Erleichterung bei Quelle „ist extrem“

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“Unsere Kolleginnen und Kollegen hängen mit jeder Faser an dem Unternehmen, sie haben Quelle auf die Stirn geschrieben“, sagt die Betriebsratsvorsitzende Ulonska.

Fürth - Erst allmählich lässt die Anspannung bei den Quelle-Beschäftigten am Stammsitz in Fürth nach. “Die Erleichterung ist extrem“, sagt die Betriebsratsvorsitzende Beate Ulonska.

Viele hatten am Montag noch spätabends die Meldungen im Fernsehen und Internet verfolgt, hatten gezittert und gebangt, ehe kurz nach 22 Uhr die erlösende Nachricht aus Berlin kam: Der rettende Massekredit über 50 Millionen Euro ist bewilligt. “Die Erleichterung ist extrem“, sagt die Betriebsratsvorsitzende Beate Ulonska. “Jetzt läuft der Motor wieder an.“ Rund 5000 Arbeitsplätze bei dem insolventen Versandhändler standen allein in Fürth und Nürnberg auf dem Spiel, die Zukunft vieler Familien hängt von Quelle ab.

Am Dienstagmorgen wurde Geschäftsführer Konrad Hilbers , der in Berlin mit am Tisch saß, von der Belegschaft mit Beifall empfangen, als sein Wagen in den Hof rollte. Manche hatten Tränen in den Augen. “Unsere Kolleginnen und Kollegen hängen mit jeder Faser an dem Unternehmen, sie haben Quelle auf die Stirn geschrieben“, sagt Ulonska. Überwiegend sind es Frauen, die bei dem Versandhaus arbeiten, häufig sind sie schon viele Jahre dabei. Der staatliche Kredit gibt ihnen nun eine Zukunftschance. Quelle bleibt damit zunächst das Schicksal eines anderen großen Traditionsunternehmens aus Fürth erspart: Der Elektronikhersteller Grundig wurde nach der Insolvenz zerschlagen.

Die Erleichterung über die Hilfe in letzter Sekunde ist in allen Äußerungen spürbar, doch ebenso schnell folgt der Hinweis, dass es keinen Anlass für Euphorie gebe. Man habe eine Chance bekommen, die man jetzt nutzen müsse, heißt es unisono. “Wir haben noch einen steinigen Weg zu gehen“, sagt Betriebsratschefin Ulonska. “Die Ärmel sind schon hochgekrempelt“, ergänzt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ernst Sindel. Geschäftsführer Hilbers gibt am Dienstag die Parole aus: “Jetzt fängt die Arbeit richtig an.“

Als erstes geht es darum, das Tagesgeschäft möglichst schnell zu stabilisieren. Der neue Katalog, dessen Druck zwischenzeitlich auf der Kippe stand, wird in diesen Tagen ausgeliefert und soll einen neuen Schub geben. Zwar seien die Kunden bisher erstaunlich treugeblieben, heißt es, aber die Negativmeldungen der vergangenen Tage, als das Überleben von Quelle von mancher Seite bezweifelt wurde, hätten doch Wirkung gezeigt: Die Zahl der Bestellungen ging zurück.

Ebenso schnell muss der Finanzstrom mit der Essener Valovis-Bank wieder in Gang gesetzt werden. Die Bank, die die Finanzgeschäfte für Quelle abwickelt, hatte nach der Insolvenz die Zusammenarbeit beendet und das Unternehmen damit von den laufenden Zahlungseingängen abgeschnitten. “In den nächsten Wochen werden wir ein Geschäftsmodell erarbeiten, das unsere Zukunftsfähigkeit herausstellt und mit dem wir profitabel arbeiten können“, sagt Firmensprecher Manfred Gawlas.

Zugute soll Quelle kommen, dass nun die Herbst-Winter-Saison beginnt, der stärkste Abschnitt des Jahres. Zuversicht schöpft Betriebsratschefin Ulonska auch daraus, dass das Online-Geschäft stabile Zuwachsraten aufweise. “Zunehmend gehen die Frauen ins Netz, und auch die ältere Generation ist im Kommen.“ Gerade bei diesen Kundengruppen sei Quelle mit seinem Sortiment gut unterwegs. “Die Marke genießt nach wie vor großes Vertrauen“, meint Ulonska. Doch allen bei Quelle ist klar, was Betriebsrat Rainer Rohlederer so formuliert: “Die Kunden entscheiden darüber, wie es weitergeht.“

dpa

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