Harte Einschnitte

EADS streicht 5.800 Stellen 

Paris - Bis Mitte 2014 will EADS mit den Gewerkschaften über den geplanten Abbau von 5800 Stellen verhandeln. Dort gibt es auch Verständnis für die Sorgen in der Rüstungssparte.

Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern EADS sieht weitere Jobs in Gefahr, sollte es keine neuen Bestellungen für das Kampfflugzeug Eurofighter geben. Bis 2017 gebe es noch Aufträge für den Jäger, blieben weitere aus, werde es 2018 zusätzlich Jobkürzungen geben müssen, sagte der Chef der neuen Sparte Airbus Defence & Space, Bernhard Gerwert, am Dienstag. Der künftig unter dem Namen Airbus Group firmierende EADS-Konzern hatte am Montag den Abbau von 5800 Arbeitsplätzen vor allem im Rüstungsbereich bis 2016 angekündigt.

Betriebsbedingte Kündigungen schließt Konzernchef Tom Enders angesichts des geplanten Abbaus nicht aus. Die Details der Stellenstreichungen sollen bis Mitte 2014 mit den Gewerkschaften verhandelt werden. Die Notwendigkeit der harten Einschnitte verteidigte der Manager erneut. Jetzt nichts zu unternehmen, wäre unverantwortlich, sagte Enders. IG Metall und EADS-Betriebsrat erwarten angesichts der Pläne lange Verhandlungen mit dem Management.

Allein 2600 Stellen sollen in Deutschland wegfallen. Auch wenn nach den vorliegenden Informationen die meisten Arbeitsplätze in Bayern wegfallen sollten, wo die größeren Rüstungsstandorte sind, „gibt es keine Entwarnung für den Norden“, sagte Heiko Messerschmidt, Sprecher der IG Metall Bezirk Küste. Konkrete Zahlen für die einzelnen EADS-Standorte wurden noch nicht vorgelegt.

Vor allem die Ankündigung möglicher betriebsbedingter Kündigungen sorge in der Belegschaft für Wut und Verunsicherung. „EADS ist ja kein Sanierungsfall“, sagte Messerschmidt. Insgesamt geht es EADS trotz der Probleme im Rüstungsbereich glänzend - dank der größten und wichtigsten Tochter Airbus, die mit ihren prallen Auftragsbüchern Milliarden einbringt.

Der Eurofighter wird im bayerischen Manching montiert. Der angekündigte Abbau wird weitere Standorte in Bayern treffen. So wird die Zentrale der bisherigen Rüstungssparte in Unterschleißheim geschlossen und nach Ottobrunn im Münchner Süden verlegt. Es solle alles getan werden, um betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern, sagte Betriebsratschef Rüdiger Lütjen. Allerdings müsse die Lage nun erstmal in Ruhe bewertet werden. Bis Februar solle es weitere Details zum Stellenabbau geben. Dann müsse man mit EADS sprechen. „Wir gehen davon aus, dass die Verhandlungen Monate dauern werden“, sagte Lütjen.

IG-Metall-Vorstand Jürgen Kerner sieht angesichts der Sparpläne auch die Bundesregierung in der Pflicht. Die Politik müsse sich mit Gewerkschaften und Unternehmen über eine industriepolitische Strategie für die Luftfahrt- und Rüstungsindustrie verständigen.

EADS bekommt die Sparpolitik der Staaten in Europa vor allem im Rüstungsbereich massiv zu spüren. In Berlin herrschte am Dienstag angesichts der Kürzungsankündigungen allerdings Zurückhaltung.

Die Bundesregierung plant nicht, sich in den Stellenabbau beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS einzumischen. Im Wirtschaftsministerium hieß es, dass man die Entscheidung der Konzernleitung der EADS, 5800 Stellen bis Ende 2016 konzernweit abzubauen, mit Bedauern zur Kenntnis nehme. „Wir werden die weitere Entwicklung - insbesondere den geplanten Umbau des Konzerns - aufmerksam verfolgen.“ Deutschland ist nach einem Umbau der Aktionärsstruktur mit 12 Prozent an EADS beteiligt. „Unser Ziel ist, wettbewerbsfähig zu werden. Wir werden sehen, ob die geplanten Maßnahmen ausreichen oder ob es weitere Kürzungen geben muss“, sagte Enders. Es sei jedoch klar, dass es auch künftig Veränderungen geben werde. Das Rüstungsgeschäft sei nach der am Widerstand aus Berlin gescheiterten Fusion mit BAE Systems unter Druck. Es fehlten staatliche Aufträge, Bestellungen würden verkleinert.

Bereits bekannt war, dass EADS seine Raumfahrttochter Astrium mit der Wehrtochter Cassidian zur neuen Sparte Airbus Space & Defence zusammenlegen wird. Über Wochen war unklar, wie viele Jobs in der Sparte wegfallen sollen. Die IG Metall reagierte mit Protesten.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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