarken liegt häufig eine starke Marke aus dem eigenen Land vorne. "Volkswagen" belegte aber nicht nur in Deutschland die Spitzenposition, sondern auch in Österreich, Schweiz und Polen. © dpa

In seinem Insolvenzantrag will Schlecker nun auch direkt den Gläubigern Vorschläge unterbreiten, wie es mit dem Konzern weitergehen kann. Die Mitarbeiter wurden ebenfalls am Freitag informiert. „Wir glauben an die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens“, sagte der Sprecher.

Berichte über Lieferengpässe und Zahlungsschwierigkeiten hatte Schlecker zuletzt immer wieder dementiert. Die Unternehmenserben Meike und Lars Schlecker hatten auch daran festgehalten, nach jahrelang roten Zahlen dieses Jahr wieder Gewinn machen zu wollen.

Schlecker war in den vergangenen Jahren immer stärker unter Druck geraten. Zuletzt hatte das Unternehmen über 1000 Filialen zugemacht und begonnen, sein altes Filialnetz zu sanieren. Ziel ist es, mit attraktiveren Läden mit den Konkurrenten dm und Rossmann mithalten zu können.

Im Geschäftsjahr 2010 war der europaweite Umsatz um rund 650 Millionen Euro auf 6,55 Milliarden Euro gesunken. Für 2011 rechnete der schwäbische Familienkonzern erneut mit sinkenden Erlösen. Neuere Zahlen hatte Schlecker bisher nicht genannt. Angaben zum Gewinn oder Verlust macht die Kette traditionell nicht. Die Mitarbeiterzahl lag Ende 2011 bei über 30 000 in Deutschland und weiteren rund 17 000 im Ausland.

Zuletzt hatte Schlecker noch rund 7000 Läden in Deutschland und etwa 3000 weitere in Österreich, Spanien, Frankreich, Italien, Tschechien, Polen und Portugal. Im Wettbewerb hatten die Konkurrenten dm und Rossmann zuletzt aufgeholt.

Experte: Schlecker reagierte zu spät auf Trends

Schlecker hat nach Experteneinschätzung viel zu spät auf neue Wünsche der Verbraucher und moderne Ladenkonzepte der Konkurrenz reagiert. „Schlecker hat erst gegengelenkt, als es längst zu spät war. Die Wettbewerber wurden mit jedem Tag stärker und Schlecker täglich schwächer“, sagte der Discountexperte Matthias Queck vom Handelsinformationsdienst Planet Retail am Freitag in Frankfurt am Main der Nachrichtenagentur dpa.

„Anton Schleckers Konzept funktionierte nur da ganz ordentlich, wo er konkurrenzlos war. Doch die Konkurrenz ist inzwischen überall. Auch in jeder Kleinstadt“, schildert Queck den harten Wettbewerb. Nirgendwo sonst gebe es so viele Drogeriemärkte pro Einwohner wie in Österreich und Deutschland. Außerdem mischten zunehmend große Lebensmittelhändler in Deutschland wie das Lidl-Schwesterunternehmen Kaufland beim Geschäft mit Babynahrung, Shampoo und Waschmitteln mit.

„Schleckers System basierte im Wesentlichen darauf, immer neue Filialen zu eröffnen und sich das von den Lieferanten mitfinanzieren zu lassen“, erläutert Queck. Dieses System müsse aber irgendwann zusammenbrechen, weil nicht ohne Ende in Deutschland neue Filialen eröffnet werden könnten. Außerdem habe Schlecker mit der zunehmenden Konkurrenz durch andere Drogerieketten an Marktmacht verloren. Das habe ein Gezerre mit Lieferanten um Konditionen heraufbeschworen.

Ein weiterer Grund seien die kleinen Filialen mit niedrigen Umsätzen. „Die Umsätze müssen nur geringfügig nachgeben, und der Laden ist in die roten Zahlen gerutscht“, verdeutlicht der Discountexperte. Wenn dies an vielen Standorten geschehe, sei es schwer, dagegen zu halten. „Zu viele Stellschrauben, die von Meike und Lars Schlecker auf einmal angegangen werden mussten.“ Die Konkurrenz punkte bei den Verbrauchern mit großflächigen Läden.

Schlecker-Mitarbeiter am Freitag informiert

Die Nachricht der Schlecker-Insolvenz erreichte auch die rund 30 000 Mitarbeiter des Drogeriekonzerns erst am Freitag. Einem Schlecker-Sprecher zufolge gab es eine hausinterne Mitteilung. Wie ein Verdi-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa sagte, erfuhren die Beschäftigten die schlechte Nachricht aber zunächst aus den Medien.

In verschiedenen Stuttgarter Filialen der Drogeriekette wollten sich die Mitarbeiter nicht zu der angekündigten Insolvenz äußern. „Kein Kommentar“ oder auch „Fragen Sie meine Bezirksleiterin“, hieß. In einer Filiale im Stuttgarter Westen sagte die Kassiererin: „Ich weiß von nichts. Wir wissen nicht einmal, ob wir geschlossen werden.“

Kalt erwischt von der Nachricht wurde die Kassiererin einer Schlecker-Filiale in der Frankfurter Innenstadt: „Das überrascht mich total.“ Angst um Ihren Arbeitsplatz habe sie jedoch nicht. Ein paar Meter weiter gibt sich die Angestellte einer anderen Filiale betont ruhig. „Ich mache mir um das Personal in unserem Bezirk keine Sorgen.“ Sie vertraue auf die Beschäftigungssicherung und hoffe noch darauf, „dass irgendwann alles besser wird“.

dpa

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