Vierter Anlauf

Evonik: Börsengang durch die Hintertür

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Evonik geht an die Börse.

Frankfurt/Essen - Drei Mal musste Evonik den Börsengang absagen. Jetzt klappt es: Ende der Woche startet der Chemiekonzern am Frankfurter Parkett.

Fußballfans ist der Evonik-Schriftzug vom Trikot des Deutschen Fußballmeisters Borussia Dortmund schon länger geläufig. Nun lernen auch Börsenhändler ohne Sportambitionen den Essener Spezialchemiekonzern kennen. Nach drei gescheiterten Anläufen in den vergangenen Jahren wagt das Unternehmen erneut den Sprung an die Börse - und diesmal aller Voraussicht nach mit Erfolg. Nach der Börsenzulassung werde mit der Erstnotierung am Frankfurter Parkett am Ende dieser Woche gerechnet, hieß es am Montag aus Anlegerkreisen. Börsenfachleute erwarten, dass der Wert sehr schnell in den MDax aufsteigt.

Es ist Deutschlands bisher größter Börsengang des Jahres - und zugleich ein Börsengang durch die Hintertür. Das Unternehmen startet keine klassische öffentliche Emission, sondern hat im Februar und März in mehreren Schritten rund zwölf Prozent der Aktien bei vorbörslichen Privatplatzierungen an Investoren wie den Singapur-Staatsfonds Temasek vergeben. Zwei weitere Prozent gehen an institutionelle Investoren. Wegen der großen Nachfrage habe sich der zugrunde gelegte Preis im Laufe des Verfahrens erhöht, hieß es. Insgesamt wird für die 14 Prozent der Aktien mit Einnahmen von rund zwei Milliarden Euro gerechnet.

Wer ist im DAX?

Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Der Deutsche Aktienindex, der DAX, zeigt die Entwicklung der 30 größten beziehungsweise umsatzstärksten deutschen Unternehmen.   © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Der DAX wird seit 2006 jede Sekunde aktualisiert. Zuvor war er im 15-Sekunden-Takt neu berechnet worden. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Jedes Jahr im September gibt es einen ordentlichen Anpassungstermin für die im DAX geführten Unternehmen. Unter dem Jahr finden nur eine Anpassung statt, wenn ein Unternehmen aus den Kriterien herausfällt. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Adidas ist nach Nike der größte Sportartikel-Hersteller weltweit. Das Unternehmen mit Sitz in Herzogenaurach besitzt die Marken Adidas, Reebok und TaylorMade. Gründer Adi Dassler sprach angeblich jahrelang kein einziges Wort mit seinem Bruder und Erzrivalen Rudi Dassler, dem Gründer von Puma. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die Allianz SE hat ihren Sitz in München. Sie ist der weltgrößte Versicherungskonzern, setzt man Umsatz und Marktkapitalisierung als Basis an. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die BASF SE hieß früher Badische Anilin & Soda-Fabrik. SE steht für Societas Europaea. Das ist der Name einer Rechtsform von Aktiengesellschaften in der EU. Das Unternehmen BASF ist der weltgrößte Chemiekonzern. Der Firmensitz ist in Ludwigshafen. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die Bayer AG ist vor allem für die Herstellung von Arzneimitteln bekannt. Das Ursprungsunternehmen wurde bereits 1863 gegründet. Seit 1897 vertreibt Bayer das Medikament Aspirin. Die Bayer AG ist eine Holding-Gesellschaft, die aus 350 Gesellschaften besteht und 100 000 Mitarbeiter hat. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die Nivea-Creme ist bereits seit 1911 auf dem Markt. Das Unternehmen Beiersdorf, dass sie bis heute herstellt wurde 1882 von dem Hamburger Apotheker Paul Carl Beiersdorf gegründet. Heute ist das Unternehmen weltweit aktiv und produziert verschiedenste Kosmetikartikel und Konsumgüter. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
BMW, die Bayerischen Motorenwerke, sind heute für hochwertige Autos und Motorräder bekannt. 1913 produzierte das Münchner Unternehmen noch Flugzeugmotoren. Das Unternehmen hat weltweit knapp 100 000 Mitarbeiter. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die Commerzbank AG ist das zweitgrößte Kreditinstitut Deutschlands. Sie betreut etwa 15 Millionen Kunden auf der ganzen Welt. Bei der Weltwirtschaftskrise 1931 war die Commerzbank bereits so wichtig, dass die Reichsregierung ein Bankenrettungspaket inklusive einer Zwangsfusion für das Institut auflegte. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die Daimler AG existiert erst seit 2007. Die Unternehmsgeschichte des Mercedes-Herstellers reicht allerdings bis ins Jahr 1883 zurück. Damals gründete der Ingenieur Carl Benz „Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik in Mannheim", die bald darauf der erste Automobilhersteller Deutschlands wurde. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die Deutsche Bank ist das größte Kreditinstitut Deutschlands, sowohl nach der Bilanzsumme, als auch nach der Zahl der Mitarbeiter. Ihre Geschichte beginnt 1870, als der Kaufmann Adelbert Delbrück den Bankier Ludwig Bamberger von seiner Idee überzeugte, sich vom englischen Bankgeschäft unabhängig zu machen. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die Deutsche Börse ist mit ihren eigenen Aktien im DAX gelistet. Ihr Unternehmenssitz ist passender Weise in der Finanzmetropole Frankfurt/Main. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die Deutsche Lufthansa ist eines der größten Unternehmen in der zivilen Luftfahrtbranche. Nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte das neuentstandene Unternehmen die Rechte an dem Namen der aufgelösten Vorgänger-Gesellschaft. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die Deutsche Post AG existiert in ihrer heutigen Form seit 1995. Die gelbe Farbe führte die Post aber schon zu Reichspostzeiten. Nach der Gründung der Bundespost waren Fahrzeuge und Briefkästen einheitlich honiggelb. In den 1970ern wurde auf das kräftigere aber schwermetallhaltige Kadmiumgelb gewechselt. Heute ist ginstergelb Pflicht. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die Deutsche Telekom AG ist nach der zweiten Postreform 1995 entstanden, als der Fernmeldedienst aus der Deutschen Bundespost herausgelöst wurde. Früher war die Farbe der Fernmeldedienst-Fahrzeuge zeltgrau. Im Zuge der Entwicklung des Corporate Designs der Telekom löste magenta gelb und grau ab. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die Eon AG hat ihren Sitz in Düsseldorf und versorgt große Teile Deutschlands mit Gas und Strom. Ihre Tochtergesellschaften betreiben unter anderem 13 Kernkraftwerke, elf Kohlekraftwerke, einen Offshore-Windpark und zwei Biomassekraftwerke. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Fresenius hat sich auf Medizintechnik spezialisiert. Das Unternehmen ist einer der größten privaten Betreiber von Krankenhäusern in Deutschland. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Fresenius Medical Care ist eigenständig an der Börse gelistet. Das Unternehmen ist der weltweit führende Anbieter von Produkten und Dienstleistungen für Dialysepatienten. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die Heidelberg Cement AG ist der viertgrößte Zementhersteller weltweit. Die Unternehmensgeschichte beginnt mit dem Bierbrauer Johann Philipp Schifferdecker, der 1873 die in Konkurs gegangene Bergheimer Mühle kaufte. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Henkel stellt nicht nur Waschmittel sindern auch Kosmetik und Klebstoffe her. Seine Ursprünge hat das Unternehmen 1876 in Aachen. Bereits 1886 eröffnete Gründer Fritz Henkel die erste Auslandsfiliale in Wien. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die Infineon Technologies AG entstand 1999, als Siemens sein Halbleitergeschäft ausgliederte. Das Unternehmen produziert Chipkarten und weitere elektronische Bauteile. Der Firmenname ist ein Kunstwort aus dem englischen infinity (=Grenzenlosigkeit) und dem griechischen aeon (=Unendlichkeit). © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die K+S AG hieß früher Kali und Salz AG. Das Bergbauunternehmen bietet Düngemittel an und ist damit einer der Größten in Europa. Von 1971 bis 1993 war das Unternehmen Teil des BASF-Konzerns. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die Linde AG hat ihren Sitz in München. Ihr Ursprung liegt in der Gesellschaft für Lindes Eismaschinen, die bereits 1871 die Spaten-Brauerei in München mit einer Kältemaschine ausstattete. Erfinder Carl von Linde lehrte später an der Technischen Universität München. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
MAN produziert Nutzfahrzeuge und Maschinen. Früher war das Unternehmen auch im Bergbau aktiv. Der Erzabbau und die Eisenproduktion wurden aber genauso aufgegeben wie Schienen- und Heiztechnik. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die Merck KGaA ist ein Chemie- und Pharma-Unternehmen. Die Historie reicht zurück in die Zeit des Dreißgjährigen Krieges, als Friedrich Jacob Merck in Damstadt eine Apotheke eröffnete. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die Metro AG  ist eine Holding-Geslesschaft aus mehreren Groß- und Eizelhandelsunternehmen. In jüngster Zeit kaufte die Gruppe die Wal-Mart-Märkte in Deutschland und trennte sich von Adler. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die Munich Re (früher Münchener Rück) heißt eigentlich Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft. Das Unternehmen versichert Versicherer. Als der Rückversicherer vor Jahren gestiegene Schadenssummen durch den Klimawandel begründete, bekam das Thema endgültig wirtschaftliche Brisanz. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die RWE AG hieß bis 1990 Rheinisch-Westphälisches Elektrizitätswerk. Der Energieversorger ist der zweitgrößte Deutschlands, wenn man den Umsatz als Bemessungsgrundlage heranzieht. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
SAP stellt Software her. Computerprogramme  für Geschäftsprozesse wie Buchführung, Vertrieb oder Lagerhaltung machen den Schwerpunkt der Produktion aus. SAP ist der viertgrößte Softwareproduzent der Welt und der größte in Europa. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Siemens wurde 1847 als Baufirma für Telegraphen gegründet. Nach der Pleite der Tochter Siemens mobile ist das Unternehmen nicht mehr in der Kommunikationsbranche aktiv. Geschäftsbereiche sind unter anderem Medizintechnik, Turbinen und Schienenfahrzeuge. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die TyssenKrupp AG ist das größte Rüstungsunternehmen in Deutschland. In der Geschichte der Industrialisierung Deutschlands spielten der Konzern und seine Vorgängerunternehmen eine bedeutende Rolle. Sie hatten nicht nur auf die Industriepolitik sondern auch auf Innen- und Außenpolitik maßgeblichen Einfluss. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die Volkswagen AG ist der größte Auto-Hersteller Europas. Zum Konzern gehören die Marken Audi, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Seat, Skoda, VW, Volkswagen Nutzfahrzeuge und Scania. Auch an der Porsche AG ist Volkswagen beteiligt. © dpa

Evonik-Chef Klaus Engel versprach den Investoren im März bei der Bilanzvorlage ein „attraktives Wachstum ohne Abenteuer“. Der einstige Mischkonzern - 2007 aus den Industrieanteilen des Kohlekonzerns RAG hervorgegangen - hatte sein Portfolio seit Jahren zielstrebig auf das Kernfeld Spezialchemie und den Börsengang hingetrimmt: Die Mehrheit an der Energietochter Evonik-Steag wurde verkauft. 2011 gab Evonik sein Ruße-Geschäft (Carbon Black) ab, 2012 folgten die Farbstoffe (Colorants) und Evonik trennt sich von Teilen seiner Immobilien-Tochter Vivawest.

Der Konzerngewinn stieg 2012 um knapp ein Fünftel auf 1,2 Milliarden Euro. Das Unternehmen investiert stark in Asien und setzt auf Trends wie die weltweit immer hochwertigere Ernährung mit steigendem Fleischanteil: Evonik baut riesige Fabriken für Aminosäuren zur Tierfutterproduktion. Beim globalen Bevölkerungswachstum ist Evonik mit Superabsorbern für Babywindeln dabei. Die Investitionen in aller Welt kann Evonik dabei fast komplett aus eigenen Mitteln decken, größere Übernahme-Abenteuer hat sich das Management bisher verkniffen.

Für den Haupteigner RAG-Stiftung, dem nach dem Börsengang noch rund 68 Prozent verbleiben, ist Evonik ein Dauerinvestment mit festgeschriebenem Ziel: Aus den Erlösen des Evonik-Börsengangs, Dividenden und Kapitaleinnahmen muss die Stiftung nach ihrer Satzung die dauerhaften Folgekosten des Steinkohlebergbaus in Deutschland nach dem Ende der Förderung 2018 tragen.

Nach aktuellen Berechnungen benötigt die Stiftung für diese „Ewigkeitslasten“ ab 2019 einen Vermögensstock von rund 13 Milliarden Euro. Die rund zwei Milliarden Euro für 14 Prozent Aktienanteil entsprechen einer Unternehmensbewertung von gut 14 Milliarden Euro. Das Ziel dürfte erreicht und übertroffen werden, wenn Evonik-Chef Engel bei der Erstnotierung in Frankfurt die Glocke läutet.

Sehr viel unsicherer sind dagegen die Aussichten des von Evonik gesponserten BVB: Der schwarz-gelbe Ruhrgebietsclub, dem viele Evonik-Mitarbeiter auch privat anhängen, spielt an diesem Mittwoch gegen Real Madrid im Champions League-Halbfinale. Eine Niederlage könnte Engel alle Börsenfreunden verderben.

dpa

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